Aesch
14.10.2020

Eine gute Mischung aus Sonnenschein und Niederschlägen

Ein Paradies für Reben: Die Aescher Klus.  Foto: Tobias Gfeller

Ein Paradies für Reben: Die Aescher Klus. Foto: Tobias Gfeller

Der bereits abgelesene Weinjahrgang 2020 verspricht ein guter zu werden, frohlocken die Aescher Winzerinnen und Winzer. Auch der lokale Weinexperte freut sich.

Von: Tobias Gfeller

Barbara Koellreuter vom Klushof frohlockt: «Wir sind sehr zufrieden. Es gibt einen sehr schönen Jahrgang.» Sie ist nach intensiven Tagen und Wochen in den Reben erleichtert, dass trotz Zeit- und Wetterdruck alles optimal gelaufen ist. Dass bei ihr sämtliche Traubensorten fast gleichzeitig reif waren, machte die Ernte 2020 zusätzlich anspruchsvoll. Sie könne immer erst im Verlaufe des Herbstbeginns abschätzen, wie es zeitlich sein werde, erklärt Koellreuter. «Dann schauen wir, wie viele Helferinnen und Helfer wir brauchen.»Weil die Sorten dieses Jahr fast gleichzeitig reif waren, wurden zusätzlich zum Stamm die Springerinnen und Springer aufgeboten.

Es sei wichtig, die Trauben trocken zu lesen. Denn Feuchtigkeit habe einen negativen Einfluss auf den Zuckergehalt der Trauben. «Wir wollen kein Wasser im Wein, nur guten Traubensaft.» Der Aufwand hat sich gelohnt, freut sich Koellreuter. «Der Öchslegrad und der Ausreifungsgrad stimmen uns zuversichtlich.»

Auch Monika Fanti kann viel Positives vom Weinjahrgang 2020 berichten. Die Menge sei zwar unterdurchschnittlich, die Qualität dafür top. Speziell war in diesem Jahr die kurze Zeitdauer der Ernte. «Zum letzten Mal ging die Ernte bei uns 1997 so schnell.»


Bioweine ohne Plan B
Im Gegensatz zu den vergangenen beiden Jahren war das 2020 weniger trocken. Die Witterung spielte so den Winzerinnen und Winzern in die Hände, verrät Barbara Koellreuter. «Es gab längere Phasen mit Sonnenschein, aber auch immer wieder Niederschläge. Das war eigentlich ideal.» Die Witterungsverhältnisse begünstigten aber teilweise die Vermehrung der Kirschessigfliege. Nach der Ernte musste Koellreuter wie auch Monika Fanti vereinzelt angegriffene Trauben einzeln von Hand herausschneiden.
Bei Antoine Kaufmann, Winzer der Klus 177 AG, trat die Kirschessigfliege weniger in Erscheinung. Dazu kamen nur wenig Fäulnis und Sonnenbrand. Auch hatte er mehr Glück mit dem Zeitpunkt der Reife seiner zwölf Traubensorten. «Es reihte sich wirklich eine Sorte an die andere. Das war für die Ernte sehr angenehm.» Die Ernte begann mit der Sorte Crémant bereits am 31. August. Die intensivste Phase erlebte das Team der Klus 177 AG zwischen dem 10. und 18. September. Betreffend Qualität und Menge ist Antoine Kaufmann sehr zufrieden. Die Qualität der Ernte ist bei den biologisch angebauten Reben und gemäss Vorgabe der biodynamischen Demetermethode produzierten Weinen noch ein stückweit wichtiger als beim traditionellen Weinbau. Zwar sei der Zeitpunkt der Ernte für alle Winzerinnen und Winzer essenziell, betont Kaufmann, doch er habe fast keinen Spielraum für anschliessende Kosmetik. «Man hat die Basis, die man hat. Einen Plan B haben wir nicht.»


«Es kommt auf die Balance an»
Für Antoine Kaufmann ist nicht alleine der Zuckergehalt für die Qualität der Weine massgebend. Dies findet auch der Arlesheimer Weinjournalist Joël Gernet. «Es kommt auf die Balance der verschiedenen Faktoren an. Die gesamte Finesse des Weins entscheidet.» Gernet meint damit unter anderem den Zucker- und Säuregehalt oder wie fruchtig oder mineralisch ein Wein schmeckt.
Wie die Aescher Winzerinnen und Winzer ist auch Gernet vom Jahrgang 2020 überzeugt. «Die Natur gab eigentlich alle Voraussetzungen mit, dass dieses Weinjahr ein gutes wird.» Für den Weinexperten ist es generell schön zu beobachten, wie die Nordwestschweizer Weine immer besser werden und die lokalen Winzerinnen und Winzer immer mehr Mut aufbringen, auch Neues auszuprobieren, ohne die bestehenden Erfolgsfaktoren zu vernachlässigen.