Aesch: Theater
18.04.2018

Samichlaus im August

Nur scheinbar todkrank: Elisabeth Achermann (Edith Hänggi), Alex Häring als Dr. Leuenberger und Michi Wemans als Angestellter Felix (v. l.).  Foto: Thomas Brunnschweiler

Nur scheinbar todkrank: Elisabeth Achermann (Edith Hänggi), Alex Häring als Dr. Leuenberger und Michi Wemans als Angestellter Felix (v. l.). Foto: Thomas Brunnschweiler

Die Theatergruppe Aesch zeigt derzeit die Komödie «Oh du fröhliche…» von Peter Landstorfer. Die Heiterkeit im Publikum bei der Premiere zeigte, dass Stückwahl, Regie und Ensemble perfekt harmonieren.

Von: Thomas Brunnschweiler

Bis auf den letzten Platz war das katholische Pfarreiheim am letzten Freitag besetzt. Die vier Akte, die in vier Jahreszeiten spielen, zeigen den Leidensweg der Familie Achermann, die unter der Knute der verwitweten Mutter von Winzer Karl Achermann steht. Diese, Elisabeth Achermann, lässt sich seit vier Jahren von der Familie verwöhnen, weil das Testament ihres Mannes eine beunruhigende Auflage enthält. Das Erbe soll erst an den Sohn fallen, wenn man seiner Mutter fünf Jahre lang jeden Wunsch erfüllt hat. Ebenfalls gilt, dass das Erbe an eine wohltätige Institution fällt, sollte Elisabeth vor Ablauf der fünf Jahre das Zeitliche segnen. Da die durchaus noch rüstige, aber scheinbar depressive Elisabeth in der Adventszeit ankündigt, die kommende Weihnacht werde ihre letzte sein, tut die Familie alles, um Weihnachten hinauszuzögern, was zu unglaublich komischen Situationen führt. Welche Rolle der Hausarzt, Dr. Urs Leuenberger, dabei spielt, soll nicht verraten werden.

Ausgeglichene Ensembleleistung

Zum ersten Mal führte die langjährige Präsidentin Evelyne Spring Regie. Bereits im letzten Herbst begannen die Proben mit den acht Schauspielerinnen und Schauspielern. Vereinspräsident Alex Gutzwiller spielt im Stück den hemdsärmligen Karl Achermann, der mit der Situation oft überfordert ist und mit seiner aufmüpfigen und flirtfreudigen Tochter Melanie – überzeugend gespielt von Sabine Lüthi – so manche Meinungsverschiedenheiten austragen muss. Karin Güntner spielt resolut die berechnende Ehefrau Anna Achermann, die sich im richtigen Augenblick zu rächen weiss. Edith Hänggi mimt glaubhaft die scheinbar kranke Elisabeth, die es aber faustdick hinter den Ohren hat.

Steffi Krieg zeigt als Nachbar Erwin Müller eine beachtliche Bühnenpräsenz. Er verwandelt sich in seiner Rolle vom penetranten Spassvogel zu einem beinahe an Verfolgungswahn leidenden armen Tropf. Michi Wemans beweist in der Rolle des leicht unterbelichteten, verliebten Angestellten Felix Keller grosses Talent für Situationskomik. Heidi Schulthess ist für die Marktfrau Ruth Bösiger die ideale Besetzung und Alex Häring kann als Dr. Leuenberger brillieren. Insgesamt sind die acht Rollen perfekt besetzt.

Anlehnung an Böll

Speziell an diesem recht anspruchsvollen Stück ist die Simultanbühne mit zwei Zimmern, die einen teilweise schnellen Beleuchtungswechsel erfordert. Die 2013 entstandene Komödie des Rechtsanwalts und Theaterautors Peter Landstorfer heisst im Original «Da Austrags-Schwindel». «Austrag» meint im Bairischen eine lebenslange Nutzniessung. Das Weihnachtsmotiv stammt unverkennbar aus Heinrich Bölls Erzählung «Nicht nur zur Weihnachtszeit» von 1952. Allen Freunden des Volkstheaters sei die Aufführung empfohlen.

Theatergruppe Aesch: «Oh du fröhliche…». Kath. Pfarreiheim, Aesch, 20./21.4., 19.30 Uhr; 22.4., 14.30 Uhr; 27./28.4., 19.30 Uhr.