Hofstetten-Flüh
11.04.2018

Ein Sonntag in Weiss

Gross und Klein: Erstkommunikanten und Ministranten in Hofstetten. Foto: Peter walthard

Gross und Klein: Erstkommunikanten und Ministranten in Hofstetten. Foto: Peter walthard

Für einen Tag waren sie kleine Stars: 15 Buben und Mädchen zogen in Hofstetten feierlich zur Erstkommunion.

Peter Walthard

Einst gehörte sie zur Osterzeit wie der Hase und die Eier: die Erstkommunion am Weissen Sonntag, eine Woche nach dem Osterfest. Heute tun sich viele Gemeinden schwer mit der alten Tradition. Es mangelt an beidem: Kindern, die für die Erstkommunion angemeldet werden, und Priestern, die diese spenden können. So ist der Weisse Sonntag längst nicht mehr überall weiss. Die Erstkommunion muss an anderen Tagen gefeiert werden oder sie findet nur noch alle zwei Jahre statt.

Nicht so in Hofstetten. Zumindest nicht in diesem Jahr. «So viele Erstkommunikanten hatten wir lange nicht mehr», sagt Katechetin Cornelia Hasenfratz. 15 sind es allein in Hofstetten, zusammen mit den Kindern der anderen Gemeinden des hinteren Leimentals betreute sie am Erlebnistag, an dem die jungen Menschen auf den grossen Auftritt in der Kirche eingestimmt werden, 36 Köpfe. Eine Herausforderung.

Denn viele Kinder können sich unter der Erstkommunion am Anfang nicht viel vorstellen. «Es ist nicht mehr so viel Hintergrund da», sagt Hasenfratz. Und schliesslich falle es auch Erwachsenen schwer, sich vorzustellen, wie Brot und Wein plötzlich mehr sein sollten als ein Nahrungsmittel.

Von Fototermin zu Fototermin

Sie griff zu einem Trick: «Jedes Kind nahm einen Gegenstand mit, der ihm besonders viel bedeutet, zum Beispiel eine Muschel vom Strand», erzählt sie. So sei erlebbar geworden, dass ein Gegenstand mehr als eine Bedeutung haben kann. So wie eben bei der Kommunion.

Und so sind sie dann doch alle gut vorbereitet, die neun Mädchen und sechs Buben, die sich am Sonntag gegen halb zehn vor der mittelalterlichen St.- Johannes-Kapelle in Hofstetten in ihren langen, weissen Gewändern versammeln. Umgeben von ihren Familien, sind sie heute kleine Stars, ein Fototermin folgt auf den anderen. Mit den Eltern, mit den Paten, mit den Grosseltern, mit den Geschwistern.

Bis Pfarrer Günter Hulin kommt. Er versucht, etwas Feierlichkeit in die Aufgeregtheit zu bringen. Die Kinder stehen im Halbkreis, dahinter die Eltern. Mit noch etwas leisen Stimmen singen sie das «Laudato si» und werden von den Eltern gesegnet. Pfarrer Hulin blickt zufrieden.

Emotionen in der Kirche

Und dann ist es endlich so weit. Für die grosse Prozession von der St.-JohannesKapelle zur Kirche ist die Strasse abgesperrt worden, und so kann sich der Zug Raum nehmen, und damit steigt auch das Selbstvertrauen: Das «Laudato Si» wird kräftiger und lauter. In der Kirche schliesslich kommen dann die Emotionen. Denn es sind die Kinder, die den Gottesdienst zusammen mit Pfarrer Günter Hulin leiten.

Da kommt es schon mal vor, dass die Nervosität durchbricht und die eine oder andere Träne fliesst. Schliesslich haben es aber alle geschafft. Und sind nun erst recht Stars. Geduldig nehmen sie die Pflichten, die das Promi-Dasein mit sich bringt, auf sich. Und so posieren noch lange für die Fotografen, während die Eltern allmählich zum Abmarsch drängen.Denn nun soll der zweite Höhepunkt des Tages folgen: Das Familienessen.

update ag