Zwischen Welten und Zeiten

«Weder das eine noch das andere» heisst die derzeitige Ausstellung von Eva Paulin im KunstRaumRhein «Choice» in Mariastein. Die Bilder changieren zwischen schlichter Reduktion und exzessiver Farbigkeit.

Reduktion in Kreisform: Eva Paulin neben dem Tondo «Beflügelt». Foto: Thomas Brunnschweiler
Reduktion in Kreisform: Eva Paulin neben dem Tondo «Beflügelt». Foto: Thomas Brunnschweiler

Dorothee Deimann, die Kuratorin des Kunstraums, erklärte an der Vernissage an Allerheiligen den Titel der Schau. Man lebe in einer Zeit der Umbrüche, das Vergangene gehe unter, die Zukunft sei noch ungewiss. Es brauche «grosse Anstrengung, in dieser Stimmung jeden Tag neu zu wagen», schreibt sie. Eva Paulin biete dazu die Motive und Reflexionen an. Paulin ist Künstlerin und Regisseurin aus Österreich und Italien. Bis 2015 arbeitete sie als Regisseurin und Bühnenbildnerin. Bereits ab 2011 widmete sie sich auch der bildenden Kunst. Dass ihre Bilder prominent in der «Zeitschrift Mariastein 2/2025» thematisiert wurden, ist kein Zufall. Für sie ist Malen eine Form der Meditation, letztlich eine Auseinandersetzung mit dem Spirituellen. Eva Paulin sagt: «Bilder sind die Materialisierung eines Impulses, den man nicht begreifen kann, wenn man ihn nur fühlt.» Dass Paulins Bilder abstrakt sind, hat ebenfalls mit dieser Wahrheit zu tun, weil die Abstraktion mehrdimensionale Erfahrungen zulässt. «Es wäre eindimensional, nur eine Illustration der Realität zu machen», erklärt sie. In ihrem sehr farbenfrohen Bild «Number 4», das Paulin auch «Kreuzesabnahme» nennt, nimmt sie jedoch im Aufbau des Bildes Bezug auf Caravaggios berühmtes Gemälde «Kreuzabnahme». Es lohnt sich, die beiden Bilder zu vergleichen.

Stilistisch breit gefächert

Die vielseitige Künstlerin kennt die Kunstgeschichte gut. Sie verrät, dass ihr im Traum einmal der Künstler Jean Dubuffet erschienen sei, um ihr einen Ratschlag zu geben. Im Bild «Happy Birthday», das einen Blumenstrauss zeigt, kopiert Paulin zwar keinen Kunststil, dennoch wirkt das Bild wie eine Verschmelzung von Expressionismus und moderner Abstraktion; in den Sinn kommen einem van Gogh, Matisse und Nolde. Die abstrakten Gemälde in Acryl weisen eine teilweise gewagte Farbkombination auf, etwa beim Bild «Seerosenteich», wo Orange und Zartrosa sanft kollidieren. Dieses Bild besticht auch durch die Textur und die Strukturen der Linien, die teilweise konturiert sind. «Lichtenstein» besticht durch ein rot-oranges Raster, bei dem transparente Gipslasuren die Intensität der Farbe dämpfen. Paulin benutzte Ölkreide, um die Konturen der Bergketten und Hügel zu skizzieren und hervorzuheben. Speziell ist auch das sogenannte Tondo-Format: kreisrunde Bildwerke, die vor allem in der Renaissance beliebt waren. Diese Bilder erzeugen eine ruhige Wirkung und konzentrieren den Blick auf das Wesentliche. Die Vollkommenheit des Kreises macht das Format ideal für spirituelle Darstellungen. Auf dem Rundformat lassen sich unterschiedliche Wirkungen erzielen. Die «Kriegsarena» ist strukturiert und fast ornamental, «Beflügelt» dagegen minimalistisch und expressiv. Auch die kleinen, günstigen Papierarbeiten mit Tape-Technik sind mit ihren poetischen Titeln sehr attraktiv. Die Ausstellung lohnt einen Abstecher nach Mariastein allemal.

Eva Paulin, KunstRaumRhein «Choice», Metzerlenstrasse 1B, Mariastein, 1. bis 30. November; Sa, 14 bis 18 Uhr, So, 10 bis 16 Uhr und auf Anfrage, www.kunstraumrhein.ch

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