Als die Fotos laufen lernten
Der Verein «zämmeläbe — zämmerede» feiert sein halbes Jahrhundert. Doch dies ist eigentlich nur eine Nebensache. Hauptattraktion in der Kulturschüre ist die eindrückliche Fotoausstellung «Blauen einst».

Laufen
Das Untergeschoss von Ruedi Meurys Kulturschüre mitten im Dorfzentrum war am Freitagabend nach 19 Uhr bald proppenvoll, was die beiden Initianten Pierre Gürtler und Bernhard Bucher natürlich freute. Ohne lange Umschweife stellten die beiden, bereits etwas in die Jahre gekommenen Herren, die junge Garde ihres Vereins «zämmeläbe — zämmerede» vor: das «Event-Team», vertreten durch Manuel und Fabian Meury, sowie Romy Diehl, die an dieser Vernissage für den Service des Apéros zuständig war.
Imposant, was die beiden «Ikonen» des Blauner Kulturvereins «zämmeläbe — zämmerede», Pierre Gürtler und Bernhard Bucher, an altem Bildmaterial zusammengetragen hatten. Gut ein Jahr lang waren die beiden beschäftigt. Die Auswahl der alten Blauen-Bilder, die schliesslich die Ausstellung bestückten, war das eine. «Den weitaus grösseren Teil der Arbeit machte aber das Beschriften der Fotos aus», erklärte Bernhard Bucher, der sich an unzählige Arbeitsstunden erinnerte. Eingeteilt in einzelne Themen wie «Gebäude», «Vereine», «Landwirtschaft», «Leute», «Ansichtskarten», «Luftaufnahmen» und andere, konnte der oder die Betrachtende tatsächlich durchgehend nachlesen, um wen oder was es sich bei den entsprechenden Bildern handelte. Bernhard Bucher hat sich sogar die Mühe gemacht, praktisch alle Vor- und Nachnamen auf alten Klassenfotos, die bis in die 1930er-Jahre zurückreichen, ausfindig zu machen.
Seit der letzten Blauner Fotoausstellung sind laut Pierre Gürtler 29 Jahre vergangen. Von der aktuellen Fotoausstellung zeigten sich die Besucherinnen und Besucher begeistert. Man schaute genauestens hin und wollte wissen, ob eine Vorfahrin oder ein Vorfahre auf einem der Fotos aufzufinden sei. Für einen besonderen Höhepunkt sorgte das junge Event-Team. Dieses wählte aus der Ausstellung rund zwei Dutzend Fotos aus und erweckte diese mittels KI zum Leben. In den Bildern begann die Dorfmusik plötzlich zu marschieren, der Bischof firmte während einer Prozession auf offener Strasse, Pferde drehten sich im Kreis und die Turnerschar feierte ihren Festerfolg mit tänzerischen Bewegungen. Auch der alte Hürlimann, der noch heute läuft, fährt auf dem bald hundertjährigen Foto davon. Am verblüffendsten ist ein Bild von 1928 mit Bauer Jeisi an der Obstbaumspritze. Im von künstlicher Intelligenz manipulierten Film spritzt er seine Obstbäume wie in der Realität. Eine weitere Attraktion war ein erst in letzter Minute digitalisierter, 1928 entstandener Schwarz-Weiss-Film von Werner Jeisy, der mit seiner Filmkamera bereits 1928 allerlei Dorfszenen aufgenommen hatte. Darunter die Glockeninstallation in den Blauner Kirchturm. Eine kurze Diaschau mit etwas jüngeren Fotos von Pierre Gürtler zeigte zudem verschiedene Dorfansichten zwischen 1960 und 1990.
Die Fotoausstellung «Blauen einst» kann dieses Wochenende noch besichtigt werden: Freitag, 2. Oktober, 19 bis 22 Uhr; Samstag/Sonntag, 3./4. Oktober, 14 bis 17 Uhr.


