Breitenbach
04.09.2019

Eindrückliche Hommage an eine begnadete Künstlerin

<em>Gelungene Vernissage:</em> Heinz Vögtlin (l.) und Linard Candreia freuen sich über das unerwartet grosse Interesse. Foto: Roland Bürki

Gelungene Vernissage: Heinz Vögtlin (l.) und Linard Candreia freuen sich über das unerwartet grosse Interesse. Foto: Roland Bürki

Sie redete Klartext in Bildern, die 2016 verstorbene Künstlerin Ursula Vögtlin-Breitgraf. 75 Bilder und ein neues Buch geben Aufschluss über ihr Lebenswerk. Landrat Linard Candreia würdigte an einer Vernissage im Kulturforum Bodenacker ihr Leben mit feinfühligem Respekt.

Roland Bürki

Man kennt sie sehr gut in der Region, die Grellinger Künstlerin Ursula Vögtlin-Breitgraf. Vor allem ihre packenden Scherenschnitte, beispielsweise über die hiesigen Kapellen, haben für Aufsehen gesorgt. So ist es kaum verwunderlich, dass sich Heinz Zenhäusern vom Alterszentrum Bodenacker (AZB) bei seiner Begrüssung einer überraschend hohen Zahl an Vernissage-Gästen gegenübersah. «Es heisst mit Blick auf den heutigen 1. September, der Herbst mache satt», fasste sich der Geschäftsführer kurz. Er hoffe sehr, dass auch der heutige herbstliche Einstieg in die Kultur ebenso satt mache. Linard Candreia, SP-Landrat, Lehrer, Historiker und Buchautor, war sichtlich bemüht, diese Vorgabe in seiner Würdigung der Künstlerin zu erfüllen. So fasste er das Leben der Lehrerin und Katechetin in Kürze zusammen. Sie war 1939 in Essen zur Welt gekommen, wurde vom Zweiten Weltkrieg stark geprägt und lebte seit 1966 fünf Jahrzehnte bis zu ihrem Hinschied im Jahr 2016 mit Ehemann Heinz und den Kindern in Grellingen.

Dass Ursula Vögtlin eine «grosse Schafferin» war, belegte der Laudator mit ihrem wunderbaren Werk «Laufentaler und Thiersteiner Kapellen», das mit feinen Scherenschnitten glänze und in gepflegter Sprache deren Geschichte oder Sagen wieder aufleben lasse. Candreia verpasste es nicht, gleich mit der Sage über das Klingen der Laufner St.- Martins-Glocke für etwas lockere sonntägliche Vernissage-Stimmung zu sorgen. So sollte demnach das Klingen eine Laufner Dame an ihr Versprechen am Totenbett ihres Gatten erinnern, nach seinem Tod nicht mehr in Versuchung zu geraten, wieder zu heiraten.

Linard Candreia hatte bei einem ersten Rundgang durch die Ausstellung zusammen mit Heinz Vögtlin bei den Schwarz-Weiss-Scherenschnitten, den farbigen Aquarell-Scherenschnitten und den Werken in Druckgrafik immer wieder einen Ruf nach Gerechtigkeit festgestellt: «Da ein ausgestreckter Arm eines Flüchtlings, dort die bettelnde Hand eines Menschen oder dann Leuchttürme am Meer, die Hoffnung auf Rettung wecken.» Der Lehrer und Historiker sah beispielsweise auch in den Bildern mit Blumen und Stacheldraht Ursula Vögtlins Erfahrungen mit dem Krieg und im Gegensatz dazu in Scherenschnitten mit typischen Figuren der Basler Fasnacht wieder die lockeren Szenen des Lebens. Und er attestierte der Künstlerin, eine belesene Frau mit entsprechender Schreibkunst gewesen zu sein, hätte sie doch zum Bild «Unter den Flügeln der Windmühle» ihre poetische Ader nicht besser zum Ausdruck bringen können als mit «Mehl, im Wind gemahlenes Korn aus den Mühlen des Lebens. Unser täglich Brot».

In seinen Schlussworten verdankte Candreia den Einsatz von Heinz Vögtlin für diese reiche Ausstellung von 75 Bildern, insbesondere aber auch für die Realisation des Buches «Ursula Vögt-lin-Breitgraf – Ein Querschnitt durch ihr künstlerisches Schaffen». Seine Laudatio endete unter ellenlangem Beifall mit den Worten der Künstlerin: «Bilder sind für mich das Tagebuch der Begegnungen.. Begegnungen, die beim folgenden Apéro im völlig besetzten AZB-Entree durchwegs sehr, sehr häufig zu realisieren waren.

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