Die «Mischtchäfer» zeigen den «Bäramsle» die kalte Schulter
An der Gemeindeversammlung vom vergangenen Donnerstag wollten die Witterswiler mit 105 zu 69 Stimmen nicht auf das Fusionsprojekt Witterswil-Bättwil eintreten. Damit ist das geplante «Zämego!» vom Tisch.

Dass das Fusionsprojekt vor allem langjährige, mit dem Gemeindeleben verwurzelte Witterswiler, mit Dorfnamen «Mischtchäfer», berührte oder gar aufrüttelte, war dem grossen Aufmarsch nach deutlich zu spüren. 181 Stimmberechtigte waren es schliesslich, als die letzten Nachzügler ihre Plätze in der Halle eingenommen hatten und Gemeindepräsident Mark Seelig in seine herzliche Begrüssung auch André Grolimund, Chef Amt für Gemeinden, einschliessen konnte. Die vom Gemeindepräsidenten festgestellte Spannung im Saal begann sich schon abzuzeichnen, als im Anfangsstadium 62 Stimmberechtigte eine beantragte geheime Schlussabstimmung durchsetzten. Ein erstes Indiz auf eine starke Opposition, die sich offensichtlich beim Abstimmen nicht outen wollte. Seelig liess sich dadurch nicht beirren und führte zur Erinnerung noch einmal gewandt durch alle Erkenntnisse der sieben Fusions-Arbeitsgruppen, welche trotz 47 teilweise kontroversen Arbeitssitzungen «keine unlösbaren Probleme für eine Fusion» festgestellt hatten. «Die bisherige gute Zusammenarbeit bei Feuerwehr und Schule ist eine solide Basis», erklärte Seelig, ein weiterer Ausbau ohne Fusion sei aber eher nicht möglich. Eine solche führe zu einer Gemeinde mit 2700 Einwohnern, sieben Gemeinderäten und nur noch 90 statt 150 Amtsinhabern. Einer Gemeinde mit einer in Witterswil tätigen Verwaltung, deren Personalbestand mittel- bis langfristig um 120 auf 450 Stellenprozente sinken werde. Gemeindevizepräsident Alois Müller sprach in seinem nicht «aus den Fingern gesogenen» Finanzplan von einem bis 2019 auf 112 Prozent sinkenden Steuerfuss, was aber nicht in Stein gemeisselt sei. Sein Kollege Robert Oser fragte: «Es geht uns gut, aber was kommt nach der Fusion?» Und Gemeinderat Anton Wyss plädierte dafür, einen solch wichtigen Entscheid an die Urne zu delegieren. Letzteres konnte Kantonsrat und FDP-Ortsparteipräsident Mark Winkler nur unterstützen: «Etliche emotionale Gründe können gegen eine Fusion sprechen, sachliche gibt es aus meiner Sicht nicht.»
Zähflüssiger Diskussionsstart
In der Diskussionsrunde schienen die Meinungen gemacht, viele wollten offensichtlich einfach nur abstimmen. Bis sich endlich ein älterer Herr das Mikrofon griff und bedeutungsvoll erklärte: «Gut Ding will Weile haben.» Insbesondere sorgte er sich mit Blick auf die Fusion um die Trinkwasserquellen, den Dorfladen, die seiner Meinung nicht sinkenden Kosten und um den Seniorenausflug. Der Gemeindepräsident konnte ihn da in allen Punkten beruhigen. Er kenne solche Argumente seit 17 Jahren, sagte André Grolimund vom Amt für Gemeinden, das im Jahr durchschnittlich zwei Fusionen verzeichnet. «Olten, das die Fusion mit Trimbach abgelehnt hatte, «grännet» heute, gab er zu bedenken und riet zu Eintreten und Urnenabstimmung, «weil es doch um die Existenz beider Gemeinden geht». Jovial, gönnerhaft sprach alt Gemeindepräsident Fritz Hänzi über ein unnötiges «Fusiönli», wo es doch Witterswil so gut gehe: «Fusion ja, aber nur mit allen fünf Gemeinden!» Auch in weiteren Voten schimmerten das «Es geht uns doch gut»-Gefühl und das fusionierte Hintere Leimental als Grund für ein Nein durch. Der Riesenapplaus um 21.31 Uhr für die 105 Nein bei immerhin 69 Ja-Stimmen konnte da nicht mehr verwundern. Ob da beim laut explodierenden Applaus noch alte Ressentiments der «Mischtchäfer» gegenüber den Bättwiler «Bär-amsle» mitschwangen, blieb ihr Geheimnis.
Bättwil stimmte deutlich zu
Mit 94 Ja zu 42 Nein und zwei Enthaltung sprachen sich hingegen die Stimbürger der Gemeinde Bättwil sehr deutlich für das Eintreten auf das Fusionsprojekt aus.
«Ich bin super zufrieden mit der sachlichen Diskussion und dem Resultat in Bättwil, aber enttäuscht, dass nach dem Nein in Witterswil kein breit abgestützter Entscheid an der Urne zustande kommt», erklärte Gemeindepräsident François Sandoz dem Wochenblatt.
Die postulierte Grossgemeinde sei ein Thema in den nächsten Jahren, aber nur Schritt für Schritt zu erreichen.