«Wir wollen unsere Passion weitergeben»
Die Handpan ist ein noch junges Instrument mit Wurzeln in der Schweiz. In Laufen vermitteln Florian Röhrl und Jochen Dreier ihre Erfahrung damit — während Röhrl parallel an einem Forschungsprojekt arbeitet, das zeigt, wie gezielte Klänge Menschen mit Demenz unterstützen können.

Ein leiser Schlag, ein warmes Nachhallen, ein sphärisch vibrierender Ton, der im Raum stehen bleibt: So klingt die Handpan, ein Instrument, das fast wirkt, als könne es den Atem verlangsamen und Gedanken beruhigen. Erfunden wurde sie im Jahr 2000 in Bern, damals noch unter dem Namen «Hang», Mundart für «Hand». Später, als der Name geschützt wurde und weitere Hersteller dazukamen, setzte sich die Bezeichnung Handpan durch. Eine Handpan wird mit den Händen und Fingerspitzen sanft angeschlagen, sodass ihre gestimmten Metallfelder schwingende, harmonische Töne erzeugen.
Zwei Männer, die von diesem Klang nicht mehr loskommen, sind Florian Röhrl aus Büsserach und Jochen Dreier aus Röschenz. Beide fanden über unterschiedliche Wege zur Handpan: Dreier über die Perkussion — von Guggenmusik bis Cajón —, Röhrl über ein klassisches Musikstudium, Komposition und frühere Jahre am Schlagzeug und Klavier. Und was so gar nicht ins klischierte Bild eines Handpan-Lehrers passen will: Er spielte in einer Metal-Band. «Mich hat fasziniert, dass aus einem Perkussionsinstrument plötzlich so schöne, harmonische Töne entstehen», sagt Dreier. Röhrl ergänzt: «Die Handpan hat eine beruhigende Wirkung auf Alt und Jung. Man kann keine falschen Noten spielen, das macht das Instrument so einsteigerfreundlich.» Heute unterrichten sie gemeinsam und haben sich mit ihrer Schule in einem Yogaraum in Laufen eingemietet. Seit letztem Mai bieten sie dort jeden Samstag Kurse an, jeweils in Kleingruppen von maximal fünf Personen. Ihre Schule soll kein Massenbetrieb sein, sondern ein intimer Ort, der den Teilnehmenden Raum gibt. Jeweils der erste Samstag im Monat ist für einen Schnupperkurs vorgesehen, an den weiteren Samstagen widmet man sich vertiefter Rhythmik, Komposition und Harmonielehre. Die Instrumente stellen sie bei Bedarf zur Verfügung. «Wir wollen unsere Passion für die Handpan weitergeben. Uns war wichtig, etwas anzubieten, weil es zwar viele Spielerinnen und Spieler gibt, aber kaum Lernmöglichkeiten — besonders auch in der Region Basel fehlt es an Kursen», sagt Röhrl. Sie selbst verkaufen keine Instrumente, beraten aber bei der Auswahl, denn Handpans sind unterschiedlich gestimmt.
Florian Röhrls musikalische Arbeit geht weit über die Schule hinaus. Seit vier Jahren forscht er an der Hochschule Furtwangen zu Klanginterventionen bei Menschen mit Demenz. Dort analysiert das Team, wie bestimmte Geräusche — nicht nur Musik, sondern auch Wellenrauschen, Vogelzwitschern oder vertraute Alltagsklänge — Menschen aus der Apathie holen können. «Entscheidend ist die biografische Relevanz», erklärt Röhrl. «Geräusche aus einer früheren Werkstatt oder das Miauen eines Haustiers können etwas auslösen, das Worte nicht erreichen.» Das Projekt wird im Februar abgeschlossen; als nächster Schritt soll ein Produkt entstehen, das Betroffenen ermöglicht, diese Klänge selbst auszulösen. Die Idee stösst bereits über die Demenzforschung hinaus auf Interesse — etwa in Alters- und Seniorenheimen oder bei Eltern, die nach Wegen suchen, ihre Kinder über Klang zu aktivieren.
Einmal im Monat veranstalten Florian Röhrl und Jochen Dreier im Atelier von David Pflugi in Laufen eine Jamsession. Viele Handpan-Spielerinnen und -Spieler üben zu Hause für sich, erzählen sie. «Wir wollten einen Ort schaffen, an dem man sich begegnen und zusammen musizieren kann», sagt Dreier. Zuhören — gegen ein kleines Entgelt — ist ebenso willkommen wie Mitspielen. Auch andere Instrumente als die Handpan dürfen dazustossen.