Aprikosenanlage hat gelitten
Die Obstproduzenten Schwarzbubenland OVS treffen sich jährlich an einem Sonntag zum gemeinsamen Flurgang bei einem ihrer Mitglieder.

Wenn wir gewusst hätten, was im letzten Winter mit der Aprikosenanlage passiert», hielt Obstproduzent Thomas Vögtlin-Zeugin vom Hof Hintere Säge in Ramiswil fest, «hätten wir ein anderes Hauptthema gewählt für die heutige Obstgartenbegehung.»
Wieso gingen die Schwarzbuben dieses Jahr auf einen Hof im Bezirk Thal? Thomas Vögtlin ist seit drei Jahren Präsident der OVS. Als im 2009 ein neuer Präsident oder eine neue Präsidentin gesucht wurde, nachdem die Co-Präsidenten Annemarie Saladin, Hochwald, und René Meier, Metzerlen, sich zurückgezogen hatten, bewarb sich niemand für den Posten. Schliesslich sagte Thomas Vögtlin als ehemaliger Grellinger zu. So könne er eine Bindung zu seiner ursprünglichen Heimat behalten.
Im 2004 baute Vögtlin Aprikosen an; drei Jahre später konnte er die ersten ernten. Es gab gute und bessere Ertragsjahre. Er erinnert sich an eine frostige Ostern zur Blütezeit, wo die Bäume später trotzdem Früchte trugen. «Aber letzten Winter hat es sie voll erwischt», erzählte er. Von den rund 250 Bäumen sind mindestens 60 Prozent der andauernden Kälte zum Opfer gefallen.» Dessen ungeachtet will er das Projekt weiterführen, weil er topographisch nicht schlecht liege und Aprikosen gut zu verkaufen seien. Philipp Gut, Fachstelle Spezialkulturen Bildungszentrum Wallierhof, pflichtet ihm bei. Aprikosen seien ideal für den Direktverkauf. Sie könnten reif abgelesen und sofort verkauft werden. Weltweit werden rund 2,7 Millionen Tonnen Aprikosen produziert, in der Schweiz rund 14 000 Tonnen konsumiert. Gut die Hälfte davon stammt aus Frankreich. Um 1990 produzierten ausschliesslich Walliser Produzenten auf 525 Hektaren; heute gibt es im Wallis knapp 700 Hektaren Aprikosen. Obwohl die Nachfrage gross ist, gibt es ausserhalb des Kantons Wallis kaum namhaften Anbau. «Im Rahmen des Mehrjahresprogramms für innovative Kulturen wurden 2005 im Kanton Solothurn an vier Standorten je 200 bis 230 Aprikosenbäume gepflanzt», sagte Philipp Gut. Beim Aprikosenanbau gibt es mehrere Knackpunkte: jährlicher Ausfall bis zu 25 Prozent; viel Handarbeit beim Ausdünnen und Ernten; optimaler Standort wichtig; ausgeprägte Frostlagen meiden; nördliche Ausrichtung von Vorteil, weil dadurch spätere Blütezeit. Nach Guts Vortrag wurde die Frage gestellt, ob sein Referat dahin ziele, Aprikosen anzubauen oder die Hände davon zu lassen. Seine Antwort: «Springt nun nicht alle heim und pflanzt Aprikosen! Es kann zehn Jahre gut gehen, es muss aber nicht.» Bauernpräsident und Obstproduzent Andreas Vögtlin gab seinen Kollegen und Kolleginnen philosophisch zu bedenken: «Die Walliser hätten doch schon lange aufgehört mit dieser Frucht, wenn sie nicht rentieren würde.»
Wann immer sich die Mitglieder der OVS treffen, ist das nicht nur Weiterbildung und Austauschen von Fachwissen. Wichtig ist der gesellschaftliche Teil, für den die Vorstandsfrauen Kuchen backen. So können alle, obwohl eigentlich Konkurrenten, gemütlich zusammensitzen. Bei dieser Gelegenheit dankte Vorstandsmitglied Kurt Vögtli den Frauen für ihre tatkräftige Unterstützung: «Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie unsere Vereinigung ohne Frauen aussehen würde», schloss er sein Loblied.


