Münchenstein
15.01.2020

«Ich möchte Olympiagold»

Auf Erfolgskurs: Flavio Gross (l.) mit Nationalcoach Kalon Dobbin in St. Moritz, wo die Eisschnelllauf-Wettkämpfe auf dem zugefrorenen See stattfinden.  Foto: ZVG

Auf Erfolgskurs: Flavio Gross (l.) mit Nationalcoach Kalon Dobbin in St. Moritz, wo die Eisschnelllauf-Wettkämpfe auf dem zugefrorenen See stattfinden. Foto: ZVG

Nach einer schweren Krankheit und Verletzung kämpfte sich der Münchensteiner Eisschnellläufer Flavio Gross zurück und nimmt diese Woche an den Olympischen Jugendspielen teil.

Von: Tobias Gfeller

Ein Hauch Olympia weht in diesen Tagen durch das Land. Die vom Internationalen Olympischen Komitee durchgeführten Olympischen Winter-Jugendspiele gastieren zurzeit mit dem Hauptort Lausanne in der Schweiz. Insgesamt sind 1872 Athletinnen und Athleten im Alter von 14 bis 18 Jahren aus 79 Ländern am Start. Mittendrin Eisschnellläufer Flavio Gross aus Münchenstein. Am Montag lief er die 1500 Meter im Einzel, gestern den Mixed Team Sprint. Heute Mittag steht das Massenstart-Rennen auf dem Programm. Flavio Gross hat sich mit Absicht nicht allzu hohe Ziele gesteckt. Ein Platz in den besten zehn soll es in einem der drei Rennen werden. Nach einem Schienbeinbruch im vergangenen Mai befindet sich der 17-Jährige erst auf dem Weg zurück zur Topform. Schmerzen am Bein verhindern bis heute, dass er voll trainieren kann.


Auf Kufen und Rollen

Nach den Jugendspielen muss noch ein Metallnagel aus dem Schienbein entfernt werden. Dann hofft Flavio Gross, sich schmerzfrei auf die Inline-Speedskating-Saison vorbereiten zu können. An der Weltmeisterschaft in Kolumbien darf er zum letzten Mal bei den Junioren an den Start gehen. Der Münchensteiner ist seit seiner Kindheit sportlich zweigleisig unterwegs – im Winter auf Kufen auf dem Eis, im Sommer auf Rollen auf Beton. Beim Speedskating geschah im Mai auch der folgenschwere Sturz, als Flavio Gross im Sprint in einen ungeschützten Container rutschte.

Der Münchensteiner sieht Eisschnelllauf und Inline-Speedskating übergreifend als eine Sportart. «Aber logisch sind sie im Detail komplett unterschiedlich, vor allem was die Lauftechnik angeht», erklärt der Nachwuchssportler. Mit unter anderem zwei Plätzen unter den besten zehn an der Europameisterschaft 2018 im Inline-Speedskating und dem 9. Platz beim Eisschnelllauf-Massenstart-Weltcup 2019 in Baselga di Piné gehört Flavio Gross in beiden Sportarten bei den Junioren zur internationalen Spitze. Weil in der Schweiz für beide Sportarten die Infrastruktur fehlt, reist er jeweils fürs Training nach Deutschland.


Zeckenbiss mit verheerenden Folgen

Vor knapp drei Jahren waren diese sportlichen Erfolge noch weit weg. Flavio Gross kämpfte im Spital gegen die Folgen eines Zeckenbisses. Ärzte und Familie bangten wegen Hirn- und Hirnhautentzündungen um sein Leben. Doch der Münchensteiner kämpfte sich zurück und verlor trotz des Schicksalsschlags seine sportlichen Ziele nie aus den Augen. «Jetzt erst recht», dachte sich der 17-Jährige.

Mit den Olympischen Jugendspielen hat Flavio Gross ein Zwischenziel erreicht. «Der bis anhin grösste Anlass meiner Karriere, definitiv ein Höhepunkt», schwärmt er direkt aus St. Moritz, wo auf dem zugefrorenen See die Eisschnelllauf-Wettkämpfe stattfinden. «Mit der Eröffnungsfeier, den Athleten aus so vielen Ländern, den vielen Zuschauern und dem grossen Medieninteresse sind es schon so etwas wie kleine Olympische Spiele.» Und genau dort will Flavio Gross hin. Das olympische Motto «dabei sein ist alles» reicht dem Münchensteiner aber nicht. «Ich möchte Olympiagold», sagt er selbstbewusst und zielstrebig. Doch Flavio Gross hätte es nach all den Rückschlägen nicht nach St. Moritz geschafft, wenn er nicht diesen unbändigen Willen haben würde. Genauso soll es mit Olympiagold klappen. «Ich habe so viel durchgemacht und erreicht, dass dies alles nicht für nichts gewesen sein kann.»