Visualisierung bunter Träume
Die Luzerner Künstlerin Petra Lehmann zeigt im KunstRaumRhein Choice in Mariastein fantasievolle, bunte Bilder, die mit LED-Unterstützung ein Fest des Lichts sind.

Das Licht spielt in der bildenden Kunst eine entscheidende Rolle. Etwa in der sakralen Kunst, die seit dem Mittelalter mit natürlichem Licht die Glasmalerei von Kirchenfenstern zum Erleuchten bringt. Oder in der Malerei, wo die Lichtverhältnisse in der Darstellung im Laufe der Zeit stets präziser auf die Leinwand gebracht wurden und die mit William Turner, dem «Maler des Lichts», einen Meister hervorbrachte. Das war im 18. Jahrhundert.
Digitale Collagen
Nicht, dass diese Qualitäten heute keine Rolle mehr spielen würden. Doch heute lässt sich Licht für den künstlerischen Ausdruck auch anders generieren. Ein Hilfsmittel, das sich in der Moderne anbietet, sind LED-Leuchtkästen oder -rahmungen. Sie verleiten zunehmend mehr Künstlerinnen und Künstler zum spielerischen Umgang mit der Lichtquelle. Etwa die Zuger Künstlerin Petra Lehmann, die derzeit im KunstRaumRhein Choice in Mariastein ihre Lichtbilder zeigt. Sie verwendet eine Technik, die sich als Mixed Media oder als digitale Collage bezeichnen lässt. Für ihre Bildwelten verwendet sie zunächst mit Bleistift vorgefertigte Zeichnungen, wie sie Lehmann bereits zu Beginn ihrer künstlerischen Anfänge vor dreissig Jahren zu Papier brachte. Es sind mehr oder weniger definierte Lebewesen, die sie auf dem Computer über eine thematisch passende, fotografische Unterlage legt und danach, quasi Pixel für Pixel, digital einfärbt. Das daraus entstehende Bild wird auf eine hochwertige Stoffunterlage projiziert, die schliesslich in die LED-Rahmung eingepasst wird. Den Rest trägt das Streulicht zum Werk bei, das Lehmanns Darstellungen in leuchtenden Farben in den Vordergrund drängt. Wichtig dabei ist, dass die Einfärbung in dunkleren Farben erfolgt, sodass mit der Einstellung des Streulichts die gewünschte Helligkeit abgerufen wird — ein ziemlich aufwendiges Verfahren.
Während der Betrachtung von Lehmanns Bildern mag zunächst das Gefühl ausufernder Üppigkeit aufkommen. Zu viel Farbe, zu viel Licht, zu viel Statement. Das Auge muss sich erst an die fantasievollen, aufreizenden Darstellungen gewöhnen, die Lehmann als «Harmonesie» beschreibt, eine Verquickung von Harmonie und Poesie. «Die Harmonie manifestiert sich in einem ausgewogenen Zusammenspiel von Farben und Formen, während die Poesie eine magische Atmosphäre erzeugt, die Betrachterinnen und Betrachter aus dem Alltag entführt», so Lehmann über ihre Werke.
Mit dem durchaus interessanten Konzept ihrer Bilder dringt Lehmann zumindest teilweise in die surreale Welt Dalís vor. Sie visualisiert Traumwelten, in welche die meisten Betrachterinnen und Betrachter gerne eintauchen dürften, auch wenn die Bilder unterschiedlich stark dazu einladen. Die Künstlerin, die auch als Schriftstellerin und Tanzlehrerin tätig ist, möchte mit ihren Bildern zum positiven Denken beitragen, das in einer Welt, die von Gewalt und Düsternis geprägt ist. Verständlich, weiss man, dass Lehmann im Hauptberuf Kriminalbeamtin im Kanton Zug ist.
Übrigens: Eine ganz andere Wirkung haben die Bilder, ist das LED-Streulicht ausser Betrieb. Dann sind die Bilder dunkel in Schwarz- und Brauntönen und wirken, nicht weniger mystisch, ziemlich melancholisch.
Die Ausstellung im KunstRaumRhein Choice, der sich vis-à-vis dem neuen Pilger-Parking in Mariastein befindet, ist samstags von 14 bis 18 Uhr und sonntags von 10 bis 16 Uhr sowie auf Anfrage geöffnet. Am 1. Februar, 11 Uhr, lädt Petra Lehmann zu einer Lesung ein.Die Ausstellung dauert bis 22.2., auf Anfrage bis 26.2.