Die Schweiz tut sich schwer mit Windenergie
Zu den erneuerbaren Energien gehört zwingend auch die Windkraft. Sie hilft vor allem in Wintermonaten, Stromlücken zu schliessen, wie an einer Informationsveranstaltung in Rodersdorf aufgezeigt wurde.
2015 veröffentlichte der heute emeritierte ETH-Professor Anton Gunzinger das Buch «Kraftwerk Schweiz — Plädoyer für eine Energiewende mit Zukunft». Er beschreibt darin, wie sich der ökologische Fussabdruck vermindern und sich ein Energieszenario entwickeln liesse, das nachhaltig produzierte Energie ins Zentrum rückt.
Heute sind wir mit der Energiewende bereits etwas weiter. Doch so richtig hat sich die Idee und Dringlichkeit, auf erneuerbare Energie zu setzen, noch nicht grossflächig durchgesetzt. Es wird ganz im Gegenteil unter dem Stichwort «Technologieoffenheit» wieder darüber nachgedacht, neue AKWs zu errichten, obwohl der Souverän keine AKWs mehr möchte. Dies hält die Entwicklung nachhaltiger Energien zwar nicht auf, bremst diese in ihrer Dynamik jedoch erheblich.
Beispielsweise Windenergie
Deshalb sind Informationsveranstaltungen, die über den Ausbau erneuerbarer Energie informieren, durchaus wünschenswert. So geschehen vergangenen Freitag im Gemeindesaal von Rodersdorf. Eingeladen hatte die IG Nachhaltigkeit Rodersdorf hierfür gleich drei Referenten und eine Referentin, welche die Entwicklung der Windenergie voranbringen möchten. Denn die Schweiz befindet sich gegenüber ihren Nachbarn weit im Hintertreffen, wie Olivier Waldvogel von Suisse-Eole erörterte. Während in Baden-Württemberg 808, in Bourgogne-Franche-Comté 550 oder in Österreich 1451 Windanlagen laufen, sind es in der Schweiz gerade mal deren 50. Der grösste Windpark befindet sich in Mont Crosin im Berner Jura. Er beherbergt 16 Turbinen. Windenergie, so Markus Stokar von Pro Wind Nordwestschweiz, sei in Zukunft vor allem für die Energieversorgung in den Wintermonaten entscheidend. Dann produziert die Photovoltaik, abgesehen von PV-Anlagen im alpinen Raum, weniger Energie. Um die Ziele zu erreichen, müssten in der Schweiz mindestens 1200 Anlagen gebaut werden. Würden keine Windanlagen ausgebaut, so gäbe es nur eines: den Ausbau von Gaskraftwerken. Doch dies sei fürs Klima, so Stokar, «eine Katastrophe».
Lange Planungshorizonte
Die Produktion von Windenergie in der Schweiz ist trotz guter Voraussetzungen ein langwieriges Unterfangen, da Naturschutz, Akzeptanz und demokratische Regeln ernst genommen werden. Marcel Stalder, bei der IWB zuständig für das Projekt Windpark Challhöchi, zeigte auf, wie viele Hürden genommen werden müssen, um eine Windanlage zu errichten. Der durchschnittliche Planungshorizont dauere 15 bis 25 Jahre. Am Ende der Planung gehöre die Einsprache «zum Normalfall». Arbeiteten hingegen alle zielgerichtet zusammen, so seien vier Planungsjahre immer noch «schnell».
Wie Windenergie zunehmend akzeptiert werde, zeige das Beispiel von St. Brais mit zwei Windturbinen, wie Sabine Mehring von Pro Wind ausführte. Von den nicht ganz 250 Einwohnern befürworteten heute die überwiegende Mehrheit der Gemeinde die Windenergie. Daneben gäbe es vier ziemlich laute Windkraftgegner. Windkraftskeptiker gibt es auch in Rodersdorf, wie in der anschliessenden Fragerunde deutlich wurde.


