Kanton verlangt Ausdolung des Mülibachs
Ein Bürger von Liesberg macht sich Sorgen rund um die ehemalige Abfalldeponie beim Seemättli. Einerseits fliesst der Mülibach eingedolt durch die Altdeponie, andererseits weist die Asphaltabdeckung über der Deponie Risse auf. Kanton und Gemeinde nehmen Stellung.

Der Teerplatz vor der Mehrzweckhalle Seemättli ist sanierungsbedürftig. Zahlreiche Risse sowie Senkungen sind gut sichtbar. «Sonne und die Nutzung, nicht nur als Sportplatz, sondern bei grossen Anlässen auch als Parkplatz, sind für die Schäden dieser grossen Fläche verantwortlich. Jährlich werden die immer wieder entstehenden Risse mit Flüssigteer aufgefüllt. Eine Sanierung ist auf 2033 geplant. Vorher stehen diverse Renovationsarbeiten in der 1997 gebauten Mehrzweckhalle an», erklärt Liesbergs Gemeinderat Rolf Nussbaumer, zuständig fürs Ressort Umwelt.
Ein Einwohner von Liesberg macht sich jedoch Sorgen. Unter dem Gebiet Seemättli befindet sich eine alte Mülldeponie, die in den 1970er-Jahren geschlossen wurde. Seiner Meinung nach entstehen die Risse durch Gase und Absenkungen des gelagerten Abfalls. Ebenso macht er sich Sorgen um den Mülibach, der eingedolt durch die Deponie fliesst. Er befürchtet, dass Wasser in die Deponie fliessen könnte und in der Folge das Grundwasser beziehungsweise die Birs schwerwiegend verunreinigt würden. Zudem fragt er sich, ob ein Überwachungskonzept für diesen Standort vorliegt. Denn Altdeponien aus den 1970er-Jahren verfügen in der Regel über keine moderne Abdichtung.
Kanton sieht aktuell keinen Handlungsbedarf
Das basel-landschaftliche Amt für Umwelt und Energie (AUE) schreibt auf Anfrage des «Wochenblatts»: «Der frühere Ablagerungsstandort Seemättli ist im Kataster der belasteten Standorte eingetragen. Da aber aus altlastenrechtlicher Sicht am Standort keine Massnahmen notwendig sind, liegen weder chemische Daten zu Grund- oder Ober-flächengewässern vor, noch existiert ein altlastenrechtliches Überwachungskonzept. Solange der Boden in diesem Bereich versiegelt ist, ändert sich an der Beurteilung nichts. Voraussetzung dafür ist, dass der Platz stets in gutem Zustand gehalten wird, damit kein Meteorwasser in den Untergrund dringen und möglicherweise Schadstoffe mobilisieren kann. Für den Unterhalt des Platzes ist die Gemeinde zuständig.» Das AUE hat der Gemeinde empfohlen, die schadhaften Stellen zu reparieren.
Eingedolter Mülibach soll offen geführt werden
Das zweite Thema des besorgten Bürgers ist der Mülibach, der in Liesberg umgangssprachlich «Sägibächli» genannt wird. Das Tiefbauamt schätzt die Gefährdung einer Verschmutzung durch den Mülibach insgesamt als gering ein. Sollte die Eindolung verstopft sein, wären in diesem Bereich nicht Erosion, sondern Schlammablagerungen die Folge. Somit würde auch kein Deponiematerial abtransportiert.
Da dieser Fall aber nicht komplett ausgeschlossen werden kann, sollte nach Einschätzung des Tiefbauamts das Gewässer offen geführt und entsprechend gesichert werden.
Umsetzung offen
Gemäss Regierungsratsbeschluss vom 30. Mai 2017 zur Revision der Zonenvorschriften wurde die Gemeinde Liesberg verpflichtet, im Rahmen des Baubewilligungsverfahrens für einen Werkhof und ein Feuerwehrmagazin die Ausdolung des Mülibachs im Bereich Seemättli zu prüfen und ein Ausnahmegesuch zu stellen, falls eine Ausdolung nicht möglich wäre. Die Gemeinde verzichtete damals auf einen Ausnahmeantrag und zeigte auf, wie der Bach offen geführt werden kann. Die Baubewilligung wurde am 27. März 2019 erteilt. Werkhof und Feuerwehrmagazin wurden gebaut — der Bach jedoch bis heute nicht ausgedolt. Er verläuft weiterhin in einer unterirdischen Leitung durch die ehemalige Deponie.
