Als uns Musikmaschinen tanzen lehrten

Am letzten Freitagabend wurde in Seewen, im Museum für Musikautomaten, schwungvoll die neue Ausstellung «Tanzmotoren» eröffnet. Auch Karin Bachmann, die Direktorin des Bundesamtes für Kultur (BAK), gab sich die Ehre.

Glückliche Gesichter: (v. l.) Karin Bachmann, Direktorin BAK, Michelle Ziegler, Museumsleiterin, und Regierungsrat Mathias Stricker. Foto: Thomas Brunnschweiler
Glückliche Gesichter: (v. l.) Karin Bachmann, Direktorin BAK, Michelle Ziegler, Museumsleiterin, und Regierungsrat Mathias Stricker. Foto: Thomas Brunnschweiler

Die neue Ausstellung über Grammofone, Orchestrien und Jukeboxen ist die erste unter der Leitung von Michelle Ziegler, die mit dieser interaktiven Schau ein gutes Gespür für die Wünsche des Publikums bewiesen hat. Ziegler konnte am letzten Freitag gleich drei illustre Gäste im Museum für Musikautomaten begrüssen: Karin Bachmann, die Direktorin des BAK, Benno Widmer, den neuen Leiter der Sektion Museen und Sammlungen des BAK, und last, but least Regierungsrat Mathias Stricker. Nach dem Dank an alle Mitarbeitenden der Ausstellung überbrachte Mathias Stricker ein Grusswort der Regierung. Jukeboxen seien für ihn der Türöffner zur Musik gewesen, damit habe er auch das Tanzen entdeckt. Er machte einen Tour d’Horizon durch die Entwicklung der Klangkonserven und die zunehmende Mobilität der Musik. Er erwähnte die Jukebox im Film «Pulp Fiction» und Peter Handkes «Versuch über die Jukebox». Insgesamt sei dieser Apparat tief in der Alltagskultur verankert.

Ausstellungsstart mit Schwung

Normalerweise seien Museen eher Orte der Stille, erklärte Karin Bachmann. Mit «Tanzmotoren» werde hier einmal zum Tanz geladen. Es gehe nicht nur um Dinge, sondern um Erfahrungen und Erinnerungen. «Musikautomaten erzählen Geschichten», sagte sie, «schliessen Sie die Augen. Hören Sie in sich hinein.» Automaten seien zwar materielle Zeitzeugnisse, aber erst wenn sie gespielt werden, werde es spannend. Bachmann verwies besonders auf die Schweizer Produktion von Jukeboxen, etwa den «Music-Boy» oder das Modell «Chantal». Gerade beim Thema «Tanzmotoren» gehörten materielle und immaterielle Kulturgüter eng zusammen. «Museen helfen uns zu verstehen, was uns mit der Vergangenheit verbindet», so Bachmann. Die Stärke des Museums in Seewen sei die Beziehung zum Publikum, zur Region, zu anderen Museen und zu den Fachleuten. Michelle Ziegler als neue Direktorin sei ein Glücksfall und erschliesse ein Potenzial für die Weiterentwicklung der Sammlung. Danach startete Karin Bachmann die Jukebox neben sich, aus der ein flotter Twist erklang. Bevor das Publikum in die Ausstellung entlassen wurde, demonstrierten eine Tänzerin und ein Tänzer von «Lindy Harbour» aus Basel einen Lindy Hop. Anklang fand auch der Apéro riche im Restaurant.

Vom Grammofon zur Jukebox

Die Ausstellung führt zurück in eine Zeit, als die Musik plötzlich in Gaststätten und Tanzlokalen Einzug hielt. Diese «Tanzmotoren» setzten Menschen in Bewegung. Zu Walzer, Tango, Rock ’n’ Roll oder Twist wurde getanzt, geflirtet und gefeiert. Die Apparate waren Teil des gesellschaftlichen Lebens. Noch heute wecken sie bei älteren Semestern nostalgische Gefühle. Eindrucksvoll sind auch die Vorgänger der Jukeboxen, die Orchestrien, in denen sich ein ganzes mechanisches Orchester verbarg. Mittels Walzen oder gelochten Papierrollen wurden die Instrumente zum Klingen gebracht. Besonders in den 1940er- und 1950er-Jahren begann mit der Jukebox eine neue Epoche. Man musste nur eine Münze einwerfen und sein Lieblingsstück wählen, und schon konnte man dazu einige Minuten tanzen.