8000 Stunden Handwerk für die neue Orgel

Dreieinhalb Jahre nach dem verheerenden Brand in der Silvesternacht 2021/22 kehren die Orgelklänge in die katholische Kirche St. Niklaus zurück. Vom 5. bis 7. September wird die neue Orgel eingeweiht. Die Orgelbauer Michael Klahre und Achim Reichmann legen noch die letzten Handgriffe an.

Blick ins Innere: Michael Klahre erklärt die Anordnung der Pfeifen.

Blick ins Innere: Michael Klahre erklärt die Anordnung der Pfeifen.

Die neue Orgel: Letzte Intonationsarbeiten werden getätigt, damit die Orgel zur Einweihung am 7. September perfekt tönt. Fotos: Gaby Walther

Die neue Orgel: Letzte Intonationsarbeiten werden getätigt, damit die Orgel zur Einweihung am 7. September perfekt tönt. Fotos: Gaby Walther

In der Silvesternacht 2021/22 wurde die Kirche durch Brandstiftung stark beschädigt. Empore, Decke, Kirchenbänke, Fenster und die Orgel von 1978 fielen den Flammen zum Opfer. Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten konnte das Gotteshaus ab dem 20. August 2023 wieder genutzt werden. Nun folgt mit dem Einbau der neuen Orgel der letzte grosse Schritt zur Wiederherstellung.

Ein emotionaler Moment für den Orgelbauer

Mit dem Bau der Orgel wurde die Firma Orgelbau Klahre aus Basel beauftragt. Sie hatte sich in einem internationalen ­Wettbewerb durchgesetzt. Orgelbauer Michael Klahre spricht von einem emotionalen Moment: «Nach ca. 8000 Arbeitsstunden und dem grossen Druck, rechtzeitig auf Anfang September fertig zu werden, können wir bei der Einweihung sehr froh über das Erreichte sein. Wenn die Musik auch Laien bewegt, ist das ein besonders befriedigendes Gefühl.» Die neue Orgel basiert optisch und klanglich auf einer romantischen Orgel — einem Instrumententyp aus dem 19. bis Anfang 20. Jahrhundert, der sich durch warme, volle, bassreiche Töne auszeichnet. Zwei Manuale, ein Pedalwerk und rund 25 Register sorgen für ein breites musikalisches Spektrum. «Dank dem Schwellwerk kann man sehr dynamisch spielen — laut und leise. Die Orgel soll nicht nur Gottesdienste begleiten, ­sondern auch bei weltlichen Veranstaltungen wie Konzerten und Stummfilmvorführungen zum Einsatz kommen», erklärt Klahre.

Handwerkliche Herausforderungen

Seit eineinhalb Jahren ist Klahre mit zwei Mitarbeitern am Konstruieren und Erstellen der Orgel. Vor den vielen handwerklichen Arbeiten aus Holz, Metall, Filz und Leder ist eine intensive Planungsphase nötig. So muss zum Beispiel die Mechanik von den Tasten zu den Ventilen unter den Pfeifen gelangen, was total ein ca. einen Kilometer langen Weg bedeutet. Eine besondere Herausforderung war die geringe Raumhöhe der Empore: Für die längste, fünf Meter lange Pfeife standen nur 3,5 Meter zur Verfügung. Gelöst wurde dies durch eine raffinierte Bauweise, bei der sich die Pfeife in sich selbst zurückführt. Die Pfeifen, elektronische Bauteile zur Registersteuerung und Teile der Holzarbeiten, lässt Klahre nach seinen Plänen von langjährigen Partnern herstellen.

In nur drei Tagen wurde die in der Werkstatt vormontierte Orgel auf der Empore grob aufgebaut. Anschliessend folgten zwei Wochen technische Feinarbeit und deren fünf für die Intonationsarbeit vor Ort. Da die Decke der Kirche bei der Sanierung mit einer Holzkonstruktion so umgebaut wurde, dass der Raum beim Sprechen nicht hallt und nun die Akustik etwas schluckt, bedeutet dies, dass die Orgel kräftiger intoniert werden muss. «Davor hatte ich etwas Respekt, bin nun aber sehr zufrieden mit dem Ergebnis», sagt Klahre.

Optisch fügt sich die Orgel harmonisch in das Kirchengebäude ein und der Organist kann dank der Konzeption der Orgel beim Spielen das Geschehen im Kirchenraum sehen. «Dies ist nicht immer möglich. Oft ist der Organist hinter der Orgel versteckt», so Klahre.

Am Sonntagnachmittag, 7. September, kann die Orgel besichtigt werden. Um 15 Uhr wird der Organist Kay Johannsen ein Orgelkonzert geben. Ein vielfältiges Angebot an Musikdarbietung, Attraktionen und Kulinarischem ist bereits an den beiden Tagen zuvor geplant.

Weitere Artikel zu «Dorneckberg/Leimental», die sie interessieren könnten

Beim Destillieren: Die «Höllenhund-Gin-Macher» (v. l.) Hans Schneiter, Reto Grossheutschi und Dominik Tschon. Nicht im Bild ist Gabriele Grossheutschi, die ebenfalls zum Team gehört. Foto: zvg
Dorneckberg/Leimental17.12.2025

Der Höllenhund aus Hofstetten

Drei Freunde aus Hofstetten und Basel produzieren seit einigen Jahren ihren eigenen Gin. Ihr «Höllenhund-Gin» basiert auf einem sorgfältig entwickelten Rezept…
Geschwisterliches Dreamteam: Evelyn und Kristina Brunner (v. l.). Foto: Th. Brunnschweiler
Dorneckberg/Leimental17.12.2025

Virtuose neue Volksmusik mit Verve

Letzten Sonntag bestritten die Musikerinnen Evelyn und Kristina Brunner im Museum für Musikautomaten eine «Schweizer Matinee». Mit Schwyzerörgeli, Bass und…
Weihnachtsgedanken
Dorneckberg/Leimental17.12.2025

Weihnachtsgedanken

Im Pflegeheim hat Rudolfus Burkard einen Weihnachts-brief gefunden. Geschrieben wurde er von Emil Burkard, geboren am 27. Juni 1933. Er schrieb ihn zu…