Metzerlen-Mariastein
18.03.2020

Neue Pläne für Windkraftanlagen auf dem Chall

<em>Visualisiert: </em>Ansicht Windpark von Turnhalle Schulhaus Eich, Kleinlützel. Foto: zvg

Visualisiert: Ansicht Windpark von Turnhalle Schulhaus Eich, Kleinlützel. Foto: zvg

Der Kanton Solothurn will den Richtplan aus dem Jahr 2017 anpassen mit der Möglichkeit für Windkraftanlagen auf dem Chall. Die Gemeinderäte von Metzerlen-Mariastein und Burg riefen die Bevölkerung auf, Stellung zu beziehen.

Von: Bea Asper

Die Bevölkerung von Metzerlen-Mariastein und Burg war eingeladen, sich zu den neusten Plänen des Kantons Solothurn zu äussern. Auf dem Weg einer nachträglichen Änderung versucht das Amt für Raumplanung, die Möglichkeit eines Windparks auf dem Chall in den kantonalen Richtplan einzubauen. Die Frist für die Mitwirkung läuft im März aus.

Die Gemeinderäte von Metzerlen-Mariastein und Burg haben ihre Einwände vorsorglich eingereicht ohne Anhörung der Bevölkerung. Denn die Informationsveranstaltung vom Montag musste wegen des Coronavirus abgesagt werden.

Silvio Haberthür, Gemeindepräsident von Metzerlen-Mariastein, zeigt sich auf Anfrage enttäuscht vom Vorgehen des Kantons und der Gemeinde Kleinlützel. Denn deren Gemeinderat hat die Planung für den Windpark auf dem Chall ins Rollen gebracht. Gemäss Richtplan können Gemeinden neue Gebiete für Windparks beantragen.

Welche Vorteile die Exekutive von Kleinlützel sich erhofft, geht aus der Stellungnahme des Gemeindepräsidenten, Martin Borer, nicht hervor. Er verweist aber darauf, dass im Nutzungsplanungsverfahren vertiefte Abklärungen möglich seien und eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt werde. «Dem Gemeinderat ist es wichtig, dass die Kleinlützler Bevölkerung in den Prozess miteinbezogen wird. Sobald die notwendigen Fakten auf dem Tisch sind, erfolgt eine Informationsveranstaltung. Obschon der Kanton im Nutzungsplanungsverfahren dies nicht vorsieht, möchte der Gemeinderat mit einer Konsultativabstimmung die Meinung der Bevölkerung abfragen.» Bei einem allfälligen «Nein» werde das Projekt Windpark auf dem Chall nicht weiterverfolgt werden, so Borer.

Haberthür hält fest: «Die Gemeinde Metzerlen-Mariastein war von den Nachbargemeinden und dem kantonalen Amt nicht informiert worden über die Planungsabsichten für einen Windpark. Wir betrachten dies als grobe Unterlassung. Überrascht sind wir über die Verhältnismässigkeit, wie das Amt für Raumplanung unsere unverbaute Hochebene und die Isos-Dorfteile vor jedem Eingriff schützt und auf der anderen Seite nun grobe Eingriffe propagiert.»

Massiver Eingriff in die Landschaft

Der Gemeinderat betrachtet «den für die Windenergie notwendigen Rotorenwald auf dem Chall mit einer Gesamthöhe von 200 Metern als völlig überrissen, weil dieser landschaftlich einen massiven Eingriff bedeutet und in keinem Verhältnis zum Nutzen steht». Der Windpark stehe im klaren Gegensatz zu den Erhaltungszielen der Landschaft und des Ortsbildschutzes. Der Gemeinderat ist «überrascht, dass der Kanton Solothurn nun der unsinnigen Planung des Kantons Basel-Landschaft folgen will und die Gebiete des Kantons auf dem Chall als Potenzialgebiet ausscheiden möchte. Umso mehr, als das Amt für Raumplanung früher eine gänzlich konträre und auch kritische Haltung einnahm», gibt Haberthür zu bedenken.

Verzicht auf den Bau von Kleinanlagen

Gemäss Energiekonzept setzt sich der Kanton Solothurn eine Produktion von 160 GWh durch Windenergie bis 2035 als Ziel. Im Richtplan 2017 (mit einer Planbeständigkeit von üblicherweise zehn Jahren) heisst es, dass «hinsichtlich Windexposition, Effizienz, Erschliessung, Anlagengrösse, Integration ins Landschaftsbild und Berücksichtigung der Naturwerte optimale Lösungen realisiert werden». Windenergieanlagen sollten an den – gesamthaft betrachtet – bestmöglichen Standorten realisiert werden. Grosse Windenergieanlagen seien gegenüber kleineren vorzuziehen. «Die Erschliessung muss mit verhältnismässigem Aufwand und ohne unverhältnismässige Eingriffe in Natur und Landschaft machbar sein. Windenergieanlagen sollen in wenigen, gut geeigneten Gebieten in Windparks zusammengefasst werden. Auf den Bau von Kleinanlagen ist aus Gründen der Effizienz, der Wirtschaftlichkeit und des Landschaftsbilds grundsätzlich zu verzichten», lautet die Richtplanung, die das Gebiet Chall/Kleinlützel nun nachträglich aufnehmen will in die Standorte für Windparks.

Brutstandorte des Wanderfalken

Der Gemeinderat von Burg läuft dagegen Sturm, wie von Gemeindepräsident Dieter Merz zu erfahren ist. «Der Schweizer Jura und die Waldflächen werden seit Jahrzehnten durch Schutzzonen vor Eingriffen geschützt. Nun soll dieser Schutz wegen wirtschaftlicher Interessen und fragwürdiger politischer Ideologien fallen gelassen werden. Das Gebiet rund um den Chall ist ein einzigartiger Naturraum, der viele seltene und bedrohte Tier- und Pflanzenarten beherbergt. Der Bau und Betrieb eines gigantischen Windkraftwerkes würde diese Arten und die Vielfalt massiv beeinträchtigen», gibt Merz zu bedenken. Deswegen hätten auch die Naturschutzorganisationen bereits ihren Widerstand angekündigt. «Rund um den Chall sind drei Brutstandorte des seltenen und streng geschützten Wanderfalken bekannt. Der mit Abstand produktivste in der Schweiz bekannte Brutplatz liegt dabei in unmittelbarer Nähe des geplanten Windkraftwerkes. Seit 30 Jahren zogen die Wanderfalken hier 83 Junge gross. Alle fünf geplanten Windgeneratoren liegen im kritischen Bereich von 1,5 Kilometern. Das Industrieprojekt würde diese einzigartigen Wanderfalken-Standorte vernichten. Schon aus diesem Grund darf dieses Projekt nicht realisiert werden», resümiert Merz.

Auch das Kloster Mariastein hat in Solothurn seine Einwände deponiert. Die Challhöhe sei aus elf umliegenden Dörfern des Leimen- und Laufentals sehr gut sichtbar. Die Schutzziele des Klosters und der Dorfbilder von Burg (ca. 700 m), Metzerlen-Mariastein (ca. 1200 m) und Rodersdorf (ca. 2,7 km) würden verletzt werden.

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