Abschied und Willkommen
Am Sonntag fand im Museum für Musikautomaten Seewen die Finissage von «Magic Piano» statt. Der bisherige Museumsleiter Christoph Hänggi wurde verabschiedet und die neue Leiterin Michelle Ziegler begrüsst.

Seewen
Um 16 Uhr war das Museumsfoyer brechend voll. Zu Beginn ertönte ein Flügel mit Welte-Mechanik, zuerst ab perforierter Rolle, dann vierhändig gespielt von Laura Granero und Sebastian Bausch, die das Programm musikalisch umrahmten. Die neue Museumsleiterin Michelle Ziegler, promovierte Musikwissenschaftlerin, begrüsste die Anwesenden. Die Finissage sei nicht nur der Abschluss einer Ausstellung, sondern das Ende einer viel längeren Phase. Zu feiern seien auch die 23 Jahre der Tätigkeit von Christoph Hänggi als Museumsleiter. Es sei eine Ära, in der Hänggi das Team und die Strukturen aufgebaut habe, die eine lebendige Auseinandersetzung mit den Sammlungsobjekten ermöglicht habe. Sie freue sich, Hänggis Nachfolge antreten zu dürfen. Es sei ihr eine Ehre, Christoph als Erste zu gratulieren und ihm alles Gute zur Pensionierung zu wünschen. Ziegler wies bereits auf die Ausstellung «Tanzmotoren» ab dem 19. September hin, die sich mit Grammophonen, Orchestrien und Jukeboxes im Zusammenhang mit dem Tanzen auseinandersetzt.
Klammer zwischen Sammlung und Forschung
Es folgten Musik und das Grusswort von Claudia Glass. Letztere ist Museologin und Szenografin und gestaltete in Seewen mehrere Ausstellungen. «Magic Piano» sei für sie ein Höhepunkt ihrer Arbeit gewesen, eine «wunderbare Klammer zwischen Sammlung und der Forschung» in Zusammenarbeit mit der Hochschule der Künste Bern. Der gesellschaftliche Strukturwandel, politische Gegebenheiten und finanzielle Einschränkungen seien die äusseren Herausforderungen für Museen. Es gebe auch innere Herausforderungen, wie etwa den Abschied von Christoph Hänggi. Alte Grenzen zu überschreiten löse Emotionen aus. Glass kam aber auch auf die Potenziale zu sprechen. Es gehe nicht nur um Objekte, sondern um das Sammeln und Kommunizieren der Publikumsemotionen. Ziel sei die Partizipation des Publikums. Dies alles diene der Unterschiedlichkeit und Inklusion, die in einer demokratischen Gesellschaft notwendig seien. Am Ende wünschte sie Christoph Hänggi alles Gute für die Zukunft. Stiftungspräsident Klaus Fischer würdigte die Arbeit und das Engagement seines langjährigen Weggefährten, dessen Karriere stets etwas mit Musik zu tun hatte. «Was in den 23 Jahren unter Christophs Leitung hier in Seewen geschehen ist, ist schlichtweg grossartig und beeindruckend», so Fischer. Es folgten eine Tour d’Horizon durch die Highlights und der Hinweis auf über 20 Sonderausstellungen. Fischer verwies auch auf die Jugendprogramme und die Bedeutung des Museums für den Kanton Solothurn.
Eindrückliches Schlusswort von Christoph Hänggi
Das lange Schlusswort des scheidenden Leiters zusammenzufassen, ist fast unmöglich. Wichtig ist, dass Hänggi dem Museum als Stiftungsratspräsiden und Vize-Präsident der GMS erhalten bleibt. Die Rede war sehr liebevoll gestaltet und zeigte die Wertschätzung eines Mannes für seine Kolleginnen und Kollegen sowie die Mitarbeitenden, der sich immer als Diener der Sache verstand und lieber im Hintergrund blieb. Hänggi dankte Marco Eichenberger, der ihm den stufenweisen Ausstieg ermöglichte. Er verwies auf seine Wunschnachfolgerin Michelle Ziegler, die das Rennen unter 55 Kandidierenden machte, und wandte sich an Andres Furger, den ehemaligen Direktor des Landesmuseums. Unter den Genannten durften natürlich Heinrich Weiss, Otto Stich, Georg Hofmeier und Hans Büttiker (beide GMS) nicht fehlen. Die Nennung der Stiftung Heinrich und Susanne Weiss führte zu einem besonderen Dank an Klaus Fischer. Auch die Musikforschenden wurden namentlich erwähnt.
Hänggi verwies auch auf die UNESCO, die 2020 das Uhrmacherhandwerk und die Herstellung von Musikdosen als immaterielles Kulturerbe anerkannte. Hänggi vergass nicht, allen Mitarbeitenden des Museums zu danken, und wünschte schliesslich Michelle Ziegler viel Gelingen bei ihrer Arbeit. Zum Schluss startete Hänggi ein letztes Mal die Welte-Orgel und lud zum Apéro riche.