Sternstunde für die Klaviermusik
Am Sonntag gab der lettische Pianist Georgijs Osokins in der St. Katharinenkirche ein Konzert. Der in Riga aufgewachsene und in Berlin lebende Pianist zelebrierte seinen unverwechselbaren Stil unter anderem mit Werken von Arvo Pärt, Bach oder Schubert.

Laufen
Ein Flügel, eine Klavierbank. Sonst nichts. Fünf Minuten vor 17 Uhr öffnet der vollkommen in Schwarz gekleidete Pianist beim Gang in seine Garderobe den Deckel und den Flügel des Steinway-Pianos. Punkt 17 Uhr, nach dem Schlagen der Kirchturmuhr, erscheint Georgijs Osokins, setzt sich auf die speziell für ihn angefertigte Klavierbank und beginnt zu spielen. «Für Alina», eine Komposition von Arvo Pärt, hüllt mit sanften Klängen den Raum der St. Katharinenkirche in eine sphärische Klangwolke. Der mehrfach ausgezeichnete Weltklasse-Pianist veröffentlichte kürzlich sein erstes Album bei der «Deutschen Grammophon» mit Kompositionen von Arvo Pärt. Der estnische Komponist feierte letztes Jahr seinen 90. Geburtstag. Das Konzert in Laufen war ebenfalls geprägt von sechs Pärt-Kompositionen und wurde vom Pianisten durch Stücke von Franz Schubert, Johann Sebastian Bach, Alexander Skrjabin und Franz Liszt ergänzt.
Virtuos und dynamisch
Bereits bei «Fratres» von Arvo Pärt, geschrieben für Sinfonieorchester und Schlagzeug, für Klavier bearbeitet vom Interpreten, zeigte sich die Virtuosität und die dynamische Flexibilität seines Anschlags. Es folgte aus der Serie «Moment Musical» von Franz Schubert dasjenige in As-Dur D780/2.
Georgijs Osokins spielt seine Interpretationen in total eigenen und einzigartigen Interpretationen. So sind Werke von Bach, wie «Chaconne», von Liszt, «Pater Noster» oder «Après une lecture de Dante», kaum wiederzuerkennen. Der Pianist variiert in seinem anderthalbstündigen Konzert in Tempi, Dynamik und Virtuosität derart, dass die Zuhörenden nur staunen können. Man fragt sich: Ist so ein breit gefächertes Spektrum von Variationen in Lautstärke, Feinheit und Sensibilität über die gesamten 88 Tasten von einem einzelnen Klavierspieler überhaupt möglich?
Georgijs Osokins bewies dies eindrücklich. Kein Wunder, denn der Lette erlangte bereits 2015 als 19-Jähriger internationale Aufmerksamkeit, als er das Finale des renommierten Chopin-Wettbewerbs erreichte. Seit 2025 ist Osokins bei der «Deutschen Grammophon» unter Vertrag und wird in rund einem Monat sein zweites Album mit Werken von Bach, Chopin, Brahms, Schumann, Wagner und anderen herausgeben.
Dass ein so bekannter Pianist in der St. Katharinenkirche in Laufen auftreten konnte, bedeutete ein absolutes Highlight in der Reihe der Kammerkonzerte Laufen. Schade nur, dass nicht wenige Plätze in den Kirchenbänken unbesetzt blieben.


