Musikalisches Ideenlabor Paris
«Alle Wege führen nach Paris» hiess das Motto der GMS-Matinee im Museum für Musikautomaten. Claire Litzler und Daniel Hauptmann begeisterten das Publikum als Duo just2it mit attraktiven Pariser Melodien.

Paris war bereits seit dem 17. Jahrhundert ein musikalischer Hotspot, doch im 20. Jahrhundert wurde die Stadt an der Seine zum Zentrum der musikalischen Moderne. Paris war geradezu der Stil-Mixer von Klassik, Avantgarde, Jazz und Chanson und zog Komponierende aus aller Welt an. Das Duo just2it besticht durch eine ungewöhnliche Besetzung: Vibrafon, Gesang und Violine. Die Perkussionistin Claire Litzler und der Violinist Daniel Hauptmann haben alle Stücke ihrer Konzerte selbst für ihre originelle Besetzung bearbeitet. Beide beherrschen ihre Instrumente perfekt, und obwohl Claire Litzler nie eine Gesangsausbildung hatte, weiss sie mit ihrer hellen, klaren Stimme ausserordentlich zu gefallen.
Von zart bis bissig
Die Matinee am letzten Sonntag begann mit dem nüchternen Liebes-Chanson «Sous aucun prétexte» von Serge Gainsbourg, in dem es um einen Abschied geht; hier wie bei anderen Stücken liess Litzler die elektronische Percussion mitlaufen. Joseph Kosmas «Clair de lune» ist eine stimmungsvolle Komposition, die ihre Wurzeln im Gypsy Jazz hat. Es folgte das berühmte «Emmenez-moi!» von Charles Aznavour aus dem Jahre 1967. «Mir scheint, das Elend wäre in der Sonne weniger schwer zu ertragen», heisst es da. Henri Salvador war ein französisch-karibischer Sänger und Kabarettkünstler, der auch mit Django Reinhardt zusammenarbeitete. Von ihm erklang «Je voudrais», ein Chanson, das die Sehnsucht nach einer wunderschönen Atmosphäre in einem Wintergarten besingt. Die Interpretation von Astor Piazzollas «Escualo» («Hai») wusste durch ihre Rhythmik und ihren bissig-aggressiven Gestus zu gefallen. Mit «Solitude» erklang danach eine Eigenkomposition von Claire Litzler, mit einem sanft-schwebenden, romantischen Charakter. Litzler spielte stets mit vier Schlägeln gleichzeitig. Daniel Hauptmann wusste mit seinem Violinspiel zu überzeugen.
Von Massenet bis Piaf
Das nächste Stück war «J’attendrai» von Dino Olivieri, in dem es heisst: «Ich werde stets auf deine Rückkehr warten.» Einen Ausflug in die französische Spätromantik wurde mit der «Méditation» von Jules Massenet gemacht, einem symphonischen Intermezzo aus der Oper «Thaïs», das innig und zeitlos schön ist. Natürlich durfte auch Édith Piafs «L’Hymne à l’amour» nicht fehlen, ein Chanson, das mit der Liebe zum Boxer Marcel Cerdan in Verbindung gebracht wird. Eine stimmige Interpretation des «Libertango» von Astor Piazzolla führte schliesslich zu Piafs «La vie en rose», wobei das Publikum zum Mitsingen eingeladen wurde. Als Zugabe sang Claire Litzler «Si j’étais un homme» von Diane Tell mit einer raffinierten Arpeggienbegleitung der Violine. Für die beiden sympathischen Ausführenden gab es vom zahlreich erschienenen Publikum grossen Applaus.