Nussbaumer verweist auf besondere Umstände in der Gemeindeverwaltung: Nach dem unerwarteten Tod des langjährigen Gemeindeverwalters im Sommer 2016 musste die Verwaltung über längere Zeit mit externen Dienstleistern und häufig wechselnden, teils kurzfristigen Besetzungen organisiert werden. Diese instabile Situation führte dazu, dass laufende Geschäfte priorisiert werden mussten und andere liegen blieben. Erst mit der Neubesetzung der Stelle im Jahr 2021 und nach einer entsprechenden Einarbeitungszeit konnten offene Dossiers wieder aufgearbeitet werden. In diesem Zusammenhang wurde 2022 auch der Antrag zur teilweisen Eindolung des Mülibachs eingereicht. Zudem wurde die geplante Ausdolung im Dezember 2021 auf einer Gemeindeversammlung vorgestellt. Die mehrheitlich ablehnenden Reaktionen aus der Bevölkerung hätten den weiteren Verlauf ebenfalls beeinflusst.
Da sich für die Bau- und Umweltschutzdirektion keine wesentlichen neuen Aspekte ergeben haben, ist aus fachlicher Sicht und unter Beachtung der Rechtsgrundlagen weiterhin an der vollständigen Offenlegung des Mülibachs festzuhalten.
Nutzungskonflikte erschweren Lösung
«Im Bereich des Ausdolungsperimeters besteht eine Vielzahl von Nutzungskonflikten», erklärt Nussbaumer. Der Bach entspringt oberhalb des Sportplatzes Truschletten. Ab dem Sportplatz ist er eingedolt und verläuft unter diesem, unter der Strasse, unter dem Mergelplatz, durch die ehemalige Abfalldeponie und weiter bis in die Birs. Ausgedolt werden sollte er vom Sportplatz bis zum Ende des Feuerwehrmagazins. «2024 wurde eine Zustandserhebung mittels Kanal-TV durchgeführt mit dem Ergebnis, dass in gewissen Abschnitten keine Massnahmen erforderlich sind, in anderen Abschnitten eine Bestandessanierung möglich ist und in weiteren Abschnitten keine Bestandessanierung möglich sein wird und Massnahmen erforderlich werden», erläutert Nussbaumer.
«In der Zwischenzeit wurden durch eine externe Firma Varianten der Ausdolung beziehungsweise Verlegung erarbeitet und durch die Gemeinde geprüft. Aktuell wird eine dieser Varianten zu einem Vorprojekt ausgearbeitet», ergänzt er.
«Liesberg ist ein Dorf am Hang und hat wenige ebene Flächen. Durch die Ausdolung würde der Sportplatz Truschletten beträchtlich verkleinert. Dem Gemeinderat ist es ein grosses Anliegen, dass möglichst viele Anlässe im eigenen Dorf durchgeführt werden können und die Vereine nicht auf Zentrumsgemeinden ausweichen müssen. Darum ist es ihm auch so wichtig, die vorhandenen Anlagen zu erhalten. Der Bach soll dort eingedolt bleiben und erst beim Mergelplatz ausgedolt werden.» Anschliessend soll der Bach umgeleitet und statt durch die ehemalige Deponie unter der unbelasteten Strasse «Seemättliweg» geführt werden. Würde der Bach offen neben der Strasse weiterfliessen, gingen die Parkplätze entlang dieser Strasse verloren.
Entscheid steht noch aus
In diesem Jahr soll das Vorprojekt für eine Ausnahmebewilligung dem Kanton vorgelegt werden. Anschliessend müsste die Gemeindeversammlung die Kosten bewilligen. Ob sich der Kanton daran beteiligen wird, ist derzeit offen. Ob und wann der Mülibach tatsächlich offengelegt wird, ist somit weiterhin offen.