Region
25.03.2020

Wer jetzt nicht sät, kann später nicht ernten

<em>Geschlossen: </em>Die Gärtnereien, im Bild die Gärtnerei Allemann in Witterswil, dürfen die Setzlinge in ihrer Verkaufsstelle nicht verkaufen.Foto: zvg

Geschlossen: Die Gärtnereien, im Bild die Gärtnerei Allemann in Witterswil, dürfen die Setzlinge in ihrer Verkaufsstelle nicht verkaufen.Foto: zvg

Das Verkaufsverbot für Setzlinge und Saatgut sorgt für groteske Situationen. Die Landi Laufen, die Gärtnereien und die Konsumenten der Region suchen nach einem Ausweg.

Von: Bea Asper

In den Geschäften der Region kommt es zu nervenaufreibenden Situationen. Zum Beispiel, wenn Konsumenten zwar den Laden betreten, doch keine Setzlinge kaufen dürfen, wie es derzeit in der Landi Laufen der Fall ist. Beat Gisin, Vorsitzender der Geschäftsleitung Landi Reba AG, bestätigt, «dass die Kunden für ihren Garten keine Salat- und Gemüsesetzlinge kaufen dürfen.» Das sei umso bedauerlicher, «weil die Menschen nach dem Säen in ein paar Wochen Grundnahrungsmittel aus ihrem Garten ernten könnten, was die Einkäufe in den Lebensmittelläden reduzieren würde.» Das Verkaufsverbot hat derzeit tragische Auswirkungen. Die Mitarbeitenden der Landi müssen «grosse Mengen an Setzlingen und Pflanzkartoffeln kompostieren; das schmerzt», gibt Gisin zu verstehen. Lösungen führen über das Internet: «Ein Grossteil von unserem Sortiment kann man online beziehen», so Gisin. Wie er ausführt, war die Landi Reba AG nach der Ausrufung der Notlage sofort mit den Behörden in Kontakt getreten. Demnach hiess es, die Landi dürfe nur das Sortiment des täglichen Bedarfs verkaufen. «Leider zählt der ganze Gartenbereich nach der Auslegung der Verordnung durch den Kanton Basel-Landschaft nicht dazu. Auch Setzlinge und andere Lebensmittelpflanzen dürfen wir nicht verkaufen», bedauert Gisin.

Gärtnereien müssen geschlossen sein

Im Kanton Solothurn sieht es nicht besser aus mit ebenfalls katastrophalen Folgen für die Gärtnereien, warnt Mark Winkler, FDP-Kantonsrat aus Witterswil, in einem offenen Schreiben. Sarah Koch, Leiterin der Wirtschaftsförderung bestätigt: «Die Verkaufsstellen der Gärtnereien haben geschlossen zu sein. Selbstbedienung wäre nur mittels eines Automaten möglich. Andernfalls können die Hygiene- und Verhaltensvorschriften des BAG nicht kontrolliert werden und Menschenansammlungen könnten erfolgen.»

Felder zum Selberpflücken abgesperrt

Die Gärtnerei Allemann in Witterswil hat nun offenbar einen Ausweg gefunden, und zwar über das Angebot eines Lieferservices. Gemäss Auskunft der Wirtschaftsförderung ist es zulässig, «den Verkauf über einen Bestellservice mittels Abhol- und Lieferdienst zu organisieren.» Trotzdem: Für die Gartenanlagen mit Selbstbedienung braucht es eine Lockerung des Verbots, fordert der Solothurner FDP-Präsident Stefan Nünlist. «Wenn keine Blumenerde mehr verkauft werden darf, und zwar da, wo ich meine Lebensmittel kaufen muss, und wenn Felder zum Selberpflücken abgesperrt werden, scheinen gesunder Menschenverstand und Verhältnismässigkeit abhandengekommen zu sein.» Dies sei nicht nur ärgerlich, sondern gefährlich. «Dann verlieren all die vielen sinnvollen und richtigen Massnahmen an Akzeptanz in der Bevölkerung.»

Online-Shop als Alternative

Nünlist bestätigt auf Anfrage, dass sich die FDP in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Gewerbeverband nun für eine rasche Lösung einsetzen will. Die Gärtnereien des Schwarzbubenlandes setzen ihre Hoffnungen in den kgv Solothurn. Geschäftsführer Andreas Gasche sagt dazu: «Im Fall der Gärtnereien ist der Online-Shop eine mögliche Alternative. Das Gewerbe steht einander bei und hilft». So wisse er von jungen IT-Entwicklern, die zu vernünftigen Preisen individuelle Internet-Lösungen anbieten. «Die nationale Notlage erlaubt keine kantonalen Alleingänge oder Sonderlösungen für einzelne Branchen. Ein Coiffeur hat heute faktisch Berufsverbot. Das gleiche gilt für eine ganze Serie von anderen gewerblichen Betrieben.» Der kgv Solothurn konzentrierte seine Kräfte deswegen vor allem auch auf rasche Finanzhilfe (siehe Kasten). «Wir haben täglich mehrere Dutzend Anfragen. Die meisten Anrufer wollen wissen, wie sie an Geld kommen oder wie das mit der Kurzarbeit funktioniert.» Dabei stellte sich heraus: «Viele Kleinstbetriebe leben von der Hand in den Mund. Für diese Betriebe ist es wichtig, dass sie sofort zu Geld kommen und nicht erst in einem Monat. Der Kantonal-Solothurnische Gewerbeverband hat von Anfang an Kontakt gesucht zur Regierung. Der kgv ist eingebunden in die Coroana-Arbeitsgruppe «Dialog Wirtschaft». Zurzeit läuft die Koordination der Ersthilfe und die Umsetzung der Bundesmassnahmen Hand in Hand zwischen dem Kanton und der Wirtschaft», führt Gasche aus.

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