Münchenstein
17.04.2019

Geschichten in 24 Bildern pro Sekunde

Jeder Film braucht ein gutes Drehbuch: Dafür wird in der Gruppe angeregt diskutiert, argumentiert und notiert.  Foto: ZVG

Jeder Film braucht ein gutes Drehbuch: Dafür wird in der Gruppe angeregt diskutiert, argumentiert und notiert. Foto: ZVG

Noch bis morgen läuft das 6. Movie Camp auf dem Walzwerk-Areal, wo 86 Kinder und Jugendliche während einer Woche ihren eigenen Kurzfilm produzieren.

Axel Mannigel

Bei der Einfahrt ins Walzwerk-Areal ist noch alles ruhig, aber plötzlich sind überall Kinder und Jugendliche unterwegs, die meisten von ihnen mit Stift und Zettel. Denn am Dienstag stand das Drehbuch auf dem Stundenplan der «Camper», wie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Movie Camps genannt werden. Das Drehbuch ist essenzielle Grundlage für die kommenden Tage mit Filmen, Schnitt und Postproduktion. Darum muss es am Dienstagnachmittag auch bis 17 Uhr fertig sein, damit Camp Direktor Giacun Caduff es noch lesen kann – und zwar elf Stück von elf Gruppen. «Kein Problem», lächelt Caduff, das ist sein Job. Dafür ist er hier, deshalb macht er das Camp, dieses Jahr schon zum sechsten Mal in Folge, ausgebucht mit Warteliste. Gut gelaunt steht er zwischen den wuselnden Teenagern zwischen acht und 19 Jahren, hat hier ein Ohr, dort einen Rat, muntert auf, mahnt zur Konzentration. Zusammen mit der Schauspielerin und Psychologin Jessica Matzig leitet er das Camp. Unterstützt werden die beiden von einem 40-köpfigen Team, welches die Nachwuchstalente durch ein straffes Programm führt.


Professionelle Bedingungen

«Die Entstehung des Camps war eigentlich ganz unspektakulär», erzählt Caduff, Oscar-nominierter Produzent und Filmer. 2013 hatte das Präsidialdepartement Kultur Basel-Stadt eine neue Fördermöglichkeit für Projekte geschaffen, bei denen Bildung und Kultur zusammengebracht werden.«Das war eigentlich der Trigger. Und von der New York Film Academy habe ich die Idee mitgebracht, in einer Woche einen Film zu produzieren», sagt Caduff. Zusammen mit dem Filmemacher Michael Kempf machte er eine entsprechende Eingabe und 2014 startete das erste Movie Camp sofort als Erfolg. «Dass es gleich so gut lief und das bis heute, das verdanken wir dem Zusammenspiel diverser Umstände.» Etwa der Mitarbeit von Fachpersonen aus dem Filmgeschäft, die wissen, was Sache ist. Oder der grosszügigen Förderung durch die Kantone Basel-Stadt und Basel-Land, und im Wesentlichen auch der Unterstützung durch die Firmen HP, Canon und Visuals, die das komplette Equipment im Wert mehrerer tausend Franken leihweise zur Verfügung stellen. Besonders Letzteres ist ein wichtiger Punkt, denn Caduff ist es sehr wichtig, dass die Jugendlichen professionell arbeiten können. Sie sollen einen möglichst reellen Einblick in die Filmwelt bekommen.


Begeisterte Camper

Während des Gesprächs geht immer wieder die Tür auf. Zwei Camper wollen einen Raum für ihre Dreharbeiten reservieren. «Habt Ihr denn schon Euren Drehplan gemacht?», fragt sie Caduff und schickt sie wieder los. Kaum ist die Tür zu, sind die nächsten da und wollen bestimmte Fässer an ihrer Film-Location haben. Es ist wie in einem Ameisenhaufen. «Stimmt», lacht Caduff, «aber so muss es sein.» Vor der Tür sitzt die zehnjährige Chantal und tüftelt zusammen mit einem anderen Camper am Drehplan. «Meine Schwester war letztes Jahr da und fand es toll. Auch ich finde es megacool, einen Film zu machen.» Ihr Film handelt von Mobbing, Liebe und Freundschaft.
Weiter vorne kommt gerade Yanis (14) durch die Tür. Er besucht das Pro-Camp (innerhalb des Movie Camps), bei dem diverse Komponenten wie Drehbuch und Darsteller schon vorhanden sind. Er macht sehr gerne Filme und findet es super, dass beim Pro-Camp schon so viel da ist. «Wenn ich das alles privat während der Schule organisieren müsste, wäre das zu viel.» Nächstes Jahr will er unbedingt wieder dabei sein. Aber erst mal zeigen alle Camper am Samstag um 10.30 Uhr ihre Kurzfilme im Kino Pathé Küchlin, Anmeldung über die Webseite www.movie-camps.ch vorausgesetzt. Na dann: Film ab!

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