Region
03.11.2021

Vom Schicksal des künftigen Mischwaldes

Waldgang mit Behördenmitgliedern: Der Holzschlag dient zur Sicherheit der Bevölkerung. Foto: Bea Asper

Waldgang mit Behördenmitgliedern: Der Holzschlag dient zur Sicherheit der Bevölkerung. Foto: Bea Asper

Die Behörden der Leimentaler Gemeinden waren zu Gast bei der Forstbetriebsgemeinschaft Am Blauen — und staunten.

Von: Bea Asper

Die Mitarbeitenden der Forstbetriebsgemeinschaft Am Blauen mussten im letzten Jahr zahlreiche Bäume fällen, die ausgetrocknet waren oder unter Schädlingsbefall litten. «Da sich diese Bäume entlang beliebter Spazierwege befanden, diente dieser grossflächige Eingriff der Sicherheit der Bevölkerung», stellte Revierförster Christoph Sütterlin fest. «Doch das war gar nicht so klar, wie wir dachten.» Anstatt Dank bekamen die Mitarbeitenden böse Worte zu hören. Spaziergänger zeigten sich erbost und erhoben den Vorwurf, man wolle den Wald ausbeuten, resümierte Sütterlin. «Dabei ist es so, dass die Forstbetriebsgemeinschaft seit Jahrzehnten sehr sparsam umgeht mit den Ressourcen. Der Holzschlag liegt weit unter der Menge, die erlaubt wäre.» Man habe dann vor Ort Infotafeln errichtet — seither hätten die Anrufe deutlich abgenommen, berichtete Sütterlin.

An den gelichteten Stellen liegt nun auch die Hoffnung für eine neue Zukunft. Entstehen soll ein Mischwald. Die Förster haben mit verschiedenen Massnahmen die Grundlagen geschaffen, dass sich hier verschiedene Baumarten entwickeln können, zum einen mit Neubepflanzungen, zum andern, indem man auf die natürliche Verjüngung setzt. Die Entwicklung sei abhängig vom Wetter, jedoch auch vom Wildbestand. Es gebe zu viele Rehe und Gämse, welche die neuen Pflänzchen vernaschten, gab Sütterlin zu verstehen und richtete den Fokus auf die Jäger. Diese würden mit ihrer Abschussquote einen Beitrag zum Gelingen leisten. Die Zusammenhänge im Wald zu verstehen, liegt Sütterlin am Herzen. Deswegen hat er für alle Interessierten immer ein offenes Ohr und lädt regelmässig zum Waldgang ein. Diesmal galt die Einladung den Behördenmitgliedern. Sie konnten letzten Samstag die Besichtigungstour und den Grillplausch für den gegenseitigen Erfahrungsaustausch nutzen.

Schnitzelholz verwenden

Die Erfolgsgeschichte der Holzfeuerungsanlage der Gemeinde Witterswil zeigt auf, wie man Privathaushaltungen motivieren kann, von Öl auf Holz umzusteigen. Sütterlin verlieh dabei seiner Hoffnung Ausdruck, dass das Kloster Mariastein für die Zukunft ebenfalls auf ein Fernwärmesystem setzen wird, das mit Schnitzelholz aus dem lokalen Wald betrieben wird. Dies hätte im doppelten Sinn einen nachhaltigen Effekt: «Unser Holz müsste nicht nach China exportiert werden, sondern könnte wieder hier verwertet werden.» Der Export resultiere auch aus der Schliessung der Sägewerke in der Schweiz. Einige Forstbetriebsgemeinschaften hätten dieser Entwicklung mit der Inbetriebnahme einer eigenen Holzverarbeitung entgegenwirken wollen. Sie seien an Vorschriften gescheitert, da ihnen die Ausdehnung der Geschäftsfelder untersagt worden sei. Sütterlin zeigte sich überzeugt, dass die regionale Verarbeitung und Vermarktung durchaus Chancen habe. Die Forstbetriebsgemeinschaft Am Blauen spürt dies an der zunehmenden Nachfrage nach Brennholz, welches sie beim Werkhof zwischen Ettingen und Hofstetten in praktischen Bündeln zum Verkauf anbietet.