Soul-Jazz vom Feinsten

Eine Swing-Matinee versprach die GMS im Museum für Musikautomaten Seewen. «Soul Meeting», das Lucio Marelli & Alex Hendriksen Jazz Quartett, übertraf mit seiner Interpretation alle Erwartungen.

Ausnahmsweise wurde die Matinee am letzten Sonntag von René Fuchs, dem Kassier der GMS, angesagt. Beim Wort «Swing» denkt man unwillkürlich an die späten 1930er- und die 1940er-Jahre und die grosse Zeit der Big Bands von Glenn Miller und Benny Goodman. Alex Hendriksen (Alt-Saxofon), Oliver Pellet (E-Gitarre), Thomas Lähns (Kontrabass) und Lucio Marelli (Drums) spielten hingegen nicht den klassischen Swing, sondern Soul-Jazz, eine Weiterentwicklung des Hard Bop. Dieser Stil entwickelte sich in den 1950er-Jahren. Teilweise ist auch von Boogaloo die Rede, der afroamerikanische Rhythmen, Mambo und Son Cubano aufgriff. Das Quartett startete mit «Midnight Creeper» von Lou Donaldson, einem coolen, groovigen und leichtfüssigen Stück mit bluesiger Melodieführung. «Soul Meeting» von King Curtis war ein R&B-inspirierter Soul-Jazz-Walzer, bei dem Hendriksens schöner und warmer Saxofonklang besonders gut zum Ausdruck kam. Weiter ging’s mit «Blues Walk» von Lou Donaldson, einer Mischung von Hard Bop und Blues, der an «Summertime» von Gershwin erinnerte, swingend und melodisch eingängig. Bei all diesen Stücken gibt es ein Standard-Notenschema, das aber jeder Musiker mit eigenen Improvisationen durchbrechen kann. Dies macht das Flair des Jazz aus. Oliver Pellet brauchte für seine E-Gitarre einen «HOG», einen Gitarren-Synthesizer. Damit produzierte er in «Blues Walk» einen streicherähnlichen Klang.

Von lyrisch bis groovig

Mit «Terrestris» von Tom Harrell machten die vier Musiker bereits einen Ausflug in den sogenannten Post-Jazz, der sich nicht mehr an traditionelle Stilgrenzen gebunden fühlt. «Terrestris» ist moderner, fast lyrischer Jazz. Für den Solopart, hier das Saxofon, ist das Stück höchst anspruchsvoll zu spielen. Langsam und getragen kam hingegen die Ballade «Too Much in Love to Care» von James J. Kriegsmann daher, bei der der Bassist ein schönes Solo hinlegte und am Schluss sogar zum Bogen griff. Bei «Turtle Walk» von Lou Donaldson, einem funkigen Boogaloo, wählte Pellet eine witzige Einstellung auf seinem Klangfarben-Generator. Das Saxofon steht hier im Dialog mit der Gitarre. In «Wayne’s Thang» von Kenny Garrett, einem Post-Bop-Stück mit Fusion-Einflüssen, improvisierte Pellet auf der wiederum streicherähnlich klingenden Gitarre schnell und virtuos. Leichtfüssig und cool erklang der bekannte «Alligator Boogaloo» von Lou Donaldson, bei dem sich Latin-Boogaloo-Rhythmus und Funk mischen.

Der Schlussapplaus des zahlreich erschienenen Publikums war so gross, dass das Quartett den raffinierten Funky-Hard-Bop «The Jody Grind» von Horace Silver als Zugabe spielte, ein Stück mit einer witzigen doppelten Bedeutung. Einmal mehr konnte Programmleiter David Schönhaus ein hochkarätiges Ensemble gewinnen.

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