Kunst im Kontext des Krieges
Frédéric Stalder aus Büren gibt das Buch «Kunst im Schatten des Krieges» heraus, das sich mit dem Chronisten und Militärmaler Fritz Pümpin befasst. Das «Wochenblatt» hat Stalder in seinem Zuhause besucht.

Zwischen 1939 und 1945 befand sich unsere Region militärisch gesehen in einer «heissen Phase». Nach der Mobilmachung kam es immer wieder zu Luftraumverletzungen und 1940 sogar zum Abschuss eines deutschen Jagdbombers, der in Nunningen eine Bauchlandung erlitt. Damals engagierte die Armeeführung Militärmaler, die vor allem ein heroisches Bild der Soldaten an der Grenze wiedergeben sollten. Der aus Gelterkinden stammende Künstler Fritz Pümpin trat hingegen freiwillig in den Hilfsdienst ein, um dort ohne Auftrag unideologisch und neutral den Alltag der Wehrdienstpflichtigen der Grenzbrigade 4 zu dokumentieren. Frédéric Stalder — Experte für Wirtschaft und Management, Fachreferent an der Universität Zürich und Mitarbeiter des Kantonsspitals Baselland — lernte in seiner militärischen Laufbahn als Kommandant des II/52 strategisches Denken und Führungskompetenzen. Durch ein Geschenk eines Pümpin-Bildes stiess er auf das Werk des Baselbieter Malers und dessen speziellen visuellen Zugang zu militärischen Themen. «Pümpin malte anfangs noch fast idyllische Alltagsbilder, doch als sich ab 1940 der Druck von aussen erhöhte, wurden seine Gemälde zusehends düsterer.» Glücklicherweise hatte Pümpin in der Cliché-Firma Schwitter in Basel einen wohlwollenden Förderer. «Schwitter kaufte dem Maler Bilder ab, die jedoch die Zensur des Territorial-Kommandos passieren mussten. Neben Schwitter war auch Oberst Henry Guisan, der Sohn des Generals, ein Förderer Pümpins. Er unterzeichnete persönlich einen «Freipass», der es Fritz Pümpin erlaubte, sich in Basel frei zu bewegen und überall zu zeichnen.
Auf den Spuren von Fritz Pümpin
Stalder lernte Pümpins Söhne Volkmar und Cuno kennen, tauchte in Archive ein und versuchte, sich einen Überblick über das Werk des Malers in den Kriegsjahren zu verschaffen. «Es gibt rund 250 Militärbilder von ihm», sagt Stalder, «das Buch zeigt rund 100 davon.» Pümpin verstand sich nie als Propagandist, sondern als nüchterner, neutraler Chronist des militärischen Alltags. «Dennoch nahm er emotionalen Anteil am Wiedergegebenen.» Das Buch entstand in einem vierjährigen Prozess. Mit seinen Söhnen machte sich Stalder immer wieder auf die Suche nach den genauen Orten, an denen Pümpin einst seine Staffelei aufgestellt und seine Motive eingefangen hatte. Gerade das Alltägliche und Unspektakuläre der Bilder faszinieren Stalder. In einer Zeit von kriegerischen Auseinandersetzungen in Europa werde das Militärische in Künstlerkreisen weitgehend ausgeblendet. «Das geht eigentlich nicht», so Stalder. Der kultur- und militärhistorisch versierte Stalder interessiert sich vor allem für die Bilder mit Zensurnummern. Die Preise für Pümpins Werke seien massiv gefallen. Das entspricht einer gewissen Geschichtsvergessenheit der heutigen Generation. Gerade Pümpins Bilder sind nicht nur künstlerisch interessant, «sondern auch ein historisches Zeugnis von bleibendem Wert» (Jürg Gohl). Die Vernissage von Stalders Buch, das im Verlag «Mis Buech» der Schaub Medien AG erscheint, findet am 17. Juni um 18 Uhr im Museum Baselland in Liestal statt.


