Metzerlen
29.05.2019

Unter der Patina steckt ein Kleinod

<em>Hauszeichen: </em>Diese Steinfratze hat als Neidkopf seit dem 16.Jahrhundert das Übel abgewehrt.<em/><em>Hat bessere Zeiten gekannt: </em>Ehemaliges Bauernhaus. Die Steinfratze befindet sich an der sichtbaren Hausecke auf der Höhe der Parterrefenster.<em> fotos: doris huggel</em>

Hauszeichen: Diese Steinfratze hat als Neidkopf seit dem 16.Jahrhundert das Übel abgewehrt.

Hat bessere Zeiten gekannt: Ehemaliges Bauernhaus. Die Steinfratze befindet sich an der sichtbaren Hausecke auf der Höhe der Parterrefenster. fotos: doris huggel

Hinter einer grauen Fassade schlummert das wohl älteste Haus von Metzerlen. Sein ehemaliger Glanz hat unter dem Staub der Jahrhunderte überdauert und könnte mit einer Renovation wieder zum Leuchten gebracht werden.

Gini Minonzio

Laien brauchen wohl etwas Anleitung, damit sie die Schönheit dieses ehemaligen Bauernhauses in Metzerlen sehen. Doch für die Architekturhistorikerin Doris Huggel ist klar: «Wenn das Haus sachkundig renoviert wird, ist es ein Kleinod!» Huggel muss es wissen, hat sie doch das Haus an der Burgstrasse 2 und seine Geschichte untersucht. Damit hat sie ein Kapitel zum geplanten Buch über die Solothurner Bauernhäuser verfasst.

Es ist das älteste bekannte, noch bestehende Haus in Metzerlen und steht unter Denkmalschutz. Es machte etliche Umbauten mit. Der Kernbau ist mit 1607/08 datiert. Huggel geht jedoch davon aus, dass es schon einen Vorgängerbau hatte. Möglicherweise gehöre die Steinfratze an der südwestlichen Hausecke zu diesem Vorgängerbau. Denn um die Mitte des 16. Jahrhunderts hatten solche Steinfratzen bei Wohnhäusern und Burgen in der Gegend Hochkonjunktur. Auch die beiden kleinen gotischen Fensterchen oberhalb des Hauseingangs mit der Freitreppe weisen auf ein sehr hohes Alter des Ursprungshauses hin.

Vom Prachtsbau zum einfachen Haus

Im Verlauf der Jahrhunderte wurde das Haus mehrfach erweitert und erhielt eine zweite Wohnung. Etliche Fenster wurden versetzt und vergrössert. Und im Inneren haben die Hausherren wiederholt Stuben modernisiert sowie Durch- und Zugänge verändert. Doch je älter das Haus wurde, desto mehr erlahmte die Baufreude. Was als Prachtsbau begann, wurde immer weniger gepflegt. Die früheren Besitzer scheinen immer mehr von der Substanz gelebt zu haben. Erst im 20.Jahrhundert erhielt eine der beiden Küchen einen modernen geschlossenen Herd. In der anderen blieb der altertümliche Feuerherd bestehen, der keinen geschlossenen Rauchabzug hat — also eine Küche mit allem Rauch und Russ, den ein Rauchfang mit sich brachte. Sogar erst in den 1950er-Jahren wurde ein Badezimmer eingebaut.

Die Holzheizung tat’s auch – zum Glück!

Die letzten Bewohner verliessen das Haus 1997. Eine Zentralheizung besassen sie nicht. Sie behalfen sich wie eh und je mit mehreren Holzöfen. Das ist auch ein grosses Glück, denn so blieb ein wunderbarer, grüner Kachelofen erhalten. «Dieser ist eine absolute Rarität», freut sich Huggel. Die Reliefkacheln sind rund 400 Jahre alt!

Allerdings musste auch die damalige Besitzerfamilie offensichtlich sparen. Die Ofenkacheln waren nämlich beim Ofenbau im Jahr 1687 nicht neu. Sie waren entweder als Occasionskacheln gekauft worden oder zum Schnäppchenpreis, als ein Hafner sein Lager auflöste. Ein Lokalhistoriker machte Huggel darauf aufmerksam, dass es die gleichen Kacheln sind, die beim Kloster Mariastein gefunden wurden. «Das heisst aber noch lange nicht, dass die Metzerler Kacheln vom Kloster stammen», betont Huggel. Denn solche Kacheln wurden damals verbreitet gebraucht.

Vom Single zur Grossfamilie

Interessant ist auch, wie viele Menschen das Haus bewohnten. 1818 lebte der Besitzer Josef Widolf im Haus. Gesellschaft leistete ihm lediglich die Magd. Danach waren es immerhin drei Bewohnerinnen: die Schwestern Anna Maria und Magdalena Gschwind mit ihrer Magd. Einen Höhepunkt erlebte das Haus, als ab 1904 die Gebrüder Remigius und Josef Meier in den beiden Wohnungen lebten. Wobei zu sagen ist, dass Remigius verheiratet war und 14 Kinder hatte! 1935 dann ersteigerte die Bauernfamilie Renz den Hof. Sie renovierte lediglich den einen Hausteil etwas. Der andere blieb unbewohnt – und unberührt. Was der Region dieses Kleinod erhielt.

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