Die Breitenbacher Fasnacht ist lanciert
Mit der Plakettenvernissage am Mittag und dem Hilari am Abend wurde die Fasnachtszeit in Breitenbach am letzten Samstag eingeläutet. Das Hilari hat seine Ursprünge im 19. Jahrhundert.
Der Hilari ist aus dem regionalen Fasnachtskalender kaum mehr wegzudenken. Was heute bis zu 1000 Fasnächtlerinnen und Fasnächtler anzieht, begann einst im kleinen Rahmen. Seine Wurzeln hat der Anlass in einer Solothurner Besonderheit: Im Kanton beginnt die Fasnacht traditionell nicht am 11.11., sondern am 13. Januar, dem Hilariustag. Der heilige Hilarius — «der Fröhliche» — gilt als Schutzpatron der Fasnächtler. Diese Tradition aus dem 19. Jahrhundert übernahm auch Breitenbach und feierte den Hilari jeweils an jenem Freitag, der dem 13. Januar am nächsten lag. Anfangs fand das Fest in den Dorfbeizen statt, besonders im legendären Fuchs-Saal, weiss Dominik Jeker vom Fasnachtskomitee und heute noch Mitglied der Hirzefäger. Mit der Gründung der Guggenmusik 1980 gewann der Anlass eine Struktur. Organisiert wurde er vom Fasnachtskomitee, das von den Hirzefäger dominiert wurde. In den 1980er-Jahren zog der Hilari ins Pfarreiheim, später in die Turnhalle Breitgarten und schliesslich in den Mehrzwecksaal Grien. Der Anlass wuchs stetig und erlangte weit über Breitenbach hinaus Bekanntheit.
Doch das Wachstum habe auch Schattenseiten gehabt, so Jeker: 2004 sei der Hilari mit über 2000 Besuchenden regelrecht ausgeartet. Sicherheitsbedenken und hohe Schäden führten zum Aus des Anlasses. Ein darauffolgender Zeitungsartikel zwang die Gebäudeversicherung schliesslich zum Handeln. So war es der Hilari, der Einlassbeschränkungen in öffentlichen Gebäuden im ganzen Kanton Solothurn auslöste. 2005 schien der Hilari Geschichte zu sein. Es seien schliesslich die Hirzefäger gewesen, die dem Anlass zuerst unter dem Namen «Hirzenight» und ab 2009 wieder als Hilari neues Leben einhauchten und schliesslich auf den Samstag verschoben. «Heute ist der Hilari nicht nur gross, sondern vor allem professionell organisiert», so Jeker.
Wichtigste Einnahmequelle
Für Hirzefäger ist der Hilari von zentraler Bedeutung. «Das Fest ist unsere Haupteinnahmequelle», sagt der OK-Präsident und Verantwortliche für Bau und Deko, Janis Borer. Der Erlös finanziere praktisch das ganze Fasnachtsjahr — von Kostümen über Carfahrten bis hin zu weiteren Ausgaben. «So können wir die Kosten für die Fasnacht für alle tief halten.»
Mit dem Wachstum des Anlasses seien in den letzten 15 Jahren auch die Anforderungen gestiegen. Im Jahr 2020 zog der Hilari pünktlich zum Vereinsjubiläum in die Doppelturnhalle um. Statt rund 600 Personen fanden erstmals bis zu 1000 Platz. «Das Feedback war sehr positiv und auch finanziell hat sich der Schritt gelohnt», sagt Janis Borer.
Die eigentlichen Vorbereitungen beginnen jeweils bereits im Spätsommer. Ab August oder September trifft sich das vierköpfige OK zu mehreren Sitzungen. «Wir sind ein eingespieltes Team, jeder weiss, was er zu tun hat», so Borer. Dieses Jahr stand der Hilari unter dem Motto «Tiroler Gaudi», was sich auch in der Gestaltung der Halle sowie im Getränke- und Essensangebot widerspiegelte: Unter anderem standen «Kasspatzeln» auf der Karte.
Richtig intensiv wird es jeweils in der Woche vor dem Anlass. Damit das Fest am Samstag reibungslos über die Bühne gehen konnte, wurde am Tag zuvor die Halle aufgebaut. Mitglieder und auch ein paar Ehrenmitglieder hätten sich dafür sogar freigenommen. Nach dem Fest, das bis in die frühen Morgenstunden dauerte, packten wieder alle mit an. «Bis um sechs Uhr morgens musste der Boden wieder leer sein, um gereinigt werden zu können», erklärt Borer.
Fokus auf Sicherheit
Ein besonderes Augenmerk gilt jedes Jahr den Sicherheitsvorkehrungen. «Wir haben vom Kanton hohe Auflagen zu erfüllen», sagt Borer. Die maximale Besucherzahl ist auf 1000 Personen begrenzt, obwohl die Doppelhalle eigentlich mehr Platz bieten würde. Vier klar gekennzeichnete Notausgänge, Absperrungen und Flucht- und Rettungspläne gehören zum Konzept. «1000 Leute sind schon viel, da muss man auf verschiedene Szenarien vorbereitet sein.» Die Hirzefäger seien diesbezüglich gut aufgestellt und hätten — gerade nach den jüngsten, tragischen Ereignissen im Wallis — nochmals alles überprüft.
Janis Borer zeigt sich mit der Ausgabe des diesjährigen Hilari sehr zufrieden. Der Anlass sei auch dieses Jahr ausverkauft gewesen und es habe keine nennenswerten Zwischenfälle gegeben. Für guten Guggensound sorgten dieses Jahr die Schwanezunft Liesberg, die Geisseschränzer aus Zullwil, die Birsgugger aus Laufen, die Agfrässeni aus Laufen und die Turboschnägge aus Erschwil.
Der Mann mit Hut
Die Guggemusik Hirzefäger war es auch, welche ebenfalls am Samstag die diesjährige «Plagetten-Taufe» musikalisch umrahmte. Standesgemäss um Punkt 11.11 Uhr spielten die Hirzefäger beim Wydehofcenter auf, bevor Claudio Spaar, Präsident des Fasnachtskomitees, als redseliger Priester zur Taufe schritt — auch dieses Jahr assistiert von Schwester Paula-Luise aka Komiteemitglied Dominik Jeker. Dieses Jahr wurde der Ablauf ein wenig abgeändert: Zuerst enthüllte das Komitee die Plakette und das Sujet 2026: «Mann mit Hut, doch manchmal braucht es ein bisschen Mut!» — eine Hommage an den neuen Breitenbacher Gemeindepräsidenten Christian Thalmann. Die Plakette zeigt einen Mann mit Hut auf seinem Velo, unverkennbar: Christian Thalmann. Der Hut stehe für Respekt, das Velo für Bodenhaftung, erklärte Claudio Spaar vor den vielen erschienenen Gästen. Schliesslich wurde die Plakette, die auch dieses Jahr in Gold, Silber und Bronze erhältlich ist, getauft und auf eine unfallfreie, freudige und humorvolle Fasnacht angestossen.





