Ein Gespräch über Raumknappheit und regionale Strategien

Während vier Jahren war Karoline Sutter Standortförderin — zunächst gemeinsam mit Rita Stoffel fürs Laufental und Schwarzbubenland, seit 2024 in einem 20-Prozent-Pensum nur noch fürs Schwarzbubenland. Ende Jahr übergab sie diese Aufgabe an Christian Imark. Im Interview spricht sie über ihre Tätigkeiten und darüber, was sie gerne intensiver angegangen wäre.

Freut sich auf neue Aufgaben: Karoline Sutter hat ihr Mandat als Standortförderin fürs Schwarzbubenland aufs neue Jahr abgegeben. Foto: ZVG
Freut sich auf neue Aufgaben: Karoline Sutter hat ihr Mandat als Standortförderin fürs Schwarzbubenland aufs neue Jahr abgegeben. Foto: ZVG

WoS: Was haben Ihnen diese vier Jahre persönlich gebracht?

Karoline Sutter: Ich erhielt einen umfassenden Einblick in die wirtschaftliche Landschaft des Laufentals und Schwarzbubenlands. Dabei lernte ich Unter-nehmen wie die Kunststoffherstellerin Duresco GmbH in Witterswil kennen und konnte ihr Wachstum vom Start-up zum internationalen Konzern miterleben. Auch die Ansiedlung von Ovivo, einer globalen Reinwasserfirma, ebenfalls in Witterswil, war spannend zu beobachten. Zudem durfte ich kleinere, innovative Betriebe besuchen — etwa die Marry Jane AG in Breitenbach, die THC-Cannabis anbaut, oder die Stich Schreinerei AG in Kleinlützel.

Was gehörte zu Ihren Aufgaben?

Ich war zuständig dafür, neue Unternehmen für eine Ansiedlung im Schwarzbubenland zu gewinnen. Gleichzeitig sollte ich bestehende Betriebe dabei unterstützen, zu wachsen und innovativ zu bleiben. Ein weiterer Schwerpunkt war die Vernetzung von Wirtschaft, Bildung und Politik.

Wo liegen die Knackpunkte bei der Ansiedlung oder Expansion von Unternehmen in der Region Schwarzbubenland?

Im Gespräch mit Firmen, aber auch mit Gemeinden wurde häufig das Fehlen von Gewerbeflächen angesprochen. Viele Betriebe möchten expandieren, finden aber vor allem Büroflächen — jedoch kaum Standorte, an denen auch lärmintensive Tätigkeiten möglich sind. Sowohl das Industriegebiet Isola wie auch die Gewerbefläche im Gilgenberg sind vollständig ausgebucht. So hatte zum Beispiel die Albin Borer AG lange gesucht, bis sie geeignetes Land zur Expansion in Büsserach fand. Bei der Von Roll in Breitenbach wäre der Bodenpreis mit 60 Franken pro Quadratmeter zwar moderat — besonders im Vergleich zum geplanten Industrieplatz an der Wahlenstrasse in Laufen mit 120 Franken pro Quadratmeter —, jedoch ist der Boden nur zeitlich befristet nutzbar.

Gäbe es Lösungen?

41 Prozent der Gewerbeflächen im Thiersteiner Teil des Schwarzbubenlands sind unternutzt. Das liegt oft an fehlenden Nachfolgeregelungen. Wenn ein Patron keinen Nachfolger findet, arbeitet er meist so lange wie möglich weiter und vermietet die Flächen anschliessend als Abstellplatz für Wohnwagen oder zur Nutzung von Hobbybetrieben. Hier könnte die Standortförderung ansetzen: durch Gespräche mit den Eigentümern, das Zusammenlegen kleinerer Flächen und deren gezielte Vermittlung an expandierende Betriebe.

Ich nehme an, das ist eine zeit- und kostenintensive Arbeit?

