Arlesheim
17.04.2019

Neue Herausforderungen nach dem Systemwechsel

Flexibleres Angebot, höhere Auslastung: Mit ausgedehnten Öffnungszeiten wollen Stiftungsratspräsidentin Brigitte Treyer und Heimleiter Severin Fässler das Angebot attraktiver machen und damit mehr Eltern anlocken.  Foto: Tobias Gfeller

Flexibleres Angebot, höhere Auslastung: Mit ausgedehnten Öffnungszeiten wollen Stiftungsratspräsidentin Brigitte Treyer und Heimleiter Severin Fässler das Angebot attraktiver machen und damit mehr Eltern anlocken. Foto: Tobias Gfeller

Dem Tagesheim Sunnegarte steht nach dem Systemwechsel in der Subventionspraxis weniger Geld zur Verfügung. Neu muss es auf dem freien Markt bestehen.

Tobias Gfeller

Im dritten Anlauf hatte es der Gemeinderat geschafft: Er brachte das neue Reglement zur familienergänzenden Kinderbetreuung an der Gemeindeversammlung vom 21. Juni 2018 durch, nachdem es zuvor zweimal zurückgewiesen wurde. Seit dem 1. Januar werden in Arlesheim bedürftige Eltern direkt finanziell unterstützt, wenn sie ihr Kind fremdbetreuen lassen. Zuvor wurde das gemeindeeigene Tagesheim Sunnegarte direkt subventioniert. Wer finanzielle Unterstützung von der Gemeinde wünschte, musste sein Kind im Sunnegarte betreuen lassen. Zwar erhält das Tagesheim bis Anfang 2021 eine stetig sinkende Übergangsunterstützung, doch schon jetzt zeigt sich, dass der Systemwechsel die Verantwortlichen des Tagesheims vor grosse Herausforderungen stellt. «Uns steht gesamthaft weniger Geld zur Verfügung», sagt Stiftungsratspräsidentin Brigitte Treyer.


Auslastung erhöhen

Während in den Bereichen Tagesheim und Tagesfamilie der Systemwechsel auf Anfang Jahr bereits vollzogen wurde, folgt dieser bei der schulergänzenden Tagesbetreuung im August auf Beginn des neuen Schuljahres. Der Sunnegarte ist damit ab 2021 ein Tagesheim unter vielen, das sich auf dem freien Markt behaupten muss. Das primäre Ziel der Verantwortlichen ist klar: Die Betreuungsqualität soll erhalten bleiben. Die ersten Sparmassnahmen wurden im Hinblick auf den Systemwechsel aber bereits im Vorfeld der Umsetzung angerissen. Über hundert Stellenprozente, die aufgrund natürlicher Fluktuation personell weggefallen sind, wurden nicht mehr ersetzt, verrät Tagesheim-Leiter Severin Fässler. Auch in anderen Bereichen schaue man jetzt vermehrt aufs Geld.

Um mit den geringeren Finanzmitteln auszukommen, muss der Sunnegarte die Auslastung, die aktuell zu wenig hoch ist – obwohl 48 Kinder das Tagesheim besuchen – auf gegen hundert Prozent steigern. Dies sei das primäre Ziel und damit müssten keine weiteren Einsparungen gemacht werden, erklärt Brigitte Treyer. Wenn dies aber nicht gelingt, müsse man sich zu anderen Massnahmen durchringen, die möglicherweise Tariferhöhungen vorsehen. Der hohe Betreuungsschlüssel soll aber auf jeden Fall beibehalten werden. Um auf dem Markt bestehen zu können, soll das Tagesheim Sunnegarte noch attraktiver werden. Dafür wurden bereits die Öffnungszeiten morgens und abends ausgedehnt. Generell wolle man noch flexibler auf die Bedürfnisse der Eltern eingehen.


Wahlfreiheit für die Eltern

Für mehrere Eltern hatte der Systemwechsel im Tagesheim Sunnegarte direkte finanzielle Folgen. Ihre Tarife sind angestiegen. Dadurch kam es schon zu Kündigungen oder Pensenreduktionen, was eine negative Auswirkung auf die Auslastung des Tagesheims hatte. Stiftungsratspräsidentin Brigitte Treyer kann die Intuition des Gemeinderats für den Systemwechsel nachvollziehen, weil die Eltern dadurch eine grössere Wahlfreiheit erhalten. Für die zuständige Gemeinderätin Ursula Laager (Frischluft) ist das neue Reglement auch fairer, weil dadurch gezielter jene Eltern, die es finanziell nötig haben, unterstützt werden können, egal wo sie ihr Kind betreuen lassen. Rückblickend sei die Objektfinanzierung für den Aufbau der familienergänzenden Kinderbetreuung aber richtig gewesen, stellt Laager klar. Sie könne verstehen, dass der Systemwechsel für den Sunnegarte eine grosse Herausforderung darstellt. «Wir haben die Ängste der Verantwortlichen aber sehr ernst genommen und sind ihnen auch sehr entgegengekommen.» Es sei der Gemeinde ein Anliegen, das Tagesheim am Stollenrain zu erhalten.

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