Dorneckberg/Leimental
12.09.2018

Die römische Villa in Rodersdorf wird grösser und grösser

<em>Geduldsarbeit: </em>Paul Gutzwiller (r.) und das Team der Kantonsarchäologie legen auf dem Trassee eines Zufahrtsweges einen gemörtelten Boden frei.Foto: zvg

Geduldsarbeit: Paul Gutzwiller (r.) und das Team der Kantonsarchäologie legen auf dem Trassee eines Zufahrtsweges einen gemörtelten Boden frei.Foto: zvg

Bereits bekannt war, dass die römische Villa in Rodersdorf ein rechtes Anwesen war. Nun haben die Archäologen weitere Räume freigelegt. Die Villa ist somit noch bedeutender, als bisher angenommen.

Gini Minonzio

Weit grösser als bisher angenommen ist die römische Villa in Rodersdorf. «Es ist fantastisch, dass wir ein weiteres Stück der Villa gefunden haben», sagt dazu der im Auftrag des Kantons Solothurn arbeitende Archäologe Paul Gutzwiller. Er geht nun davon aus, dass das Herrschaftshaus mindestens 100 Meter lang war. Ein riesiger Prunkbau!

Die ersten Teile der römischen Villa haben die Archäologen zu Beginn der Jahrtausendwende bei der Bahnhofstrasse ausgegraben. Die damaligen Funde wiesen darauf hin, dass die römische Villa um das Jahr 70 n. Chr. entstand. Wenn römische Soldaten nach 25 Jahren pensioniert wurden, kauften sie sich mit der Abfindung oft ein Landgut und bauten sich ein Herrschaftshaus. So könnte es auch bei der Villa in Rodersdorf gewesen sein.

Der innere Kern solcher Gutsbetriebe war von einer Mauer umgeben. Auf dem Gelände gab es jeweils mehrere Wohngebäude für die Herrschaft und das Gesinde; zudem Ställe und Handwerksgebäude wie eine Schmiede oder einen eigenen Tempel. Auch gab es jeweils einen Lustgarten und einen Gemüsegarten. Man geht davon aus, dass dieses Hofgelände in Rodersdorf rund 400 mal 500 Meter gross war.

Diesen Frühling wurde an der Bahnhofstrasse in Rodersdorf ein weiteres Wohnhaus mit Zufahrtsstrasse gebaut. Einen Monat lang begleitete Archäologe Paul Gutzwiller die Aushubarbeiten. Dabei ging er manchmal dreimal am Tag zur Baustelle. Dabei stiess er auf vier neue Räume. Diese hat er zusammen mit einem Grabungsteam der Kantonsarchäologie Solothurn genauer untersucht.

Wie kann er sicher sein, dass diese Räume zum Herrschaftshaus gehörten? «An einer Stelle fanden wir Reste von Tubuli, also Heizungsrohren. Zudem auch Teile eines Terrazzo-Mörtelbodens, wie er in einer römischen Heizanlage, einer Hypokaust, verwendet wurde», erklärt Paul Gutzwiller. Eine solche Boden-Wand-Heizung war ein teurer Luxus, den sich nur Reiche leisten konnten.

Interessant sind auch die freigelegten Fundamente. Manche sind nur 50 Zentimeter tief und bestehen im unteren Teil aus hineingeworfenen Kalksteinen. Nur der obere Teil ist gemörtelt. «Eventuell gehören diese Fundamente zu einem Holzriegelbau oder Fachwerkbau, so wie man sie auch aus der Römerstadt Pompeji kennt. Denn das Leimental ist ja nicht besonders steinreich», mutmasst Gutzwiller.

Gleich daneben hat er jedoch auch Fundamente gefunden, die 1,4 Meter tief sind. Wozu sie dienten, kann man nicht wissen. Denn bei der ganzen Notgrabung hat Gutzwiller ausser Fundamenten, Mauern und Teilen einer Heizung nur wenige Keramikscherben gefunden.

War die Notgrabung also ein Schlag ins Wasser? «Ganz und gar nicht», widerspricht Gutzwiller, «denn es ist grossartig zu wissen, dass das Herrschaftshaus so bedeutend war.»

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