Natürlich. Sie ist nicht so sexy wie ein Firmenbesuch mit anschliessender Berichterstattung im «Wochenblatt». Es dauert zwei bis drei Jahre Zeit, bis sich Erfolge einstellen. Bund und Kanton unterstützen jedoch mit erheblichen Mitteln über die Neue Regionalpolitik (NRP) innovative Industrie- und Tourismusprojekte. Diese sollen Wertschöpfung schaffen und Arbeitsplätze in allen Regionen erhalten. Digitalisierung und Nachhaltigkeit stehen dabei besonders im Fokus. Es wäre schade, diese Fördergelder nicht zu nutzen.

In diesem Punkt waren Sie als Standortförderin nicht gleicher Meinung wie die Arbeitsgruppe Wirtschaft des Forums Schwarzbubenland, mit der Sie zusammenarbeiteten.

Die Arbeitsgruppe hatte den Fokus stark auf Events und die Visibilität des Forums Schwarzbubenland gelegt. Das ist sicher auch wichtig, und die Mitglieder der Arbeitsgruppe engagieren sich ehrenamtlich. Meine Tätigkeit hingegen wurde vom Kanton mit 40000 Franken jährlich vergütet — nicht für Protokollführung, Firmenbesuche oder Öffentlichkeitsarbeit, sondern mit dem klaren Ziel, Arbeitsplätze zu schaffen, die Lebensqualität zu erhöhen und Steuerzahler in die Region zu holen. Einige Gemeinden wünschen sich zwar nicht unbedingt eigene Gewerbezonen und überlassen dies gerne den Nachbargemeinden. Sie möchten aber dennoch eine attraktive Wirtschaftsregion sein. Der Kanton fördert deshalb regionale Projekte und unterstützt diese finanziell.

Welche NRP-Projekte hätten Sie gerne angepackt?

Es wäre möglich gewesen, ein kostengünstiges Digitalisierungsangebot für KMU zu entwickeln — unter 5000 Franken pro Betrieb. Das Interesse blieb jedoch gering. Schade, denn wer sich der Digitalisierung verschliesst und auch KI nicht offen gegenübersteht, wird langfristig zurückfallen. Ohne diese Technologien sind die Stundenkosten höher als bei der Konkurrenz, die dank moderner Hilfsmittel effizienter arbeitet.

Ein richtig gutes NRP-Projekt war die Tourismusstrategie des Forums Schwarzbubenland. Doch auch deren Umsetzung braucht Zeit. Nun liegt das Konzept in der Schublade, während stattdessen ein Adventskalender oder eine Wandernacht organisiert wird — beides nett, aber nicht strukturbildend. Dabei fehlt es in der Region an Übernachtungsmöglichkeiten. Wir haben die Kloster Mariastein, Beinwil und Dornach. Da gäbe es so viel Potenzial, das genutzt werden könnte. Auch bin ich überzeugt, dass das Schwarzbubenland als Tourismusregion mindestens so viel zu bieten hat wie andere Orte. Es existiert sogar eine Vorstudie zu einem Naturpark, der mit rund einer Million Franken gefördert würde. Aber man lässt dies einfach liegen. Das macht mich richtig hässig.

Sie haben dieses Mandat nun abgegeben. Wie geht es für Sie weiter?

Ich stehe mit drei Gemeinden in Kontakt, mit denen ich ein Projekt ausarbeiten werde. Zudem führen mein Mann und ich vier Unternehmen und sind damit gut ausgelastet.

Zur Person

Karoline Sutter ist selbstständige Unternehmensberaterin. Sie hat Philosophie mit Nebenfach Volkswirtschaft und Recht studiert, war Gemeindeverwalterin in Reigoldswil, Unternehmensberaterin bei der BDO und Mitglied im Bankrat der Basler Kantonalbank. Sie ist in Riehen aufgewachsen und lebt heute mit ihrem Mann und den drei Kindern in Basel. Gemeinsam führen sie vier Firmen im Bereich Beratung, Bauengineering und IT.