Internet Wochenblatt Schwarzbubenland/Laufental
07.12.2018

Heimlich nagte die Birs

<em>Unterspülte Fundamente: </em>Dank der abgesenkten Birssohle sind nun die Schäden sichtbar.Foto: Gini Minonzio

Unterspülte Fundamente: Dank der abgesenkten Birssohle sind nun die Schäden sichtbar.Foto: Gini Minonzio

Plötzlich ist es sichtbar: Die Birs hat ganz schön an den Fundamenten des Zwingener Schlossareals genagt.

Gini Minonzio

Viele Jahre schon muss die Birs damit beschäftigt gewesen sein, die Steinbrücke zum Ramsteinerturm zu unterspülen. Das rechte Fundament der Torbrücke zum Zwingener Schloss ist teilweise weggespült. Sichtbar wurde dies erst im Verlauf des Sommers, weil der Kanton die Flusssohle und damit den Wasserspiegel absenkte. Damit will Baselland die Gemeinde besser vor Hochwasser schützen.

Kann man noch sorglos über die Brücke fahren? «Wir gehen nicht von einer akuten Gefährdung aus», erklärt Philipp Meyer vom kantonalen Geschäftsbereich Wasserbau. Sonst hätte der Kanton die Brücke per Verfügung sperren lassen. Doch verantwortlich sei die Eigentümerin eines Werkes – in diesem Fall die Gemeinde Zwingen. Das Fundament der Torbrücke stehe teilweise auf Felsen, was ein gutes Zeichen sei. Nun müsse die Gemeinde die Brücke von einem Statiker untersuchen lassen und sie bei Bedarf sanieren. Diese Brücke wurde 1766 gebaut und ersetzte eine Zugbrücke.

Der Gemeinderat habe die Untersuchung noch nicht in Auftrag gegeben, erklärt der Zwingener Bauverwalter Urs Hueber. Klar sei, dass man die Natursteine reinigen müsse, weil schon ganze Bäumchen aus den Ritzen wachsen und so die Brücke schwächen können.

Und was ist mit dem Gebäude, das sich birsaufwärts an das Brückentor anschliesst und dessen Fundament ebenfalls unterspült ist? Eigentümerin dieses Gebäudes ist die Gemeinde. Sie hat es jedoch vor rund zwanzig Jahren im Baurecht an die Burgerkorporation abgegeben. Weder Urs Hueber noch Peter Hueber, Präsident der Burgerkorpora- tion, ist bisher aufgefallen, was die Birs da angerichtet hat. Man müsse sich die Situation anschauen und in den Räten besprechen, tönt es unisono.

Obere Steinbrücke hat lockere Steine

Die Torbrücke ist nicht die einzige Brücke, mit der sich Zwingen herumschlagen muss. Der Kanton hat letzten Winter den oberen Schlossgraben ausgebaggert, damit er bei Hochwasser als Entlastungskanal dienen kann. Deshalb muss dessen Brücke renoviert werden, um der neuen Belastung standzuhalten. Der Kanton habe die Brücke bis zur maximalen Wasserlinie und das Fundament bereits saniert, erklärt Philipp Meyer. «Schliesslich wollen wir nicht schuld sein, wenn bei einem Hochwasser etwas passiert.» Doch nun müsse die Gemeinde den oberen Teil der Brücke sanieren, denn es seien Steine locker. Das sei auch der Grund, weshalb die Brücke im Augenblick mit einem Schutznetz eingepackt sei.

Die Hoffnung ruht auf Swisslos

Die Untersuchung des Ingenieurbüros hat bestätigt, dass das Tragwerk von guter Qualität ist. Dennoch müssen die Mörtelfugen und die Brückenabdichtung möglichst bald saniert werden. «Der Gemeinderat möchte nun die angebaute Betonbrücke abreissen, damit die Steinbogenbrücke wieder zur Geltung kommt», sagt Bauverwalter Urs Hueber. Die Arbeiten werden rund 300000 Franken kosten. Die Gemeinde hofft, dabei von Swisslos unterstützt zu werden. Die Sanierung soll nächsten Frühling beginnen und rund vier Monate dauern. Auch diese Brücke ist historisch wertvoll. Das genaue Alter kennt man nicht. Erstmals ist sie auf einem Plan aus dem 18. Jahrhundert ersichtlich.

Brückenpfeiler müssen weg!

Ebenfalls nächstes Jahr wird der Kanton die Holzbrücke hochwassertauglich machen. «Wir werden die Pfeiler wieder entfernen, die vor rund 100 Jahren gebaut wurden», erläutert Philipp Meyer. Der darunterliegende Kanal soll bei Hochwasser als Entlastung dienen. Bei den Pfeilern können sich Baumstämme verklemmen. Zudem ist bei einer freitragenden Brücke der Abfluss besser. Als grosses Plus wird der historische Zustand wieder hergestellt, so Meyer. Die Holzbrücke stammt von 1689 und ist die älteste erhaltene Brücke an der Birs und im Kanton. Entsprechend knifflig werden die Arbeiten sein.

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