Die Erweckung der neuen Orgel
Am letzten Wochenende fand rund um die St.-Nikolaus-Kirche in Hofstetten das würdige und kaleidoskopische Hallelujafest zur Orgelweihe statt. Die Anlässe vom Freitag bis am Sonntag waren gut besucht.

Zwischen dem Kirchenbrand am Silvester 2021 und dem letzten Sonntag vergingen 1346 Tage. In der Liturgie zur Orgelweihe, welcher Pater Peter von Sury, ehemaliger Dorfpfarrer und Abt von Mariastein, und Diakon Marek Sowulewski vorstanden, konnte daher ein mehrstimmiges Halleluja zum Himmel steigen. Bevor es aber so weit war, gab es ein Festprogramm, das mit einem 5-Gang-Festessen unter der Leitung von Astrid Imhasly im St.-Nikolaus-Saal begann. Hinter der Kirche war ein Festzelt aufgebaut. Am Samstag wurde der Ablauf mit den Turmbläsern und einem Musikprogramm in der Kirche begonnen. Nach dem Auftritt des Handorgelensembles der Musikschule Solothurnisches Leimental (MUSOL) spielte ein Harfenduo. Später traten der Musikverein, der Cäcilienchor Hofstetten-Flüh und die Groovy Stompers mit Jazz auf. Das Kinderprogramm wurde von der Jubla organisiert und auch während des ganzen Wochenendes war für das leibliche Wohl gesorgt. Geri Stöcklin fungierte als Präsident des Organisationskomitees.
Würdige Orgelweihe
Im sehr gut besuchten Wortgottesdienst am Sonntagmorgen sprach die Orgel zuerst selbst aus dem Off: «Ich bin die neue Orgel …». Es folgte die Orgelweihe mit dem Ritus «Erwachen der Orgel» mit dem dreifachen Orgelruf, der sinnbildlich für die Heilige Dreifaltigkeit steht. Die Organisten Thilo Muster und Christian Thomann intonierten mit zunehmender Intensität das neue Instrument der Firma Klahre aus Basel. Dazwischen wurden poetische Orgeltexte gelesen. Vor dem Segen erklang mit Orgel und Chor das Stück «Festliches Halleluja» von Christopher Tambling. Der von zehn Personen geleitete Gottesdienst wurde dem freudigen Anlass in einer würdevollen Form gerecht.
Die neue Pfeifenorgel, die sich an romantischen Vorbildern orientiert, weist einen warmen, raumfüllenden Klang und eine grosse dynamische Flexibilität auf. Das optisch ansprechende Orgelgehäuse wirkt kompakt, und der Spieltisch ist gegen das Kirchenschiff ausgerichtet. Die Kosten für die Orgel belaufen sich auf 600000 Franken, zu denen noch 50000 Franken für den «Setzer» kamen, ein Gerät, das Registrierungen schnell abrufen lässt; diese Zugabe wurde durch eine private Spende ermöglicht.
Eindrückliches Orgelkonzert
Für das erste Orgelkonzert an der Klahre-Orgel setzte sich der international gefragte Organist Kay Johannsen an den Spieltisch. Nach Johann Sebastian Bachs «Ach, was soll ich Sünder machen» erklang dessen Sonata G-Dur BWV 530, die wohl virtuoseste und strahlendste der sechs Triosonaten. Das heitere und kunstvolle Stück ist technisch höchst anspruchsvoll. Es folgte Wolfgang Amadeus Mozarts Adagio und Fuge c-Moll, für Orgel bearbeitet. Im Gegensatz zu Mozarts galanten Stücken setzte sich Mozart hier mit der Kontrapunktik von Bach auseinander. Nach Felix Mendelssohns Andante D-Dur von 1823, das der Komponist mit erst 14 Jahren schrieb, erklangen ein Stück des Spätromantikers Marco Enrico Bossi und die längere fünfsätzige Sonate Nr. 1 d-Moll von August Gottfried Ritter, die sehr ernst und sinfonisch wirkt. Am Schluss brillierte Johannsen nochmals mit einer teils fast ekstatischen Improvisation, der rauschenden Krönung feuriger Orgel-Spiellust.


