Arlesheim
23.11.2022

Gemeinderat entschärft Ortskernrevision

Informationsveranstaltung: Der Gemeinderat stellte letzte Woche die Pläne vor. Fotos: Tobias Gfeller
Austausch: Gemeinderat Felix Berchten (l.) und Gemeinderätin Monika Strobel (r.) in der Diskussion mit Hauseigentümerinnen und -eigentümern.

Informationsveranstaltung: Der Gemeinderat stellte letzte Woche die Pläne vor. Fotos: Tobias Gfeller

Informationsveranstaltung: Der Gemeinderat stellte letzte Woche die Pläne vor. Fotos: Tobias Gfeller
Austausch: Gemeinderat Felix Berchten (l.) und Gemeinderätin Monika Strobel (r.) in der Diskussion mit Hauseigentümerinnen und -eigentümern.

Austausch: Gemeinderat Felix Berchten (l.) und Gemeinderätin Monika Strobel (r.) in der Diskussion mit Hauseigentümerinnen und -eigentümern.

Weniger geschützte ­Bäume und mehr ­Möglichkeiten bei den Liegenschaften – der Gemeinderat ist auf Eingaben aus der Mitwirkung eingegangen. Doch noch nicht alle sind zufrieden.

Von: Tobias Gfeller

«Es ist ein politischer Entscheid. Es ist ein Abwägen des öffentlichen Interesses am Ortsbild und der privaten Interessen.» Gemeindepräsident Markus Eigenmann (FDP) antwortete gegen Ende der Informationsveranstaltung zur über­arbeiteten Version der Ortskern­revision vergangene Woche auf eine Wortmeldung aus dem Publikum, in der eine Liegenschaftsbesitzerin davor warnte, dass aufgrund von Unterschutzstellungen Sanierungen teurer und ­deshalb nicht realisiert werden. «Sie werden toten und leeren Wohnraum haben», warnte die Frau eingängig.

Der Gemeinderat ist auf Teile der ­insgesamt 42 Eingaben im Rahmen der öffentlichen Mitwirkung eingegangen. Auch hat er Einzelgespräche mit Eigentümerinnen und Eigentümern geführt. Dazu kam die Rückmeldung auf der kantonalen Vorprüfung, die einen separaten Strassenlinienplan verlangt.

Die für Hochbau und damit für die Schutzkategorien zuständige Gemeinderätin Monika Strobel (parteilos) betonte zunächst – auch als Betroffene –, dass die Schönheit von Arlesheim ausmache, dass im Ortskern derart viel ursprüngliche Bausubstanz erhalten geblieben sei.

Strobel versuchte Verständnis dafür zu schaffen, weshalb die Revision für Arlesheim «so wichtig und nötig ist», und erinnerte daran, dass Arlesheim im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder von nationaler Bedeutung der Schweiz (ISOS) gelistet ist.

Finanzielle Hilfe bei der Baumpflege

Auf die Kritik eingegangen ist der Gemeinderat, indem er mehrere Liegenschaften im Schutzstatus zurückgestuft hat. Auch die stark kritisierte Unterschutzstellung von Bäumen wurde entschärft. So sollen nur Bäume auf gemeindeeigenen Parzellen und auf privaten Parzellen, auf denen Liegenschaften unter kantonalem Schutz stehen, kommunal unter Schutz gestellt werden. ­Gemeinderat Felix Berchten (Frischluft) kündigte an, dass privat Betroffene für die Baumpflege von der Gemeinde finanziell unterstützt werden.

Im neuen Entwurf ist es möglich, trotz kommunaler Unterschutzstellung gemäss Definition «erhaltenswerte Bauten» in rückwärtigen Bereichen gemäss klaren Vorgaben neu zu bauen. Wie komplex die Ortskernrevision ist, zeigt sich exemplarisch an Liegenschaften, bei denen Bauteile in zwei und in einem Fall sogar in drei unterschiedliche Schutzkategorien liegen sollen.

Monika Strobel und Felix Berchten ­erinnerten in ihren Präsentationen immer wieder daran, dass die Schutzkategorien vom Kanton vorgegeben sind. Auch sei die Botschaft aus den beiden Ortskernkonferenzen, mit denen die ­Revision lanciert wurde, klar gewesen, wonach die Bevölkerung einen grösstenteils zweistöckigen Ortskern wünscht.

Fehlende Wertschätzung für Eigentümer

Für viele Eigentümerinnen und Eigentümer bedeute dies finanzielle Einbussen, mahnte Johannes Mangold, Co-Präsident der IG Fruschd. Er vermisse dafür die nötige Wertschätzung. Mit einer besseren Kommunikation von Seiten der Gemeinde hätten viele Streitigkeiten verhindert werden können. Der überarbeitete Zonenplan sei zwar in gewissen Punkten verbessert, aber noch immer nicht gut, stellte Mangold klar. Das war auch an den Reaktionen im Publikum zu spüren.

Im Foyer der Gerenmattschulen wurde anschliessend an die Referate und die Diskussion in der Aula anhand von Plänen über die Revision im Detail diskutiert. Wie sich die Bevölkerung am Ende zwischen öffentlichem und privatem Interesse entscheidet, zeigt sich am 26. April 2023, wenn an der Gemeindeversammlung endlich über die Ortskernplanung von Arlesheim abgestimmt wird.

Detaillierte Informationen inklusive der Reglemente zur neusten Version der Ortskernplanung und die Präsentation des ­Gemeinderats finden sich auf der Website der Gemeinde.

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