Für drei Tage als persönlicher Betreuer
22 Betreuer der Regionalen Zivilschutzorganisation Thierstein kümmerten sich in einer dreitägigen Übung um ihre Schützlinge aus dem APH Stäglen.

Für viele Schweizer ist das Bild des Rollstuhl schiebenden Helfers in der orange-oliven Uniform noch ungewohnt. Zu stark ist das Bild des Zivilschutzes in der Bevölkerung noch immer von der Eimerspritze oder von Pickel und Schaufel geprägt. «Der Zivilschutz hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt zur flexiblen, regionalen Organisation für Notlagen und Katastrophen in erster Linie», sagt Major Roger Jeker, Kommandant der Regionalen Zivilschutzorganisation Thierstein (RZSO). In Notlagen wie bei Überschwemmungen oder Bränden unterstütze der Zivilschutz neben Feuerwehr und Polizei auch das Gesundheitswesen. «Evakuierung und Betreuung sind Schwerpunkte im ‹neuen› Zivilschutz», sagt Roger Jeker mit Blick auf die zu Ende gehende dreitägige Übung im Alters- und Pflegeheim (APH) Stäglen. Jeder der 22 Angehörigen der RZSO habe sich persönlich um eine oder zwei Bewohnerinnen oder Bewohner gekümmert.
Grosser Aufgabenbereich
In Theorie und Praxis hätten die Zivilschützer zusammen mit dem Pflegepersonal viel erarbeitet, zählt der Major die vielfältigen Bedürfnisse der temporären Schützlinge auf. «Neben körperlichen und sozialen Bedürfnissen haben sie auch solche nach Wertschätzung und Selbstentfaltung», zeigt der RZSO-Kommandant die hohen Ansprüche an sein Team auf. Nur schon im Umgang mit dem Rollstuhl gelte es einige technische wie auch psychologische Grundregeln zu beachten. «Die Person im Rollstuhl ist ein gleichwertiger Partner», nennt Jeker den wichtigsten Grundsatz.
Erstens kommt es anders …
… und zweitens als man denkt. Diese geflügelten Worte kann Gruppenführer Lorenc Lesaj nur unterschreiben. Er hat die Übung zusammen mit zwei Kameraden und der APH-Leiterin Aktivierung, Marlene Hänggi, minutiös vorbereitet und dennoch einige Überraschungen erlebt. «Die Begeisterung der Leute vom APH war so nicht vorhersehbar», freut sich Lesaj. Etwa für die geplanten Ausflüge auf die Wasserfalle ob Reigoldswil und ins Kloster Mariastein oder dann für den Lottomatch. Bei letzterem hätten die Senioren wegen des Preises ganz grundsätzlich immer «Lotto» gerufen. «Sie werden uns vermissen», prophezeit Gruppenführer Lesaj und windet auch seinen Leuten ein Kränzchen. Für den Einsatz, das Einfühlungsvermögen und den perfekten Teamgeist. Auch Marlene Hänggi zeigt sich über den sinnvollen Einsatz der RZSO so begeistert, dass sie die Übung am liebsten nochmals wiederholen würde und meint: «Kommt nach meinen Ferien wieder!» Das würden sicher auch die Bewohnerinnen und Bewohner begrüssen, die ihren Betreuern, dem Jassen und dem Lottomatch schon am letzten Übungstag ein wenig nachtrauern.


