Reinach
07.04.2021

Abenteuer Landleben

Im Hühnerstall: Das Wohlbefinden der Hühner und gutes Futter tragen massgeblich zur Qualität der Eier bei.Foto: Marianne Vetter

Im Hühnerstall: Das Wohlbefinden der Hühner und gutes Futter tragen massgeblich zur Qualität der Eier bei.Foto: Marianne Vetter

Auf dem Predigerhof scheint die Zeit still­zustehen, dafür sind die Gastgeber immer in Be­wegung. Mit ihnen ­Wollschweine, Hühner, Wachteln, Schafe, zwei Esel und Hofhund Ringo.

Von: Marianne Vetter

Das Leben im Einklang mit der Natur liegt im Trend, das spürte nicht nur die Initiantin, die Predigerhof AG, die 2018 den schön gelegenen Hof im Nah­erholungsgebiet zwischen Bruderholz, ­Reinach und Münchenstein wieder zum Leben erweckte. Mittlerweile sind 300 Aktionärinnen und Aktionäre an der Predigerhof AG beteiligt.

Seit der Eröffnung hat sich vieles getan: Der Erlebnisbauernhof mit Restaurant ist Arbeits- und Bildungsort und beliebtes Ausflugsziel mit Buvette, Kinderspielgarten und historischer Freiluft-Kegelbahn. Der Förderverein Kleintierhaltung Predigerhof unterstützt die Arbeit mit den Kleintierbeständen, die von der Stiftung Pro Specie Rara zur Haltung empfohlen werden. «Unsere Tiere liefern Eier, Fleisch und Wolle und leisten einen wichtigen Beitrag in Sachen Landschaftspflege. So pflügen die Wollschweine regelmässig die Weiden und sorgen damit für gesunde Böden», erzählt Jasna Bay, Sozialpädagogin und Leiterin der Kleintierhaltung, die zusammen mit den pädagogischen Mitarbeiterinnen Salomé Mollet und Susanne Fisch für den Bereich Arbeitsintegration zuständig ist.

Integratives Arbeiten

Das Team arbeitet in diesem Bereich mit der Wohn- und Arbeitsintegration Bernhardsberg in Oberwil zusammen. «Im Rahmen der Arbeitsintegration bieten wir eine betreute Tagesgestaltung sowie begleitete Arbeitsplätze an. Das Angebot richtet sich an Menschen ohne Tagesstruktur, die einen vorübergehenden oder längerfristigen Bedarf an Beschäftigung und Förderung haben, um in der Arbeitswelt wieder Fuss zu fassen», hält Susanne Fisch fest. «Mittlerweile beschäftigen wir sieben betreute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – Menschen mit psychischen, kognitiven oder körperlichen Beeinträchtigungen.»

Gehegt und gepflegt wird auch der hauseigene Kräuter- und Gemüsegarten. Die Kräuter werden geerntet, getrocknet und zu Gewürz- und Teemischungen verarbeitet. Diese Produkte, wie auch Eier, Würste, Tofu und andere saisonale Erzeugnisse werden im Hofladen angeboten. In der alten Garage, die zur Buvette umgebaut wurde und zum Restaurant gehört, werden Wandernde oder Velofahrende mit gemischten Plättli, hausgemachten Kuchen und Sirups versorgt. Ein Angebot das – wie auch am Osterwochenende zu sehen war – grossen Anklang findet.

Wachsende Wertschätzung

Als nächstes Projekt steht die Instandstellung eines Ökonomiegebäudes an. Zwar ist die Grundsubstanz gut, es brauche aber eine Auffrischung, so Susanne Fisch. Aber auch hier gilt: Design to cost, was heisst, die Ökonomiegebäude werden erhalten, aber erst dann renoviert, wenn die Projekte detailliert geplant und der Betrieb gesichert sind. Der Hof mit seinen 5000 Quadratmetern bietet ein grosses Potenzial für Kurse und Workshops. Das Bedürfnis, mehr über Pflanzen, Tiere und deren Erzeugnisse zu erfahren, nimmt zu. Diese wachsende Wertschätzung verlangt nach neuen Ideen. Hier setzt der Förderverein Predigerhof mit verschiedenen Angeboten wie Führungen, Wissenstransfer für Gross und Klein und verschiedenen Aktivitäten für Kinder an. Ein Besuch bei den Tieren, schauen, ob die Wachteln oder Hühner Eier gelegt haben, Bewegung an der frischen Luft, eine Wurst bräteln. Das Team vom Predigerhof freut sich auf viele Gäste. Auch ehrenamtliche Helferinnen und Helfer sind willkommen. Denn: Die Arbeit auf dem Predigerhof ist pure Leidenschaft. www.prediger-hof.ch

Der Predigerhof: Broschüre gewinnen!

Interessant ist die Geschichte des Predigerhofs, der 1906 nordwestlich des Gebiets Predigerholz erbaut wurde. Das Gebäude war zeitweise gar ein Heim für «gefallene Mädchen». Es gibt eine kleine Broschüre «Der Predigerhof: Von Schwingerinnen und Winterzitronen – Geschichte und Geschichten vom Bruderholz», 76 Seiten.

Sie kostet 10 Franken plus 2 Franken Porto. Die ersten fünf Wochenblatt-Leserinnen und -Leser, die sich bei info[at]prediger-hof.ch melden, bekommen die Broschüre kostenlos zugestellt.