Thierstein
16.01.2019

Für Demokratie gekämpft

Das Kampfsymbol für mehr Demokratie, der Revisionsknüttel, ist zwar wurmstichig, aber noch immer strahlt er Kraft und Eigenwilligkeit aus.

Gini Minonzio

Wurmstichig ist er. So sehr, dass ein rechtes Stück gänzlich abgefallen ist. So schnell käme niemand auf die Idee, dass dieser verdrehte Stock einmal 1000 aufgebrachten Schwarzbuben als Revolu- tionssymbol im Kampf für Volksfreiheit und Demokratie diente.

Letzten Sonntag erzählte Ambros Hänggi vom Dorfmuseum Nunningen die Geschichte dieses sogenannten Revisionsknüttels. 40 Personen hatten sich eingefunden, um den 25. Geburtstag des Dorfmuseums zu feiern.

Um 1830 hatte die Solothurner Landbevölkerung genug davon, sich von den Solothurner Patrizierfamilien ausbeuten zu lassen. In der ganzen Schweiz brodelte es. Am 19. Dezember 1830 gab es in Balsthal eine Riesen- demo mit 3000 Männern. Das war ein Viertel der Stimmberechtigten im Kanton Solothurn. 1000 davon waren Schwarzbuben, und dies, obwohl an diesem Tag tiefer Schnee die Wege bedeckte. Sie forderten eine Revision der Verfassung, mehr Rechte für die Landbevölkerung und weniger Abgaben.

Als Symbol führten die Nunninger den Revisionsknüttel mit. «Jede Bewegung hat ihr Symbol», erklärte Ambros Hänggi. In Frankreich haben sie jetzt die «gilets jaunes», und die Schwarzbuben hatten den Revisionsknüttel. «Nur wird man die Gelbwesten schnell einmal fortwerfen, während der Revisonsknüttel bald 200 Jahre überdauert hat.» Wer die ganze, ausführliche Geschichte des Revisionsknüttels nachlesen möchte, dem seien die zwei umfangreichen Broschüren empfohlen, die im Museum aufliegen.

Irgendwann wurde der Knüttel versorgt und geriet in Vergessenheit. Über Jahrzehnte lagerte er im Estrich des Restaurants Rössli und die Holzwürmer konnten ungehindert ihre Minen graben. Beinahe wäre er entsorgt worden. Zum Glück erkannte der Verein des Dorfmuseums Nunningen seinen historischen Wert. Das ist Hänggi ein besonderes Anliegen: «Bitte werfen Sie alte Dinge nicht einfach achtlos weg. So kann historisches Wissen verloren gehen. Wir schauen uns Ihre Funde gerne an. Wir sammeln auch alte Nunninger Familienfotos.»

Der Verein sammelt aber nicht nur alte Dinge aus Nunningen, sondern möchte sie auch in Schuss halten. So ist er im Augenblick auf der Suche nach einem Feinmechaniker, der die historischen Strickmaschinen wieder zum Laufen bringen könnte.

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