Internet Wochenblatt Schwarzbubenland/Laufental
04.10.2018

Ein Botschafter aus einem Land christlicher Märtyrer

<em>Gemeinsame Feier: </em>Bischof Kyrillos Samann mit Gastgeber Pfarrer Ignacy Bokwa.Foto: zvg

Gemeinsame Feier: Bischof Kyrillos Samann mit Gastgeber Pfarrer Ignacy Bokwa.Foto: zvg

Stefan Treier

Selbst wenn die Christen wegen ihres Einsatzes für Bildung und Gesundheit in Ägypten von Angehörigen anderer Konfessionen und vom Staat sehr geschätzt werden, gelten sie im Land am Nil dennoch nicht als gleichwertige Bürgerinnen und Bürger. Wie Bischof Kyrillos Samaan aus Assiut (Mittelägypten) während seines kürzlich erfolgten Besuches in der Pfarrei Nunningen zu berichten wusste, gibt es heute noch Benachteiligungen, gar Märtyrer in Ägypten. Der Vertreter der koptisch-katholischen Kirche weilte auf Einladung des Hilfswerks «Kirche in Not» in der Schweiz, wo er verschiedene Pfarreien besuchte und über die aktuelle Lage der Christen in Ägypten informierte. In Nunningen wurde er von Pfarrer Ignacy Bokwa herzlich willkommen geheissen. Die aufmerksamen Zuhörer waren ihm gewiss. Es gab lebhafte Dialoge.

In Ägypten leben derzeit rund 100 Millionen Einwohner, wovon ungefähr 15 Prozent Christen sind. Davon machen die koptischen (ägyptischen) Katholiken mit 250000 Gläubigen eine kleine Minderheit aus. Sie leben über das ganze Land verteilt und sind in sieben Bistümern organisiert. Bischof Samaan, der auch als Professor und Regens des Priesterseminars in Kairo tätig war und perfekt deutsch spricht, bemüht sich mit grossem Einsatz als Brückenbauer zwischen den Religionen. Dabei kommt ihm das Engagement der katholischen Kirche in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Soziales zu Nutzen.

Das Christentum im Ägypten geht auf den Evangelisten Markus zurück. Die ersten Mönche, welche im Westen Grundlagen für das Christentum legten, stammten aus Ägypten. Während 1400 Jahren haben Christen und Muslime friedlich nebeneinander gelebt. Seit anfangs der Fünfzigerjahre werden die Christen durch die politischen Machthaber jedoch immer mehr diskriminiert. Während sie früher selbst in Schlüsselpositionen des öffentlichen Lebens tätig sein konnten, wird ihnen dies seit längerer Zeit verwehrt, womit sie zu Bürgern zweiter Kategorie gemacht werden. So werden beim Erstellen von kirchlichen Bauten durch staatlichen Autoritäten bürokratische Hindernisse erstellt.

OhneHilfe der Weltkirche geht es nicht

Die katholische Kirche fühlt sich gestärkt durch das Gottvertrauen, die Hilfe der Weltkirche, insbesondere von «Kirche in Not», sowie besonders durch ihre Märtyrer. An Weihnachten 2016 explodierte während der kirchlichen Weihnachtsfeierlichkeiten eine Bombe, welche 28 Menschen in den Tod riss. Papst Franziskus betete später bei seinem Ägypten-Besuch in dieser Kirche. Letztes Jahr gab es am Palmsonntag gleichzeitig zwei Attentate in zwei Kathedralen. Später wurde eine christliche Pilgergruppe von fanatischen Islamisten während einer Pilgerfahrt angehalten, aus dem Fahrzeug gezerrt und zur Konversion zum Islam gezwungen. Als die Christen dies verweigerten, wurde die ganze Gemeinschaft erschossen.

Die katholische Kirche leitet in Ägypten 170 Privatschulen, welche von 90 Prozent Nichtchristen besucht werden. Weiter betreibt die katholische Kirche viele Spitäler, was von der Bevölkerung, wie auch vom Staat, sehr geschätzt wird. Bei diesen Aufgaben erfüllen Patres und Nonnen Schlüsselfunktionen. Die vielfältigen karitativen und sozialen Aufgaben können nur durch die göttliche Vorsehung und die Unterstützung aus der Weltkirche, insbesondere durch das Hilfswerk «Kirche in Not», wahrgenommen werden, wofür der ägyptische Gast lobende und dankende Worte findet.

Erfreulich ist, dass viele Muslime mit den Christen harmonisch zusammenarbeiten und gar während der christlichen Gottesdienste die Kirchen gegen mögliche Terrorangriffe abschirmen. Bei christlichen Glaubensfesten, so besonders Maria Himmelfahrt, gesellen sich viele friedvolle Muslime zu den Christen, um mit ihnen gemeinsam zu feiern. Umso mehr schmerzt es tief, wenn Anschläge von Fanatikern das friedliche Nebeneinander trüben und Angst und Schrecken verbreiten..

Stefan Treier, Wohlen

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