Dornach
10.04.2019

Eine reiche Ernte wird eingefahren

Aussteigerin auf Zeit: Brita Polzer beim konzentrierten Arbeiten am Schreibtisch ihrer Klosterzelle.  Foto: Thomas Brunnschweiler

Aussteigerin auf Zeit: Brita Polzer beim konzentrierten Arbeiten am Schreibtisch ihrer Klosterzelle. Foto: Thomas Brunnschweiler

Am letzten Samstag wurde im Kloster Dornach das Ergebnis des Residence- Projekts «Aussteigen-auf-Zeit» in Form einer Ausstellung und des Buchs «Aussteigen» vorgestellt. Der Andrang bei der Vernissage war beachtlich.

Thomas Brunnschweiler

Dank der tatkräftigen Unterstützung des Leitungsgremiums der Stiftung Kloster Dornach konnte Programmleiterin Barbara van der Meulen im Rahmen des Themas «Aussteigen» ihr Residence-Projekt realisieren. Kunst- und Kulturschaffende sowie auch andere rückzugsbedürftige Personen konnten sich für einen Aufenthalt im Kloster anmelden. Logis, Frühstück und eine warme Mahlzeit wurden unentgeltlich zur Verfügung gestellt, dafür erwartete man ein Geschenk an das Kloster, sei es ein Kunstwerk, einen Text, ein Konzert oder eine literarische Veranstaltung. Am Anfang der Ausstellung hängt eine eindrückliche Porträtserie über alle Aussteigerinnen und Aussteiger von Simon Mader. Insgesamt 18 Frauen und Männer aus der Schweiz, Deutschland und Frankreich nahmen das Angebot des Klosters in Anspruch.


Ansprechendes Buch

Neben der Ausstellung entstand auch ein höchst ansprechendes Begleitbuch in enger Zusammenarbeit zwischen Barbara van der Meulen und Marion Fink, die sich schon für das Buch «Geist und Luxus» verantwortlich zeichnete. Es gibt 500 handgebundene Exemplare dieses Buchs, das sich auch im Design dem Thema «Aussteigen» anpasst und im edel gestalteten Cover optisch zurücknimmt. Der Preis ist mit 25 Franken moderat. Geboten werden neben der Dokumentation der Ausstellung von Jan Hostettler und René Küng im Jahr 2017/18 schriftliche und fotografische Belege der Aufenthalte der Aussteigerinnen und Aussteiger.

Stiftungsratspräsident Lorenz Altenbach legte in seinem Grusswort «Kultur braucht Raum» dem Publikum die Lektüre des Buchs ans Herz. Die Bilder verschiedener Fotografen sind von hoher Qualität. Die Ausstellung, die bei der Vernissage stark frequentiert wurde, erstreckt sich auf den Kreuzgang und die beiden oberen Geschosse. Im Klostergarten sind vier unterschiedliche Werke von Fritz Balthaus zu sehen. Vom mit 82 Jahren ältesten Teilnehmer, Günter
Frecksmeier aus Bielefeld, wird der Garten in expressiv-naiver Malweise gezeigt. Karl Hartmann aus Seewen hat einen ästhetisch ansprechenden, aber hintersinnigen kleinen Flügelaltar geschaffen. Franziska Ewald aus Liebefeld (BE) malte das Klosterpersonal von hinten; eine sehr schöne Arbeit. Von der Poetin und Bühnenkünstlerin Maria Marggraf stammen filigrane «Stillblüten», die sich entfalten lassen. Regina Falkenberg aus Paris, die nicht an der Vernissage teilnehmen konnte, ist mit der Installation «Der Kern» bei der Leseecke im zweiten Stock vertreten. Sowohl die Ausstellung wie auch das Buch «Aussteigen» können einer breiten Öffentlichkeit empfohlen werden.


Bedeutender Gast in Residence

Aktuell ist im Kloster eine interessante Aussteigerin zu Gast. Brita Polzer aus Zürich ist unter anderem Dozentin an der F+F Schule für Kunst und Design. «Als Redaktorin des Kunstbulletins kenne ich die Ausschreibung für die Kloster-Residenz seit langem», sagt sie, «da dachte ich, das probiere ich selbst einmal aus.» Das Motiv für das zeitweilige Aussteigen war der Wunsch nach einem Tapetenwechsel. «In einer fremden Umgebung zu leben und zu arbeiten, ist immer sehr anregend. Mir war jedoch nicht klar, dass es hier keinerlei Klosterbetrieb mehr gibt. Es hätte mir Freude gemacht, eine derartige Gemeinschaft kennen zu lernen.» Das Kloster als Schaffensort gefällt ihr sehr gut. Neben ihrer Arbeit am Schreibtisch hat Polzer auch das Goetheanum und die Umgebung besucht, war in Basel und hat dort Ausstellungen angeschaut. Dem Kloster möchte sie zum Schluss ihre Publikation «Kunst und Dorf» hinterlassen.

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