Schwarzbubenland
12.02.2020

So wird Geschichte lesbar

<em>Mehrfamilienhaus: </em>Dieses Bauernhaus an der Bürenstrasse 10, Seewen, wurde 1815 für die Besitzer und für Mieter gebaut. Foto: ZVG<em/>

<em>Mehrfamilienhaus: </em>Dieses Bauernhaus an der Bürenstrasse 10, Seewen, wurde 1815 für die Besitzer und für Mieter gebaut. Foto: ZVG<em/>

Mehrfamilienhaus: Dieses Bauernhaus an der Bürenstrasse 10, Seewen, wurde 1815 für die Besitzer und für Mieter gebaut. Foto: ZVG

Was steckt hinter den alten Häusern im Dorf? Wie lebten die Menschen, als es kein fliessend Wasser gab und keinen Dorfladen? Es gibt noch viele steinerne Zeugen, man muss sie nur zu lesen wissen. Hilfe dazu bietet das Buch «Die Bauernhäuser des Kantons Solothurn».

Von: Gini Minonzio

Grossartige historische Bauwerke: Sie sind im Schwarzbubenland eher dünn gesät. Das Bild, das wir vom Leben unserer Vorfahren haben, ist geprägt von den Geschichtsbüchern aus der Primarschulzeit oder von Filmen über Ritter und Drachen. Doch über das Leben der arbeitenden Bevölkerung wissen wir sehr wenig. Diese Lücke schliesst nun das Buch «Bauernhäuser des Kantons Solothurn». Das Buch hat für den Laien zwei grosse Stärken. Einerseits öffnen sich bei acht Häusern des Schwarzbubenlandes die Türen. Und wer ist schon nicht neugierig, einen Blick hinter die Fassaden zu werfen?

Rauch übertüncht Schweiss

Andererseits werden auch faszinierende Lebensbereiche durchleuchtet. Wie anstrengend war das Leben bis 1900 herum, als die Frauen und die Kinder das Wasser noch aus dem Dorfbrunnen holen mussten, weil es keine Hausleitungen gab? Bevor mit den Jungen die Fantasie durchbrennt: Es war anstrengend, aber so viel Wasser war das auch nicht. Duschen gab es nicht, gebadet hat man höchstens einmal die Woche und das WC hatte keine Wasserspülung. Ach ja, und die Kleider wuschen die Frauen draussen am Dorfbrunnen oder im gemeinschaftlichen Waschhaus. Gewechselt hat man die Kleider sowieso eher selten. Der Schweissgeruch muss erträglich gewesen sein. Er wurde nämlich vom Rauchgeruch übertüncht. Kochherde mit geschlossenem Kaminanschluss waren erst Anfang 19. Jahrhundert üblich. Vorher kochten die Frauen in der Küche auf offenem Feuer. Der Rauch zog mehr oder weniger gut durch ein Loch in der Decke ab.

Im Buch sind etliche solche Herde abgebildet, die immer noch bestehen. Man muss nun nicht denken, dass solche einfachen Küchen noch gebraucht werden. Sie zeugen eher davon, dass die Hausbesitzer das Geld nicht hatten, um den alten Herd abzureissen. Oder es war ihnen auch egal. Sie stellen einfach daneben oder in einem anderen Raum einen modernen Herd auf und fertig. Sowieso stellt man fest, dass die Bauernhäuser auf der anderen Seite des Passwangs stattlicher sind. Im Schwarzbubenland scheint man weniger das Bedürfnis gehabt zu haben, sein Haus als Statussymbol aufzutakeln.

Das Reihenwerk «Die Bauernhäuser der Schweiz» ist das Werk eines halben Jahrhunderts. Alles begann 1965 mit der Herausgabe des Bandes über Graubünden. Nun ist die Reihe mit dem Bauernhaus-Band Solothurn abgeschlossen. Die vielen Bilder sind ein Genuss und die vier Hauptautoren Roland Flückiger-Seiler, Benno Furrer, Doris Huggel und Pius Räber haben es verstanden, die Bauernhäuser mit lebendiger Geschichte zu füllen.

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