«Wer will, darf das Reinstwasser haben»

Die Ovivo ist Zulieferin der IT-Branche und plant, die Entwicklung an ihrem Standort in Witterswil auszubauen. Dabei fallen in der Stunde bis zu 20000 Liter Reinstwasser an, das das Unternehmen laut zuständigen Behörden in den Bach ableiten soll.

Abfallprodukt: Bei der Ovivo entsteht wertvolles Reinstwasser. Foto: Bea Asper

«Sie werfen einen Würfel Zucker in einen See und wir holen den wieder raus», versinnbildlicht Lothar Till, Geschäftsführer der Ovivo Switzerland, die unternehmerische Tätigkeit. Die Ovivo entwickelt Anlagen zur Herstellung von Mikrochips für die IT-Branche. In diesem Verfahren gelingt es ihr, alle Partikel aus Trinkwasser herauszufiltern und mit dem Reinstwasser die Komponenten zu reinigen, welche die Elektronik-Industrie für ihre Anlagen benötigt. «Aufgrund der gestiegenen Nachfrage ist die Ovivo auf eine Kapazitätserweiterung an ihrem Standort in Witterswil angewiesen», erklärt Till auf Anfrage dieser Zeitung. Das dafür notwendige Baugesuch hat die Unternehmung bereits vor über einem Jahr eingereicht. «Die Fristen, welche die öffentliche Hand für Bewilligungen benötigt, sind in der Welt der Wirtschaft eine Ewigkeit», gibt Till zu bedenken.

Leistungsstarkes Wassernetz

Doris Weisskopf, Gemeindepräsidentin von Witterswil, verweist darauf, dass das Vorhaben der Ovivo die Wasserversorgung einer ganzen Region auf den Prüfstand stellte. «Wir mussten zuerst abklären, ob die Trinkwasserversorgung den von der Ovivo in Aussicht gestellten Wasserbezug liefern kann. Wir reden von einer Menge von bis zu 20000 Liter pro Stunde», erklärt Weisskopf. Nach heutigem Stand der Abklärungen seien die Voraussetzungen erfüllt. Dank dem laufend angepassten Netz des Wasserverbunds Leimental und den Verbindungen zur Wasserversorgung Birsstadt verfüge Witterswil über ein leistungsstarkes Netz. «Dabei kommen natürlich die Reglemente der Gemeinde zur Anwendung. Bei Wasserknappheit hat die Versorgung von Mensch und Tier erste Priorität», bekräftigt Weisskopf.

Reinstwasser darf nicht in die ARA

Allerdings war die Abwasserreinigungsanlage nicht bereit, die neu von der Ovivo zu erwartende Menge Abwasser anzunehmen. Das Reinstwasser habe nichts verloren in einer ARA. Hier werde in verschiedenen Verfahren (mechanisch und biologisch) verunreinigtes Wasser gesäubert. Die grossen Mengen Reinstwasser würden den heutigen Betrieb der ARA aus dem Konzept bringen, rapportiert Weisskopf. Ovivo Switzerland suchte nach einer Alternative — zum Beispiel bei der benachbarten Gärtnerei. «Diese winkte ab, da sie über einen eigenen Regenwassertank verfügt», erklärt Lothar Till. «Bisher haben wir leider noch keinen Abnehmer für das Reinstwasser gefunden.» Dafür prädestiniert wäre die Landwirtschaft. «Wer will, darf es haben. Der mögliche Interessent müsste es von unserem Tank abpumpen», so Till. Mit einem 100000-Liter-Tank gebe es einen Puffer.

Die Lösung, die vom Kanton Solothurn grünes Licht erhalten könnte, sieht vor, das Reinstwasser in ein öffentliches Gewässer einzuleiten. Das Gesuch sei eingetroffen und in Bearbeitung, bestätigt Reto Zünd von der Verfahrenskoordination beim Amt für Umwelt (AfU).

Trinkwasser für Reinstwasser

«Das AfU wurde frühzeitig einbezogen und konnte so Optimierungen zugunsten des Projekts erreichen. Der Prozess der Reinstwasserproduktion benötigt sehr viel Wasser, das über das Trinkwassernetz bezogen wird», erläutert Zünd. Das in grossen Mengen anfallende Prozesswasser, also Reinstwasser, weise keine Verunreinigungen auf, die eine Behandlung in einer Abwasserreinigungsanlage (ARA) erforderlich machen würden. «Daher wurde von Anfang an angestrebt, das Reinstwasser vor Ort dem Wasserkreislauf zurückzugeben. Das Gewässerschutzgesetz lässt die Einleitung in ein Gewässer zu, wenn die entsprechenden Einleitgrenzwerte eingehalten werden», resümiert Zünd und führt aus: «Mit dem von der Firma Ovivo vorgesehenen Verfahrensablauf und der vom AfU verlangten Überwachung und Vorbehandlung des Reinstwassers kann eine entsprechende Bewilligung voraussichtlich erteilt werden.» Das übrige anfallende «häusliche Abwasser» aus der Produktion werde in das bestehende Abwassernetz des Technologiezentrums Witterswil (TZW) abgeleitet und in der ARA gereinigt.

Wie Zünd bestätigt, handelt es sich beim laufenden Verfahren um einen Sonderfall. «Bis heute wurden im Kanton keine analogen Anlagen bewilligt, da Prozesswasser in aller Regel in kleinerem Umfang anfällt, verschmutzt ist und einer ARA zugeführt werden muss». Es gebe allerdings zahlreiche Grundwasserwärmenutzungen, die Grundwasser beziehen und wieder ins Grundwasser oder in ein Oberflächengewässer einleiten.

In Witterswil ist man nun gespannt, wie es weitergeht. «Wir gehen davon aus, dass das Baugesuch in den nächsten Wochen publiziert werden kann», gibt Gemeindepräsidentin Doris Weisskopf bekannt.

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