Internet Wochenblatt Schwarzbubenland/Laufental
09.05.2018

Unterschriften gegen Pfarrer

<em>Die Kirche ist nicht im Dorf: </em>In der Kirchgemeinde Büsserach führten Spannungen zum Eklat. Foto: Bea Asper

Die Kirche ist nicht im Dorf: In der Kirchgemeinde Büsserach führten Spannungen zum Eklat. Foto: Bea Asper

In der Kirchgemeinde Büsserach herrscht Ausnahmezustand. Das Pfarreileben wird beeinflusst von Verunsicherung und Misstrauen.

Bea Asper

Von Vertretern des Bistums mussten die Kirchgemeinderäte Michel Thüring, Peter Jeker und Doris Hofer erfahren, dass in Solothurn ein anonymes Schreiben eingegangen war. In der Kirchgemeinde Büsserach herrschten Missstände, so der Vorwurf der Schreiber. Die Kritik richtet sich gezielt gegen Pfarrer John Obinna Agbakwuo. Ihm wird unterstellt, er veranstalte zu viele Spendenaktionen für seine Heimat in Afrika. Ausserdem mache er es in Taufgesprächen zum Thema, wie oft man denn zur Kirche gehe. Begleitet wurden die Vorwürfe von wilden Spekulationen, wer mit wem unter einer Decke stecke.

Dem Brief ans Bistum folgte eine Unterschriftensammlung. Man sei mit der Pfarreileitung unzufrieden und wünsche sich einen anderen Pfarrer. 168 Büsseracher unterschrieben. In der Folge traf sich Bischofsvikar Arno Stadelmann mit Vertretern der Kirchgemeinden Büsserach und Erschwil. Denn Pfarrer Obinna leitet auch die Pfarrei von Erschwil.

Keine Probleme im Nachbardorf

Dort war man sehr erstaunt über die Vorwürfe. Kirchgemeindepräsidentin Marianne Wälchli schilderte, dass Pfarrer Obinna in den letzten vier Jahren viel Positives bewirkt und neues Leben in ihre Gemeinde gebracht habe. Auch Michel Thüring, Vizepräsident des Büsseracher Kirchenrates, erlebte den Pfarrer «als treibende Kraft», wie er auf Anfrage dieser Zeitung sagt.

Er weist darauf hin, dass die Kirchgemeinderäte einstimmig den Antrag an das Bistum auf Weiterbeschäftigung des Pfarrers gestellt hatten. Diskussionen habe es immer wieder mal gegeben, in einer Kirchgemeinde treffen verschiedene Meinungen aufeinander und niemand kann es allen recht machen, doch dass es zum Eklat kam, hat ihn «verblüfft». Er habe auch noch ein Angebot für ein klärendes, vermittelndes Gespräch gemacht, doch die Fronten seien verhärtet gewesen.

Fragebogen an Kritiker

Über die genauen Hintergründe bewahrt Thüring Stillschweigen. Er dementiert aber nicht, dass möglicherweise ein Kompetenzgerangel die Anschuldigungen gegen Obinna ins Rollen brachten. Thüring erinnert daran, dass auch der vorherige Pfarrer Bruno Stöckli Kritik ausgesetzt war und es Aussprachen gab, «weil der eine oder andere Mitwirkende der Pfarrei seine Kompetenzen klar überschritten hatte». Pfarrer Obinna, der Professor der Theologie ist, will sich im laufenden Verfahren nicht öffentlich äussern. «Ich möchte lieber nichts dazu sagen», erklärt er auf Anfrage.

Thüring versichert, dass sich die Exekutive eine lebendige Pfarrei wünsche und Verbesserungsvorschlägen gegenüber offen sei. Deswegen habe man auch aktiv den Kontakt zu den Kritikern gesucht und ihnen einen Fragebogen zukommen lassen. Einige davon reagierten mit dem Vorwurf, das Bistum habe mit der Herausgabe der Unterschriftenbogen den Datenschutz verletzt. Der Kirchgemeinderat sieht dies anders: «Es ist jedem freigestellt, darauf einzugehen oder nicht.» Der Fragebogen sei Ausdruck dafür, dass der Rat Kritik nicht einfach abprallen lasse, sagt Thüring. Mit dem Fragebogen versuche der Rat herauszufinden, was in der Kirchgemeinde als Missstand empfunden werde, mit welchen Leistungen der Pfarrei man nicht einverstanden sei und was es zu ändern gelte.

Ein paar Dutzend Fragebogen seien auch zurückgekommen und enthielten «mehr oder weniger konstruktive Vorschläge». Der Kirchgemeinderat hat nun nicht nur einen Bericht zuhanden des Bistums verfasst, sondern plant für die Büsseracher einen Informationsanlass, an dem vor allem auch zur Sprache kommen soll, wer für was zuständig und zu welchen Entscheidungen befugt ist. Dabei werden auch die inhaltlichen Vorgaben vom Bistum – darin sind zum Beispiel auch Spendenaktionen geregelt – thematisiert. An der Kirchgemeindeversammlung Ende Mai will Thüring über die Geschehnisse orientieren.

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