Region
21.04.2021

Jugendliche finden genügend Lehrstellen

Berufsfreude: Jason Karrer, Lehrling Carrossier Lackiererei, und Marc Cajochen, Lehrling Carrossier Spenglerei. Foto: Gini Minonzio

Berufsfreude: Jason Karrer, Lehrling Carrossier Lackiererei, und Marc Cajochen, Lehrling Carrossier Spenglerei. Foto: Gini Minonzio

Es werden Anfang August genau gleich viele Jugendliche eine Lehrstelle gefunden haben wie andere Jahre auch. Dies die Prognose. Die Kantone und die Firmen legen sich dafür ins Zeug.

Von: Gini Minonzio

«Wir versuchen auch in der jetzigen schweren Zeit Fachleute auszubilden», erklärt Veronika Karrer, Inhaberin der Carrosserie Remo Schmid AG in Breitenbach. Sie bietet Schnupperlehren an und sucht zu den bestehenden Auszubildenden noch einen neuen Lehrling als Carrossier Lackiererei. Ähnlich wie bei Remo Schmid AG sieht es auch in den Kantonen Solothurn und Baselland aus. In beiden sind laut den Lehrlingsämtern zum jetzigen Zeitpunkt gleich viele neue Lehrverträge abgeschlossen wie in den vergangenen Jahren. Auch sind noch viele Lehrstellen unbesetzt. Allerdings legen sich die beiden Kantone auch mächtig ins Zeug.

Solothurn begeht neue Wege

Im Kanton Solothurn sind nun 1480 Lehrverträge abgeschlossen, erklärt Rudolf Zimmerli, Leiter Berufslehren beim Amt für Berufsbildung, Mittel- und Hochschulen. Er erwartet, dass dieses Jahr 2100 bis 2200 Jugendliche ihre Lehre beginnen. Freie Lehrstellen hat es noch genug. «Die Situation ist gleich wie letztes und vorletztes Jahr», so Zimmerli. Er schätzt es sehr, dass die Betriebe nach wie vor Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen.

Wie bereits letztes Jahr hat der Kanton in Zusammenarbeit mit dem Kantonal-Solothurnischen Gewerbeverband und der Solothurner Handelskammer eine virtuelle Lehrstellenbörse eingerichtet. Deren Leiter Thomas Jenni berichtet, dass er die Lehrstellenbörse letztes Jahr quasi über Nacht auf die Beine gestellt hat. Alle Betriebe wurden angeschrieben und 140 meldeten sich zurück. Auf der anderen Seite konnten die Jugendlichen ihre Bewerbungsdossiers einschicken. Jenni prüfte sie und verlangte bei Bedarf weitere Unterlagen. So versuchte er, Arbeitgeber und Jugendliche passgenau zusammenzubringen. «Auf diese Weise sind 40 neue Lehrverträge zustande gekommen», so Jenni. Die aktuelle virtuelle Lehrstellenbörse wird in den nächsten Wochen aufgeschaltet.

Schwieriger sei es im Augenblick mit den Schnupperlehren, bestätigt Rudolf Zimmerli. Deshalb bietet der Kanton zum sechsten Mal die Plattform «Erlebnistage Beruf» an, wo Betriebe ihre Schnuppermöglichkeiten aufschalten können. In den letzten Jahren haben durchschnittlich 90 Betriebe und 800 Jugendliche teilgenommen, so Jenni. Laut Homepage haben sich dieses Jahr bereits 40 Betriebe angemeldet. Aktuell ist kein Einziger davon aus dem Schwarzbubenland.

Baselland als Lehrstellenvermittler

Dass es bei den Schnupperlehren harzt, sagt auch Jürg Schneider, Leiter Betriebliche Ausbildung bei der Hauptabteilung Berufsbildung im Kanton Basel-Landschaft. Weil eine Schnupperlehre Aufwand bedeutet, sind manche Betriebe in Coronazeiten zurückhaltender. Er empfiehlt den Jugendlichen, klar zu sagen, um was es ihnen geht. Wenn es um die Wahl der Lehrstelle geht, so ist eine ganze Schnupperwoche sinnvoll. Geht es aber um die Berufsauswahl, so genügt es vielleicht, einen Tag in einem Betrieb mitzulaufen.

Rein zahlenmässig sieht es bei den Lehrstellen gut aus. Schneider erwartet gleich viele neue Lehrverträge wie in den Vorjahren. Davon ist im Augenblick bereits etwas mehr als die Hälfte unter Dach und Fach. Auch das ist wie gehabt. «Es hat Verschiebungen gegeben. So bieten beispielsweise die Gastronomie-Branche und die Coiffeure etwas weniger Lehrstellen an, andere Branchen dafür aber etwas mehr», so Schneider.

Der Kanton hat auch eine Koordina­tionsstelle Lehrstellenvermittlung eingerichtet. Deren Leiter Heinz Treuer berichtet, dass sich Schulen, Betriebe und auch Jugendliche an ihn wenden können, wenn sie Schwierigkeiten haben, eine Lehrstelle oder Schnupperstelle zu besetzen beziehungsweise zu finden. Er hofft, dass das Angebot besser genutzt wird, denn bisher hat er von den Schulen noch nichts gehört.

www.erlebnistageberuf-so.ch

Koordination Lehrstellenvermittlung: heinz.treuer[at]bl.ch