Büsserach
25.03.2020

Leidenschaft ist stärker als jede Unbill

<em>In Topform: </em>Hannes Jeker, unterwegs mit dem Mountainbike.Foto: eh-presse

In Topform: Hannes Jeker, unterwegs mit dem Mountainbike.Foto: eh-presse

Hannes Jeker (22) aus Büsserach bestreitet seit 13 Jahren Mountainbike-rennen. Saisonabbruch im letzten Jahr und das Coronavirus jetzt – dennoch scheint für den ehrgeizigen Wirtschaftsstudenten die Leidenschaft stärker als jede Unbill.

Von: Edgar Hänggi

Beim Schützenhaus in Büsserach tauchte plötzlich ein Mountainbiker aus dem Wald auf. «Was gibt es Schöneres, als sein Trainingsgelände gleich vor der Haustüre zu haben?» Hannes Jeker erwartete gar keine Antwort, denn es war eine rhetorische Frage. Das Fahrrad, die Natur – das ist ein wichtiger Teil seines Lebens. Mit neun Jahren nahm er aus «Gwunder» in Breitenbach an einem Jugendrennen teil. «Ich war gespannt, wie das so ist, machte mit und hatte das Velovirus – wenn man das in der heutigen Zeit so sagen darf – in mir. Das war 2007, und ich bestritt ab da praktisch jede Woche irgendwo ein Rennen. Damals war ich noch polysportiv unterwegs, machte vieles, hatte auch Spass daran. Ausser am Fussball.» Als Jeker mit 15 Jahren in die U17-Nationalmannschaft kam, musste er sich festlegen. «Wenn ich ehrlich bin, war früher Motocross mein Traum. Doch ich machte die Erfahrung, dass es auch ohne Motor ging, und mit Muskelkraft gibt es eine noch grössere Befriedigung.» Hannes wollte Erfolg, wollte Profi werden. Das erforderte gezieltes Training, und das auch bei Wind und Wetter. «8 bis 14 Stunden pro Woche waren es am Anfang. Heute komme ich auf gut 800 Stunden im Jahr.» Das Krafttraining kann er im Fitness Hell in Breitenbach absolvieren.

Ende 2019 absolvierte Jeker ein zweiwöchiges Trainingslager auf Gran Canaria, Anfang Jahr dann zwei Wochen auf Lanzarote, wo er das erste Rennen bestritt, und nun kam er eben erst aus der Türkei heim. «Die Ungewissheit, was jetzt geht, beschäftigt mich schon sehr. Es ist aber für alle gleich. In der Türkei konnte das letzte Rennen auch nicht mehr ausgetragen werden, und ich reiste vorzeitig nach Hause.» Dabei hat er eigentlich keine Zeit zum Warten. Er kann in diesem Jahr seine letzte Saison in der Kategorie U23 fahren. Um zu den Elitefahrern zu wechseln, braucht er Rennen, um die in der letzten Saison verlorenen Punkte wieder zu holen. «Ich geriet ins Übertraining, was lange nicht herausgefunden wurde. Ich trainierte gut, doch in den Rennen war ich früh platt.» Der Mountainbiker gibt zu, dass er sich Gedanken machte, das Rad an den Haken zu hängen. «Doch dann gab ich mir wieder einen Ruck, zusammen mit meinem Trainer Fabian Neun-stöcklin analysierte ich die Lage, und ich begann nach einer Pause wieder mit dem Training und bekam wieder Freude. Ich bin heute so gut in Form wie noch nie, deshalb ist es extrem schade, dass jetzt nichts geht.»

Zumindest dürfe er noch trainieren, denn das sei, so Jeker, nicht mehr selbstverständlich. «Das Risiko sind Stürze mit Verletzungen. Haben die Ärzte oder Spitäler dann Kapazität, um mich zu behandeln?» Er ist auf den Worst Case vorbereitet. «Ich kann auf die Rolle, und dank einer speziellen Software kann ich das Gelände simulieren. Es ist aber nicht dasselbe, denn ich bin sehr gerne in der Natur.»

Jeker ist im Verein «Vc2six2eight Laufen», einer Sektion des Schweizerischen Radsportverbandes Swiss Cycling. Im Winter trainiert er seine Technik in der Trick Track Halle in Zwingen. Seit dieser Saison gehört er dem «Goldwurst Power Team» des Sportförderers Christoph Jenzer an. Geführt wird das Nachwuchsteam vom 34-jährigen Nicola Rohrbach, der selbst noch Rennen fährt und das Team leitet. Er könne seine grosse Leidenschaft nur ausüben, weil ihn von Beginn an seine Eltern tatkräftig unterstützen. Seit Jahren hat er zudem mit der Huber AG in Büsserach einen Sponsor, der an ihn glaubt. «Ich manage meine Karriere selber und bin sehr stolz, dass all meine Sponsoren, sogar das Bike, aus meiner Heimatregion stammen. Mit guten Leistungen will ich ihnen einen Gegenwert bieten. Aber genau das ist jetzt nicht möglich», sagt er. «Ich lass mich nicht unterkriegen und trainiere wie vorgesehen, selbst wenn wir keine Rennen mehr fahren sollten.»

Hannes Jeker könnte kommende Saison gegenüber vielen seiner Konkurrenten im Vorteil sein. Er weiss aus gemachter Erfahrung, dass er nach einem Saisonabbruch stärker zurückkommen kann. «Ich muss kämpfen, an allen Fronten, das weiss ich. Aber für seine Leidenschaft macht man das gerne.»

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