Mariastein
11.05.2022

Geflüchtete hausen in Mariastein

Vor der Basilika: Simon Mugier, Geflüchteter M., Geflüchteter S., Gästepater Leonhard, Geflüchteter H. aus Pakistan. Foto: zVg

Vor der Basilika: Simon Mugier, Geflüchteter M., Geflüchteter S., Gästepater Leonhard, Geflüchteter H. aus Pakistan. Foto: zVg

Am letzten Donnerstagnachmittag kamen in Mariastein sechs Männer aus der Ukraine an, die im ehemaligen «Hotel Post» Quartier bezogen. Das Projekt «Courage Maria» wird vom Kunst-Raum-Rhein in Dornach und Pater Leonhard begleitet.

Von: Thomas Brunnschweiler

Die Blicke der Ankommenden mit dem Schutzstatus S wirken unsicher. Die Schrecken des Krieges stecken allen in den Knochen. Eine Betreuerin des Asylzentrums im Kurhaus Oberbalmberg lässt sich noch die Zimmer zeigen und überlässt dann ihre Schützlinge Dorothee Deimann und Simon Mugier. Gästepater Leonhard gibt J. aus Nigeria den Willkommenssegen. Ein breites Lächeln huscht über dessen Gesicht.

Im zweiten Stock beziehen alle ihre Zimmer, in denen es fliessendes Wasser und Originalkunst gibt. Es gibt auch eine gemütliche Stube mit einem Esstisch ­sowie ein Büro als Gesprächsraum. Aus dem Fenster sieht man den Kastanienbaum im Hof oder die Basilika. Zwei Duschen und zwei Toiletten stehen zur Verfügung. Als alle im hinteren Gastraum an einem langen Tisch Suppe mit Brot essen, wird die Stimmung unbeschwerter.

Eine Chance für Gestrandete

Die beiden Pakistani M. und H. waren erst ein Jahr in der Ukraine, als die Zerstörungen begannen. In Polen waren sie aufgrund ihres Glaubens nicht willkommen. J. war nur vier Monate in der Ukraine. Als er gefragt wird, wie es ihm gefalle, gehen der Daumen und die Mundwinkel hoch. S. aus Kiew, der ursprünglich aus Lwiw (Lemberg) stammt, spricht Deutsch. Er wird bald 66 Jahre alt und hat alles verloren. «Meine Wohnung — absolut alles ist kaputt», sagt er resigniert. Glücklicherweise habe er eine Tochter in Hamburg, die studiert und einen guten Job hat.

T. stammt aus Krementchuk, einer Stadt südöstlich von Kiew mit rund 220000 Einwohnern. O. war gerade als Tourist in Montenegro im Homeoffice, als der Krieg begann. Er kommt aus der Industriestadt Krywyi Rih im Südosten der Ukraine, aus der auch Präsident ­Selenski stammt. O. entschloss sich, nicht in die Ukraine zurückzukehren und in die Schweiz zu reisen. Ein Gast aus ­Tunesien wird — so erfährt man — noch erwartet.

Alle geben zu verstehen, dass es ihnen in Mariastein gefällt. Die muslimischen Pakistani fragen, ob sie auch die Kirche besuchen dürfen. Natürlich, die Mönche weisen niemanden ab.

Dorothee Deimann, die auch über grosse Erfahrung in sozialer Arbeit verfügt, ist Abt Peter von Sury und den hilfsbereiten Mönchen dankbar, dass sie die Zimmer zu einem minimalen Mietpreis zur Verfügung stellen. Pater Leonhard ist auch für das Kloster der Gästepater. Gleich am Samstag wird er eine Führung für die Gäste durch die Klosteranlage samt Basilika anbieten.

Der KRR ist ein gemeinnütziger Verein, im Vorstand sind Dorothee Deimann, Simon Mugier und Andrea Gutzwiller-Dietler. Das Projekt finanziert sich über Spenden. Die Männer erhalten 7.50 Franken für den Tag an Essensgeld. Die fehlende Summe wird vom Freundeskreis vorläufig via Spende aufgebracht. Da es für die Gäste keine eigene Küche gibt, essen die Männer im 1. Stock des Restaurants, wo sie dasselbe Menü bekommen wie die Mönche. «Ich bin dem Pächter des Restaurant Post, Maik Winter, sehr dankbar für sein Entgegenkommen», sagt Dorothee Deimann. Mariastein ist für die Schutzsuchenden in vielfacher Hinsicht eine Chance. Spenden sind willkommen.

Begünstigter: KunstRaumRhein, Postfach, 4005 Basel, IBAN: CH16 0839 2000 1521 3130 2, Vermerk: Courage Maria. Empfängerbank: Freie Gemeinschaftsbank Genossenschaft, Basel.