Münchenstein
10.04.2019

Konfusion im Luxus-Chalet

Schwierige Beziehungen: Der gescheiterte Grafiker Stefan Hirt (Christoph Frommherz) versucht, seine Ehe zu retten, doch die erfolgreiche Esoterik-Beraterin Beatrice (Beatrix Castellote-Iselin) funkt dazwischen.  Foto: Thomas Brunnschweiler

Schwierige Beziehungen: Der gescheiterte Grafiker Stefan Hirt (Christoph Frommherz) versucht, seine Ehe zu retten, doch die erfolgreiche Esoterik-Beraterin Beatrice (Beatrix Castellote-Iselin) funkt dazwischen. Foto: Thomas Brunnschweiler

Am Freitagabend fand die Premiere des Bühnenstücks «Chalet Vollmond (all inclusive)» statt. Die Tragikomödie mit Dürrenmatt’schen Zügen erntete langen Applaus.

Thomas Brunnschweiler

Mehrere Gäste haben sich im Luxus-Chalet Vollmond eingefunden, um ein verlängertes Abenteuerweekend in einem Skigebiet zu verbringen. Ein Geschäftsabschluss der Galeristin Claudia wird begossen, wobei klar wird, dass es zwischen ihr und ihrem Mann Stefan nicht harmonisch zugeht. Dann kreuzt Beatrice, eine erfolgreiche Esoterik-Beraterin, auf, und kurz darauf stolpert Walter, der zuvor kaltgestellte Freund von Beatrice, unerwünschterweise herein. Toni, der kreuzfidele Hüttenwart und Snowmobile-Fahrer, bezirzt die Frauen mit seinem alpinen Charme. Sein «’s isch nur es Schpässli gsi» zieht sich als Running Gag durchs Stück. Drei mysteriöse Frauen runden das Bühnenpersonal ab. Das liebevoll gezimmerte Bühnenbild von Christian Metzger besitzt sechs Zugänge. Man erwartet einen Schwank. Dieser Eindruck verfliegt aber spätestens, als klar wird, dass wegen der Schneefälle eine Katastrophe droht.
Das Bühnenstück von Frommherz entpuppt sich als Tragikomödie Dürrenmatt’schen Zuschnitts mit grotesken Zügen und Verfremdungseffekten. Der Mensch wird – wie bei Dürrenmatt – als egoistisches Wesen entlarvt, das Geschwafel von Solidarität entpuppt sich als Floskel. Die Menschlichkeit wird dem Profit geopfert und die Opfer sind – wie so oft – Frauen. Das Ende des Stücks soll aber nicht verraten werden.


Gute Ensembleleistung

Die Galeristin Claudia wird von Karin Oberli forsch und mit glaubhaft gespielter Eifersucht verkörpert. Christoph Frommherz mimt den erfolglosen Gatten, der neben Claudias resolutem Auftreten leicht blass wirken muss. Beatrix Castellote-Iselin spielt die Esoterik-Tante Beatrice mit einem umwerfenden Berner Dialekt und zeigt hohe Bühnenpräsenz. Markus Meyer gibt Walter Moser, den genervten Möchtegern-Freund von Beatrice. Matthias Braun ist die perfekte Besetzung für den Alpenrambo Toni und Domenica Jenny spielt die schweigsame Putzfrau Elena.
Sehr glaubhaft wirkt Sibylle Schneider in ihrer Rolle als entlaufene Psychiatriepatientin Margrit. Schliesslich mimt Claudina Reiss die Psychiatriekrankenschwester Salomé, die sich immer wieder direkt ans Publikum wendet und damit den epischen Aspekt der Brecht’schen Theaterkonzeption verkörpert. Beim Tempo hätte man noch etwas zulegen können; aber da spielte der Truppe das Premierenlampenfieber wohl einen Streich.


Lange Vorgeschichte, langer Applaus

Die gezeigte Mundartfassung von Regisseur Aernschd Born basiert auf dem Bühnenstück «All inclusive» von Christoph Frommherz, das eine Vorgeschichte hat, die ins Jahr 1986 zurückgeht. Nach dem Münchensteiner Fest, bei dem ein Stück aufgeführt wurde, sollte Frommherz ein zweites schreiben. Das Projekt versandete, aber der Autor konnte auf die Fragmente seiner damaligen Entwürfe zurückgreifen. Dank der Unterstützung der Gemeinde Münchenstein, der Kulturkommission, SWISSLOS Basel-Landschaft und weiterer Sponsoren ist die Arbeit der Werk.Bühne.Münchenstein gesichert. Die Premiere endete übrigens mit langem Applaus.

«Chalet Vollmond (all inclusive)»: Rudolf Steiner Schule Münchenstein, Gutenbergstrasse 1, 12. und 13. April, 20 Uhr; 14. April, 17 Uhr. Tickets: www.werkbühnemünchenstein.ch; Apotheke Zollweiden und BuchCafé

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