Mariastein
15.02.2017

Keine heile Welt

Die Künstlerinnen: Schwester Chantal Hug (l.) und Schwester Benedicta Cavegn. Foto: Bea Asper

Die Künstlerinnen: Schwester Chantal Hug (l.) und Schwester Benedicta Cavegn. Foto: Bea Asper

Die Ordensschwestern Chantal Hug und Benedicta Cavegn zeigen ihr Schaffen im Kloster Mariastein und im Hotel Kurhaus Kreuz.

Bea Asper

Diese Farben – eine wahre Pracht». Oder «Diese Gemälde in Ölfarben und Aquarelle üben eine unerklärlich starke Anziehung und Faszination aus», kommentierten Besucher letzten Samstag an der Vernissage die Werke der neusten Ausstellung im Kurhaus des Klosters Mariastein. «Meine Bilder geben keine heile Welt wieder. Gewalt, zerstörerische Machtstrukturen und Disharmonien im menschlichen Zusammenleben finden ihren Niederschlag», sagt Schwester Chantal Hug über ihre Werke, die unter dem Titel «Licht» stehen. «Zu Licht gehört Schatten, aber ich tendiere mit Gottes Hilfe immer zum Licht», sagt die Künstlerin, die seit Jahrzehnten im Benediktinerinnenkloster Melchtal lebt. Die Besucher teilen die Auffassung: «Im dunklen Hintergrund bringen die hellen Farben ihre Pracht und Wirkung noch stärker zum Ausdruck.» Die Bilder sind in Mariastein bis zum 2. April zu sehen und käuflich zu erwerben.

Parallel dazu gibt es im Ausstellungsraum der klösterlichen Gemäuer ein zweites Kunstwerk zu bestaunen. Um in den Besitz dieser Figuren zu gelangen, braucht es allerdings Überredungskunst. Schwester Benedicta Cavegn hat sie für ihre Wander-Ausstellung konzipiert, schliesst aber nicht ganz aus, auf Wunsch auch eine Figur für den Verkauf anzufertigen. Einmal gesehen, wächst der Wunsch, diese Figuren immer wieder anzuschauen und in eine tiefe Faszination einzutauchen. Die Besucher waren auch in diesem Raum angetan von der Pracht und dem Glanz dieser Kunstwerke – unter dem Titel: «Beten heisst alles geben.» Schwester Benedicta Cavegn – sie ist seit 25 Jahren Trappistin und Mitglied der Klostergemeinschaft Chambarand, Frankreich – lädt ein zum bereichernden Gedankenaustausch zwischen den Menschen hinter und vor den Klostermauern und bringt mit ihren Figuren Unscheinbares zum Ausdruck. Die Figuren symbolisieren die vielseitigen Facetten des Betens und nehmen ihre Mitfiguren – Randständige, Vertriebene, Arbeitslose, Revoltierende, Abgestürzte, Süchtige, Einwanderer und ungewollt Schwangere – in ihren Kreis auf. Entstanden sind die wundervollen Tonfiguren in einem kleinen Atelier in Einsiedeln. Schwester Benedicta Cavegn lebt und arbeitet derzeit im dortigen Kloster.

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