Aesch
22.07.2020

«Die Summe vieler Einzelmassnahmen macht es aus»

Ökologisch verbessern: Auch in Rebbergen, wie hier in der Aescher Klus, kann Artenförderung betrieben werden.  Foto: Bea Asper

Ökologisch verbessern: Auch in Rebbergen, wie hier in der Aescher Klus, kann Artenförderung betrieben werden. Foto: Bea Asper

Die Weinbaugenossenschaft Aesch feiert ihr 100-Jahr-Jubiläum mit einem Geschenk an die Region. Geplant ist ein Aufwertungsprojekt, bei dem die 100 Hektaren grosse Landfläche bunter und vielseitiger werden soll.

Von: Bea Asper

Noch steht das Projekt ganz am Anfang, betont Biologe Lukas Merkelbach vom Verband Birdlife Schweiz. Er zählt in der Arbeitsgruppe «Aufwertungsprojekt Rebbaugebiet von Aesch-Pfeffingen» zu den Fachpersonen, welche die Massnahmen zur Förderung der Artenvielfalt umsetzen. Biodiversität sollte nicht dem Zufall oder dem Einzelnen überlassen werden, sagt Merkelbach.

In Aesch hat die Weinbaugenossenschaft in Zusammenarbeit mit dem Verband Birdlife Schweiz die Initiative ergriffen. Die Genossenschaft feiert in diesem Jahr ihr 100-Jahr-Jubiläum und hat sich ein wundervolles Geschenk ausgedacht für die ganze Region. Sie plant auf dem Gebiet von 100 Hektaren Landfläche ein Aufwertungsprojekt. «Von einer intakten Natur profitieren alle», so Merkelbach. «Je mehr verschiedene Lebensräume nebeneinanderliegen, desto höher wird die Biodiversität. Darum versuchen wir die vorhandenen Biotope wie Eichen-Hagebuchen-Wald, freigelegene Felsen, gestufte Waldränder, Halbtrockenrasen, Obstgärten und Rebberge in ihrer ökologischen Qualität zu verbessern und sie noch enger miteinander zu verzahnen.» Für die Finanzierung laufen Abklärungen mit Stiftungen und der öffentlichen Hand, erklärt Christine Koch. Die SP-Gemeinderätin will das Thema im August nochmals in den Aescher Gemeinderat bringen. Dies, nachdem der Gemeinderat schon einem Projektierungskredit zustimmte. Die Exekutive von Pfeffingen, die Bürgergemeinde Aesch, Birldlife Schweiz sowie der lokale Naturschutzverein haben bereits finanzielle Unterstützung zugesichert.


Alle können teilnehmen
Die Aufwertung soll sich aus einer Vielzahl von Massnahmen zusammensetzen. «Entscheidend ist die Summe ganz vieler Einzelmassnahmen», sagt Merkelbach. So komme es nicht nur auf die grossen Bewirtschafter an, sondern «alle können Teil werden, ob mit ein paar Rebstöcken oder einem kleinen Stück Land.»

So zählen auch Pflanzung von Kletterrosen an einen Pfahl oder das Aufhängen von Nisthilfen für Wildbienen zum langen Massnahmenkatalog. «Das Projekt möchte alle ermutigen, sich im Rahmen der individuellen Möglichkeiten zu beteiligen.»

Ein kostenloses Angebot mit enger Begleitung von Experten, welche beraten und die Umsetzungen begleiten, soll zudem geschaffen werden. Weiter wird ein Leitfaden für die Umsetzungsarbeiten erstellt. Abrundend sind Informationstafeln und Kursangebote zur Artenförderung im Rebberg, der Strukturpflege und Hilfsmitteleinsatz. Angedacht sind aber auch Führungen, meint Merkelbach und betont: «Die Massnahmen werden in enger Zusammenarbeit mit den Landeigentümern erarbeitet. Das Mitmachen basiert auf dem Prinzip der Freiwilligkeit und alle Massnahmen werden über das Projekt finanziert.» Die Pflege sei aber Sache der Bewirtschafter, wo möglich werden Verträge für Biodiversitätsförderflächen vermittelt.


Mehrwert für Tiere
Im Rebgebiet soll in erster Linie im Unterwuchs und auf den Wendestreifen wieder eine Rebbergflora gefördert werden. Auf unbestockten Flächen ergänzen Blumenwiesen, Nützlingsstreifen und Trockensteinmauern ideal diesen Lebensraum. Viele Kleinstrukturen wie einzelne Kletterrosen an Rebpfählen, Ast- und Lesesteinhaufen, Säume, Niederhecken und dornige Strauchgruppen, Einzelbäume, ungeteerte Feldwege mit Mittelstreifen und Plätze bereichern die Rebflächen. «Damit ergänzen sie das Angebot an Unterschlupfmöglichkeiten für Insekten, Reptilien, Amphibien, Säugetiere wie Wiesel sowie für unzählige Wirbellose. Vögel werden insbesondere durch blütenreiche Flächen, Strukturreichtum und Nisthilfen gefördert. Typische Rebbergvögel wie die Zaunammer, Hänfling, Gartenrotschwanz, Wiedehopf und Wendehals können davon profitieren. Die letzten drei benötigen spezielle Nisthilfen», führt Merkelbach aus.

Alleine sorgfältige, termingerechte und bewusste Mahd von Rebenunterwuchs, Mittel- und Wendestreifen, Borden, aber auch Blumenwiesen fördert viele Blumenarten. Blütenreiche Säume und stehengelassene Altgrasstreifen bieten Nahrung und Schutz für Insekten, die wiederum Nahrung der Vögel sind.