Internet Wochenblatt Schwarzbubenland/Laufental
12.12.2018

Manchmal stösst auch er an Grenzen

<em>In der Basler Riehentorhalle:</em> Franz Sabo freut sich über seine Schäfchen in Röschenz und die Zeit der Besinnung und Kraftschöpfung an seinem Wohnort.Foto: Roland bürki

In der Basler Riehentorhalle: Franz Sabo freut sich über seine Schäfchen in Röschenz und die Zeit der Besinnung und Kraftschöpfung an seinem Wohnort.Foto: Roland bürki

In gut zwanzig Jahren Seelsorge hat Pfarrer Franz Sabo die Römisch-katholische Kirchgemeinde Röschenz zu einer leben-digen Gemeinschaft wachsen lassen – zusammen mit seinen Mitarbeiterinnen und dem Kirchenrat.

Roland Bürki

Wenn Pfarrer Franz Sabo in der Röschenzer Kirche zu Beginn des Gottesdienstes sein schon fast traditionelles «Guete Morge» ausspricht, kommt die Antwort vielstimmig aus meist sehr gut besetzten Bankreihen zurück. Eine Antwort von Sabos Schäfchen, die Dankbarkeit und Hoffnung zugleich auf eine wiederum prägnante, verständliche und zeitlich richtig dosierte Predigt ausdrückt. Er kommt damit schon lange einer aktuellen Forderung von Bischof Felix nach, die vor einiger Zeit in den Medien zirkulierte, die Menschen mit einer guten Predigt abzuholen. Der Priester versteht es nämlich vortrefflich, einfache alltägliche Begebenheiten und Ereignissen in einen spannenden Kontext aus dem Alten und dem Neuen Testament zu setzen. Und diese damit verständlich zu machen. Seine Sprache ist gut zu verstehen, modern, und wenn nötig, greift er gerne auch mal zu einem griffigen Dialektausdruck oder einem Spässchen, was sich unmittelbar mit einem Lächeln auf den Gesichtern seiner Schäfchen widerspiegelt. «Ich bin lange genug Seelsorger und kenne ihre Sorgen und Nöte, weiss also mit Blick auf Predigtthemen genau, wo der Schuh drückt», erläutert Sabo dem Wochenblatt. Das erkläre wenigstens zum Teil, weshalb in Rö-schenz das Interesse am kirchlichen Leben in den vergangenen zwanzig Jahren kaum nachgelassen habe. Die Lücke, die die alten treuen Kirchgänger nach ihrem Tod hinterlassen hätten, bleibe dennoch weitgehend unausgefüllt, so der Priester. «Die grosse Zahl von derzeit 44 Ministranten erstaunt und freut uns da umso mehr, genauso wie die 1200 Besucherinnen und Besucher an den drei Festgottesdiensten der vergangenen Weihnacht, darunter auch viele Kirchgänger aus der Region», zieht Sabo Bilanz und lässt einen kurzen Moment lang einen Hauch von Freude und Genugtuung über sein Gesicht gleiten.

Den Rank gefunden

Zwanzig Jahre zuvor, im Jahr 1998, sind Sabos fünf Jahre als Priester in Rheinfelden zur Verstärkung des dortigen römisch-katholischen Pfarramts vorbei. Das Bistum ist gerade auf der Suche nach einem neuen Pfarrer für Röschenz und Wahlen. Soll er dort eine neue Wirkungsstätte finden? Insider warnen ihn insbesondere vor den sturen, unbequemen, ja aufmüpfigen Röschenzern. «Gerade das hat mich herausgefordert, ich wollte mir selbst ein Bild machen und bin einfach mal hingefahren», blickt der Pfarrer zurück, «das schmucke Dorf auf der Anhöhe hat mir auf Anhieb ge- fallen.»

Pensionsalter erreicht

Zu einer Zusage überzeugt hätten ihn dann die erträgliche Distanz zum Wohnort Basel und die Herausforderung, mit als «unbequem» gehandelten Mitchristen unbeirrt einen gemeinsamen Weg zu finden, so der Pfarrer. Sein erster Gottesdienst am Suppentag 1998 lockte viele, vermutlich neugierige Gläubige in die Schulhaus-Aula, sodass ihm sein Bauchgefühl voraussagt: «Wir finden einander.» Tatsächlich entwickelt sich in den folgenden zwei Dezennien die Bindung zur Bevölkerung nach der Idealvorstellung des Priesters, nicht zuletzt, weil Kirche und Pfarrer noch immer im Dorf verbleiben. «Das ist ein Geschenk oder Privileg, das die ungekünstelten, ehrlichen und offenen Menschen hier sehr zu schätzen wissen und mit erfreulichem Gottesdienstbesuch auch honorieren», sagt ein Pfarrer, der eben sein Pensionsalter erreicht und sein Pensum reduziert hat.

Manchmal stosse er nämlich trotz tüchtigen Mitarbeiterinnen und einem verständnisvollen Kirchenrat schon an seine Grenzen, etwa wenn ihn Anfragen um eine Beisetzung in einer anderen Kirchgemeinde erreichten. «Mehr als zwei mit beträchtlichem Zeitaufwand verbundene Beerdigungen pro Woche liegen da einfach nicht drin.»

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