Internet Wochenblatt Schwarzbubenland/Laufental
04.07.2018

Weiden statt Nadelbäume

<em>Im Dickicht: </em> Christian Becker vom Forstrevier Angenstein im neu ausgehobenen Seitenarm der Birs.Foto: Peter Walthard

Im Dickicht: Christian Becker vom Forstrevier Angenstein im neu ausgehobenen Seitenarm der Birs.Foto: Peter Walthard

In Brislach befindet sich die wertvollste Auenlandschaft des Baselbiets. Dank Rodung und Renaturierung herrscht hier nun wieder das natürliche Regime des Flusses.

Peter Walthard

Einst überzogen sie grosse Teile der Nordwestschweiz: die Auenwälder mit ihren verschlungenen Flussarmen, den sonnigen Kiesinseln, den schattigen Schwemmholzhaufen und den feuchten Tümpeln, in denen Amphibien ideale Laichbedingungen finden. Mit der Korrektur der Flüsse sind die meisten Auen in unserer Region verschwunden. Wo einst Rhein und Birs mäandrierten, sind heute Autobahnen, Eisenbahnschienen, Gewerbehallen.

Im Laufental hat sich ein letztes der grünen Paradiese erhalten. Bevor die Birs sich durch die Felsen des Chessilochs drängte, uferte sie hier grosszügig aus, und auf den immer wieder überschwemmten Landflächen entwickelte sich ein ganz besonderer Wald aus Weiden, Schwarzpappeln, Ulmen und Eichen. Teile davon stehen bis heute, und mit der am Freitag der Öffentlichkeit vorgestellten Renaturierung der Birsmatte in Brislach erhält zumindest ein Stück davon wieder sein ursprüngliches, von den Hochwasserspitzen der Birs bestimmtes Regime.

Um das grosszügige Stück Land wieder näher an die Natur zu führen, brauchte es zunächst Kettensäge, Helikopter und Bagger: Ein bestehender Fichtenforst wurde gefällt, das Holz ausgeflogen und ein alter Seitenarm der Birs ausgebaggert, sodass er bei hohem Wasserstand geflutet wird. Dann folgte die Bepflanzung: Standortgerechte Hölzer wie Schwarzpappeln und Weiden haben hier einen Platz gefunden. Man habe bewusst Weidenarten aus der Region ausgewählt, erklärte Christian Becker vom Forstrevier Angenstein, der für die Realisation des Projekte zuständig war. So ist die Birsmatte zu einer Arche Noah für die zum Teil selten gewordenen Weidenarten des Baselbiets geworden: «Wenn man Schösslinge braucht, weiss man nun, wo man sie holen kann», sagte Becker.

Seit 2017 ist die Birsmatte als bislang einziges Auengebiet des Kantons im Bundesinventar der Auen von nationaler Bedeutung aufgeführt. Die Renaturierung sei zwar unabhängig davon geplant worden, mache nun aber umso mehr Sinn, erklärte Kreisforstingenieur Luzius Fischer.

Die Fichten sind weg

Dass diese grüne Perle nun wieder ganz nahe an die Natur zurückgeführt werden konnte, hat ironischerweise direkt mit einem grossen Eingriff in den freien Lauf der Birs zu tun: Vor dem Bau des Grellinger Wasserkraftwerks «Moos» 1945 war der grösste Teil der Aue nämlich längst in Landwirtschaftsland umgewandelt worden. Das neue Wehr liess den Wasserstand aber um einige Zentimeter steigen, sodass der Boden vernässte und für die Landwirtschaft unattraktiv wurde. Mit einer Fichtenplantage versuchte die Brislacher Bürgergemeinde das Land doch noch irgendwie gewinnbringend zu nutzen.

Nun sind die standortfremden Fichten weg und die natürliche Dynamik kann sich wieder entfalten. Die erste Hochwassertaufe hat der renaturierte Flussarm bereits hinter sich. Kurz nach der Fertigstellung des 350 m langen Nebenarms überschwemmte die Birs die gesamte Aue, lagerte fruchtbares Schwemmaterial ab und füllte den Amphibientümpel ein erstes Mal auf.

Nun grünt und blüht es in der Aue, besonders gestaltete Lebensräume warten auf Wildbiene, Eisvogel und Biber, bislang hat aber vor allem eine Tierart die Gegend in Beschlag genommen: die Zecken. Von einem Besuch vor Ort rät Fischer daher eher ab. Für Menschen gebe es an der Birs attraktivere Plätze als das Dickicht auf der Birsmatte. Denn: «Wir haben die Aue bewusst nicht als Naherholungsgebiet gestaltet. Sie ist allein für die Natur da.»

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