Aesch
21.04.2021

Steine schleppen, Holz auftürmen und Gestrüpp ausreissen

Luden am Samstag zur Begehung in den Reben: Naturschutzbiologe Lukas Merkelbach (l.) und Dieter von Blarer, Präsident der Weinbaugenossenschaft Aesch.Geschützt durch Palisaden: In der «Wiege» sollen sich Hirschkäfer wohlfühlen und bestenfalls vermehren.
Wieselburg: Unter den Steinen wird von den Helfenden eine mit Laub ausgelegte Höhle errichtet. Fotos: Fabia Maieroni

Luden am Samstag zur Begehung in den Reben: Naturschutzbiologe Lukas Merkelbach (l.) und Dieter von Blarer, Präsident der Weinbaugenossenschaft Aesch.Geschützt durch Palisaden: In der «Wiege» sollen sich Hirschkäfer wohlfühlen und bestenfalls vermehren.

Luden am Samstag zur Begehung in den Reben: Naturschutzbiologe Lukas Merkelbach (l.) und Dieter von Blarer, Präsident der Weinbaugenossenschaft Aesch.Geschützt durch Palisaden: In der «Wiege» sollen sich Hirschkäfer wohlfühlen und bestenfalls vermehren.
Wieselburg: Unter den Steinen wird von den Helfenden eine mit Laub ausgelegte Höhle errichtet. Fotos: Fabia Maieroni

Wieselburg: Unter den Steinen wird von den Helfenden eine mit Laub ausgelegte Höhle errichtet. Fotos: Fabia Maieroni

Luden am Samstag zur Begehung in den Reben: Naturschutzbiologe Lukas Merkelbach (l.) und Dieter von Blarer, Präsident der Weinbaugenossenschaft Aesch.Geschützt durch Palisaden: In der «Wiege» sollen sich Hirschkäfer wohlfühlen und bestenfalls vermehren.
Wieselburg: Unter den Steinen wird von den Helfenden eine mit Laub ausgelegte Höhle errichtet. Fotos: Fabia Maieroni

Mit einem Aufwertungsprojekt will die Weinbaugenossenschaft Aesch die Biodiversität in der Klus erhöhen. Die Winzer packen tatkräftig mit an.

Von: Fabia Maieroni

35 Mitglieder der Weinbaugenossenschaft Aesch häuften am Samstagmorgen in kleinen Gruppen Steine, schaufelten Erde oder befreiten Waldränder von zu dichtem Gestrüpp und Efeu. Die Arbeiten markierten den Start des Aufwertungsprojektes Rebbaugebiet Aesch, das die Weinbaugenossenschaft zu ihrem 100-Jahr-Jubi­läum im letzten Jahr lancierte. Dieter von Blarer, Präsident der Weinbaugenossenschaft Aesch, und Lukas Merkelbach, projektleitender Naturschutzbiologe, hatten zur Begehung eingeladen und erklärten die Ziele für die nächsten vier Jahre, die für das Projekt angedacht sind. Im gesamten Gebiet, das sich auf rund 100 Hektaren auf Aescher und Pfeffinger Boden erstreckt und das Tschäpperli, die Kluser Reben sowie den Gegenhang beinhaltet, sollen zahlreiche Massnahmen umgesetzt werden, um die Flora und Fauna vielfältiger zu machen.

Mit Trockensteinmauern, Kleinstrukturen aus Totholz, Sand und Steinen oder neuangelegten Wildblumenwiesen soll die Artenvielfalt ausgedehnt werden. Fliessendere Übergänge zwischen Wald und Rebgebiet sollen wertvolle Zwischenräume schaffen; denn viele Tier- und Pflanzenarten sind auf solche angewiesen, erklärt Merkelbach.

Der Hirschkäfer ist eine sogenannte «Zielart», die in der Klus gefördert werden soll. Für die Käfer wurde an einem sonnigen Waldrand eine «Wiege» – ein durch Palisaden geschützter Hügel aus Eichenschnitzeln – angelegt. Dort sollen sich die Larven, deren Entwicklung sieben bis zehn Jahre dauert, ansiedeln.

Es werde aber auch genau darauf geachtet, dass bereits bestehende seltene Arten geschützt und gefördert werden. «Mit dem Aescher Biologen Daniel Knecht haben wir einen Experten im Team, der besondere Arten auch rasch erkennt», erklärt Lukas Merkelbach. «Er hat zwischen den Reben zum Beispiel die sehr seltene Hügelerdbeere entdeckt.»

Winzer ziehen mit

Mithilfe gezielter Eingriffe will der Projektleiter für die Landschaft charakteristische Tier- und Pflanzenarten fördern oder wieder ansiedeln. Dazu müssen zum Teil auch die Waldränder gelichtet werden, Wildblumenwiesen angelegt, oder Obstbäume zwischen den Reben gepflanzt werden. Man sei mit dem Forstdienst im ständigen Austausch, ebenso mit den Besitzerinnen und Besitzern der Reben, welche die kleineren und grösseren Eingriffe mithilfe der Fachleute umsetzen. Die Teilnahme am Projekt ist freiwillig, die Beratung und Mithilfe bei der Umsetzung der Massnahmen durch die Spezialisten kostenlos, erklärt Merkelbach. «Dieses Projekt gelingt nur, wenn es von der Gemeinschaft getragen wird und an vielen Orten mit diversen Massnahmen ungesetzt werden kann», hält der Biologe fest und ergänzt: «Die Eingriffe zur Erhöhung der Biodiversität müssen sichtbar sein, nur reden bringt nichts.»

Die Motivation mit anzupacken sei indes zu spüren, freut sich von Blarer. Alle Winzer würden mitmachen, die Bereitschaft, auf Teile der Erträge zugunsten der Natur zu verzichten, sei da. Denn wer Trockensteinmauern, Totholzhaufen und Wildblumenwiesen realisieren will, braucht dennoch einen kleinen Flecken Land, auf dem schliesslich keine Reben mehr wachsen können.

Winzerin Marianna Richli hat gar eine ganze Reihe ihrer Reben ausgerissen, um an deren Stelle eine Wieselburg zu errichten. «Unter und neben einem Steinhaufen wird im Lössand eine Höhle errichtet, die wir dann mit Laub auslegen», erklärt sie. Eine Are hat die Winzerin für den Wiesel zur Verfügung gestellt. Dieser soll dann – falls er sich ansiedelt – in den Reben auf Mäusejagd gehen. Durch die Massnahme gehen Richli etwa 100 Rebstöcke verloren, aus denen wiederum etwa 100 Flaschen Wein hergestellt werden könnten, rechnet von Blarer vor. Aufgefangen werden diese Einnahmeverluste durch vertraglich vereinbarte Entschädigungszahlungen. «Das gibt den Winzerinnen und Winzern finanzielle Sicherheit», so von Blarer.

Kosten von 740000 Franken

Getragen wird dieses von der Weinbaugenossenschaft Aesch, der Einwohner- und Bürgergemeinde Aesch, der Einwohnergemeinde Pfeffingen, dem Natur- und Vogelschutzverein Aesch-Pfeffingen sowie von Birdlife Schweiz. Finanziert wird das rund 740000 Franken teure Vorhaben über Zuwendungen der Projektträger sowie des Lotteriefonds und von Stiftungen.