Rodersdorf
15.07.2021

«Gemeinde will Kulturschaffende gratis arbeiten lassen»

Kritisiert die Gemeinde: Sascha Schönhaus, Musiker und Dozent an einer Musikhochschule. Foto: Bea Asper

Kritisiert die Gemeinde: Sascha Schönhaus, Musiker und Dozent an einer Musikhochschule. Foto: Bea Asper

Rodersdorf löst mit der Ankündigung des Dorfanlasses «Kulturtage 2021 vom 10. bis 12. September» Vorfreude aus, stösst aber auch auf Kritik.

Von: Bea Asper

Je vielfältiger sich ein Kulturanlass präsentiert, desto mannigfaltiger sind die Meinungen dazu. Davon kann die Jugend-, Sport- und Kulturkommission von Rodersdorf ein Liedchen singen. Sie scheint die geplanten Kulturtage Rodersdorf vom 10. bis 12. September nicht allen Recht zu machen. Die Kommission muss sich derzeit mit der Kritik auseinandersetzen, dass sie der Gemeinde ein Festival auf dem Buckel der Kulturschaffenden schenken will.

«Es ist ein Skandal. Ausgerechnet die Gemeinde Rodersdorf, die sich als sozial und kulturell engagiert präsentiert, lässt mitten in der Corona-Zeit, in der Künstler in ihren Arbeitsmöglichkeiten sehr eingeschränkt sind, Kulturschaffende gratis arbeiten», sagt Sascha Schönhaus, Musiker und Dozent an einer Musikhochschule. Er hat der Kommission seine Bedenken mitgeteilt, doch das Gefühl erhalten, auf taube Ohren zu stossen. «Die Reaktion auf meine unbequemen Fragen war, dass man mich aus dem Emailverteiler entfernt hat.» Schönhaus kann nicht nachvollziehen, dass die Gemeinde ohne Budget weiterplant. «Für die Freizeitanlage Grossbühl hat die Gemeinde 400000 Franken gesprochen, doch für Künstler, die man auftreten lassen will, fehlt das Geld. Für deren Gage setzt man den Betrag null ein», kritisiert Schönhaus. Dabei ärgert er sich nicht nur über die Ablehnung, einen Eintrittspreis zu erheben, sondern auch über die fehlende Kostengutsprache durch den Gemeinderat und das «planlose Vorgehen.» Wenn eine Gemeinde einen grossen Kulturanlass durchführen möchte, «soll sie zuerst ein Konzept erstellen. Mit einem solchen ist es möglich, von Kanton (Lotteriefonds) und Stiftungen Unterstützungsgelder zu erhalten.» Er habe den Organisatoren klar mitgeteilt, dass er und seine Bandmitglieder nicht auftreten werden an den Kulturtagen Rodersdorf — «auch wenn mein Herz für Rodersdorf schlägt», betont Schönhaus. «Von einem Kulturschaffenden einen Gratisauftritt zu verlangen mit dem Hinweis, er könne wenigstens wieder mal in Erscheinung treten, ist nichts anderes, als wenn ein Handwerker wie ein Maler für seine Arbeit nicht entschädigt, sondern vertröstet wird mit den Worten: Herrlich schön ist es, alle können es sehen und es gibt einen Platz für ein Werbeplakat und Visitenkarten.»

Dabei mahnt Schönhaus: «Wer bei den Kulturtagen zum Nulltarif mitmacht, unterstützt diese Art, wie man mit Kulturschaffenden umgeht. In Zukunft wird dann auf die Vergangenheit verwiesen: Man hat sich daran gewöhnt, dass Kultur nichts kosten darf.» Schönhaus plädiert deswegen, die Kulturtage zu verschieben und die Zeit für das Erstellen eines Kulturkonzeptes mit entsprechender Finanzierung zu nutzen. Dabei könnte man auf dem politischen Weg mit der Aufnahme ins Gemeindebudget sicherstellen, dass die Kultur zu ihrem verdienten Preisschild komme.


Gegen Gage, für eine Kollekte

Nachgefragt bei der Jugend-, Sport- und Kulturkommission verweist Erika Schär darauf, dass die Kulturtage Rodersdorf doch erst die Anfangstöne seien, dass sie aber später durchaus klangreicher werden könnten. Dabei habe man Personen, die wüssten wie die Musik spielt, auch eingeladen, an einem neuen Konzept mitzuarbeiten und sich für das geplante OK zur Verfügung zu stellen. «Doch das ist Zukunftsmusik», stellt Schär klar. Vieles sei erst am Entstehen. Die Kulturtage Rodersdorf führten vor zwei Jahren auf einem Rundgang durch das Dorf in die verschiedenen «Ateliers» in Gemeinde- und Privaträumlichkeiten. «In diesem Jahr wollten wir, nach Nachfragen aus der Bevölkerung, die Begegnungen mit musikalischen Darbietungen ergänzen, zum Beispiel mit einem Konzert in der Kirche oder Heimatklängen im Vereinslokal. Deswegen hatten wir die Musikschaffenden im Dorf eingeladen, sich an den Kulturtagen zu beteiligen», erklärt Schär auf Anfrage. «Wir erhielten zahlreiche Zusagen — und ja, einzelne, später folgende Widerrufe von Berufsmusikern. Deren Vorbehalte können wir nachvollziehen, halten aber entgegen, dass die Kulturtage Rodersdorf nicht belastet werden sollten mit dem Frust über die coronabedingte Situation für Kulturschaffende. Man darf nicht den Anspruch erheben, dass Rodersdorf an einem Dorfanlass Gagen zahlen soll wie an einem sehr grossen Festival», heisst es seitens der Jugend- Sport- und Kulturkommission. «Die definitiv Teilnehmenden haben sich im Gremium gegen eine Gage und für eine Kollekte ausgesprochen, was uns ermöglicht, den gesamten Anlass ohne einen Kulturtage-Pass durchzuführen. Dies freut uns sehr.»

Die Details zum Programm der Kulturtage Rodersdorf würden im August bekannt gegeben, sagt Erika Schär.